15. Februar 2011
Als postpartale Stimmungsdepression bezeichnet man eine Wochenbettdepression bei Frauen. Sie tritt nach der Geburt eines Kindes auf.
Die postpartale oder postnatale Stimmungsdepression wird auch Wochenbettdepression genannt. Man unterscheidet zwischen unterschiedlichen Formen von depressiven Verstimmungen.
Hält eine depressive Verstimmung nur ein paar Tage an, handelt es sich um eine deutlich mildere Verlaufsform, die man als Baby Blues oder Heultage bezeichnet. Ein solches Stimmungstief kann durch die Umstellung der Hormone ausgelöst werden. Dagegen dauert eine postpartale Stimmungsdepression ein paar Wochen oder sogar noch länger an. In schweren Fällen besteht die Gefahr, dass die Wochenbettdepression chronisch wird und sich zu einer Wochenbettpsychose ausweitet. Empfindet die Betroffene die Geburt ihres Kindes als traumatisch, spricht man von einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch nach Frühgeburten oder gar Totgeburten kann eine depressive Reaktion auftreten. Unter den so genannten Baby Blues leiden ca. 50–70 Prozent der Frauen. Bei zehn bis fünfzehn Prozent kommt es zu einer postpartalen Stimmungsdepression. Dagegen treten Wochenbettpsychosen nur sehr selten auf.
Ausgelöst werden kann eine postpartale Stimmungsdepression durch verschiedene Ursachen. Dazu gehört vor allem, dass sich die Lebenssituation der Mutter sehr verändert. Auch Schlafmangel, fehlende Ruhe, Reizüberflutung sowie die Hormonumstellung tragen zu dem Entstehen von depressiven Verstimmungen bei. Bestehen zudem Probleme in der Partnerschaft und mangelt es an Unterstützung durch Familie oder Freunde, kann sich eine schwere Wochenbettdepression entwickeln. Doch nicht immer sind psychische Probleme ausschlaggebend für eine postpartale Stimmungsdepression. So kann es auch durch physische Ursachen wie Komplikationen bei der Geburt, Eisenmangel oder Störungen der Schilddrüse zu einer Depression kommen. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass bestimmte Arzneimittel wie zum Beispiel Herzmedikamente, Abstillmittel oder antirheumatische Mittel eine Depression auslösen. Bestehen zudem bereits während der Schwangerschaft Depressionen, erhöht sich das Risiko, dass es auch nach der Geburt zu einer depressiven Störung kommt. Das Gleiche gilt, wenn schon vor der Schwangerschaft Depressionen auftraten. Grund für eine posttraumatische Belastungsstörung ist meist das traumatische Wahrnehmen des Geburtsvorganges. Dabei fühlen sich die Betroffenen oft hilflos oder ausgeliefert. Meist wurde das Ereignis der Geburt nicht genügend verarbeitet.
Charakteristisch für einen Baby Blues oder eine postpartale Stimmungsdepression sind Stimmungsschwankungen, erhöhte Nervosität sowie Überempfindlichkeit. Im weiteren Verlauf kann es zu Schuldgefühlen, Niedergeschlagenheit, Schlafproblemen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Konzentrationsstörungen kommen. Während der Baby Blues seinen Höhepunkt nach fünf Tagen erreicht und nach ungefähr zehn Tagen wieder abklingt, entwickelt sich eine ernst zu nehmende Wochenbettdepression dagegen langsam und schleichend nach ein paar Wochen.
Um eine postpartale Stimmungsdepression zu diagnostizieren, greift man auf einen speziellen Fragebogen zurück. Dabei handelt es sich um den so genannten Edinburgh Postpartum Depression Scale, der dazu dient, Anzeichen einer Depression zu beurteilen. Er enthält zehn Fragen, die sich mit dem seelischen Befinden der Mutter nach der Geburt beschäftigen.
Handelt es sich um einen Baby Blues, ist meist keine Psychotherapie erforderlich. In der Regel wird die Betroffene vom Hausarzt oder Frauenarzt beraten. Bei schweren Fällen muss jedoch ein Psychotherapeut konsultiert werden. Manchmal kann auch eine stationäre Behandlung notwendig sein. Eine wichtige Rolle bei der Überwindung einer Wochenbettdepression spielen auch die Familenangehörigen.
Als beste Vorbeugung gegen eine postpartale Stimmungsdepression gilt ein fester sozialer Rückhalt. Daher ist die verstärkte Unterstützung des Partners oder der Angehörigen überaus wichtig.
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