4. Juli 2009
Von Viola Reinhardt
Das menschliche Gehirn ist ein ausgeklügeltes System und fungiert als Schaltzentrale für jegliche Vorgänge im Körper. Störungen in unterschiedlichen Regionen sind aufgrund der Anfälligkeit des Gehirns keine Seltenheit und zeigen verschiedene Auswirkungen auf die Betroffenen und deren Angehörigen. Borderline stellt hier allerdings eine besonders diffizile Persönlichkeitsstörung dar, die sich facettenreich und sehr oft massiv belastend darstellt.
Diese inzwischen als Erkrankung eingestufte Störung der Persönlichkeit kann auf eine Geschichte zurückblicken, die ihren ersten konkreten Ursprung 1884 gefunden hat. Einst als Borderland bezeichnet, hat sich der Begriff mit den Jahren zu Borderline gewendet und wird oftmals als Grenzlinie oder auch als grenzwertig tituliert. Umstritten selbst unter den Experten, offenbart sich Borderline in einer großen Vielzahl von Symptomen, denen jedoch allen gemeinsam ist, dass nicht nur der Betroffene leidet, sondern auch dessen Angehörigen.
Unberechenbar zeigt sich diese Störung und Mediziner sowie Psychologen stehen in vielen Fällen dieser Erkrankung hilflos gegenüber. Die meisten Vorgänge spielen sich in dem Betroffenen selbst an, die sich oft genug als paradox in sich aufzeigen. Angst vor dem Alleinsein paart sich mit der Angst vor der Nähe zu anderen Menschen. Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie und depressiven Gefühlen tauchen bei Borderlinern ebenso auf als auch ein eigenes Ausgrenzen aus der Gesellschaft. Diese Ausgrenzung erfolgt durch Lügen (die die Betroffenen in der Regel selbst als Wahrheiten ansehen), Stehlen, Aggressivität und auch durch ein permanentes Abhauen aus der Familie oder später aus der Beziehung.
Selbstzerstörendes Verhalten durch das Aufritzen der Extremitäten, Selbstmordversuche oder auch starkes Nägelkauen bis auf das Fleisch sind hierbei ebenso möglich als auch Bulimie, das Zufügen von Verbrennungen, Quetschungen und ein großes Suchtverhalten mit Alkohol und Drogen. Depressionen, Verzweiflung und eine chronische Erschöpfung gehen ebenfalls als Symptomatik mit dem Borderline-Syndrom einher und ergänzt sich in vielen Fällen mit den Symptomen des ADHS-Syndroms.
Der Umgang mit dem betroffenen Kind oder Familienmitglied stellt sich als äußerst beschwerlich dar, da man nie weiß was als nächstes kommt. Interessanterweise zeigt sich bei Testungen, dass es sich bei den Betroffenen um sehr intelligente Menschen handelt, die mitunter einen IQ von über 140 aufzeigen. Liebenswert und sozial eingestellt, wird der Borderliner von einer Minute zur anderen von einem "Dr. Hayde zu einem Jekyll" und die Unberechenbarkeit nimmt ihren weiteren Lauf.
Wie Borderline entstehen kann, wird selbst in Fachkreisen nach wie vor heftig diskutiert und alle Theorien basieren auf Mutmaßungen die sich im Bereich der Genetik und frühkindlichen prägenden Erlebnissen aufhalten. Genaues weiß niemand und auch angesichts der Heilungschancen, denn unterschiedliche Auswertungen haben aufgezeigt, dass selbst jahrelange Therapien kaum eine Besserung bringen. Aufgrund der wenigen Kenntnisse mit der Thematik Borderline gibt es auch nicht viele Experten die eine Behandlung erfolgreich im Sinne von Abmildern durchführen können. Erschwert wird eine Behandlung auch dadurch, dass viele Betroffene, übrigens rund 1-2% der Bevölkerung und bis zu 75% Frauen, ihre "Krankheit" nicht erkennen und demzufolge dank ihrer emotionalen Intelligenz auch Therapeuten austricksen können.
Für die Angehörigen bleibt nur der Faktor Zeit als Haltepunkt, denn wie man feststellen konnte, lassen die Symptome der Persönlichkeitsstörung mit den Jahren nach ohne allerdings gänzlich zu verschwinden. Selbsthilfegruppen und die Hilfe von staatlichen Stellen wie etwa dem Jugendamt, können jedoch dabei helfen mit dem Borderliner besser umzugehen und auch nicht ständig die Schuld bei sich selbst zu suchen.
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