9. November 2006
Hinter vermeintlichem, schwer therapierbarem Asthma können sich Fehlfunktionen der Stimmbänder verbergen. Nur durch eingehende Untersuchung ist eine genaue Diagnose möglich, denn beide Erkrankungen werden von plötzlicher, anfallsartiger Atemnot begleitet.
Plötzlich scheint das Atmen unmöglich - der Hals ist wie zugeschnürt. Verzweifelt versucht man, Luft zu bekommen. Doch je angestrengter man nach Luft ringt, desto stärker verkrampft sich der obere Halsbereich. Von einem Moment auf den anderen löst sich der Knoten und die Luft kann wieder ungehindert fließen.
Diese anfallsartige Atemnot ist typisch für die Vocal Cord Dysfunction (VCD), bei der sich die Stimmbänder scheinbar aus heiterem Himmel verkrampfen. Die Stimmbänder legen sich über die Stimmritze und verengen die Öffnung, durch welche die Luft in die Lunge gelangt. Die Betroffenen empfinden diesen Verschluss als akut lebensbedrohlich, obwohl faktisch keine Erstickungsgefahr besteht.
Noch vor wenigen Jahren galt die VCD als untrügliches Anzeichen für Asthma Bronchiale. Gerade weil die Auslöser beider Krankheiten sehr ähnlich sind und ein VCD-Anfall häufig begleitend zu einer Asthma-Erkrankung auftritt, ist die Abgrenzung nur schwer möglich. Viele Patienten fühlten sich in ihrer akuten Atemnot falsch verstanden, da die Vocal Cord Dysfunktion nicht auf herkömmliche Asthma-Präparate anspricht.
Mittlerweile konnte Untersuchungen belegen, dass die VCD unabhängig von einer Asthma-Erkrankung auftritt.
Eine frohe Botschaft für die VCD-Patienten, denn für die Erkrankung der Stimmbänder besteht nach gesicherter Diagnose durchaus gute Erfolgsaussichten für eine Therapie.
Wichtige Anhaltspunkte für eine VCD sind das Engegefühl im Hals, das häufig von Husten, Heiserkeit und pfeifende Geräusche beim Einatmen begleitet wird.
Bevor die Therapie eingeleitet wird, muss der Arzt in einem eingehenden Patientengespräch abklären, welche Ursachen der Atemnot zugrunde liegen. Neben körperlichen Auslösern können psychosomatische Erkrankungen eine anfallsartige Atemnot bedingen.
Zu den häufigsten organischen Ursachen zählt der Rückfluss von Magensäure in die oberen Atemwege. Die Magensäure reizt den Kehlkopf, die Stimmbänder bewegen sich, um die oberen Atemwege zu schützen. Wenn der Kehlkopf durch den immer wiederkehrenden Rückfluss der Magensäure ständig irritiert wird, dann können sich die Bewegungen der Stimmbänder gewissermaßen verselbstständigen. Auch Störungen der Nerven, die den Kehlkopf versorgen oder krankhafte Veränderungen in der Hirnrinde sind mögliche Faktoren.
Der Rückfluss von Magensäure lässt sich medikamentös behandeln. Wenn organische Ursachen ausgeschlossen werden können, beginnt die Atemtherapie. Hier wird der Patient über seine Atmung aufgeklärt und lernt, die Angst vor einer Atemnot zu verlieren. Denn im Moment der Atemnot soll in das Zwerchfell eingeatmet und der obere Halsbereich bewusst locker gelassen werden. Durch das Trainieren spezieller Atemrhythmen und Entspannungsübungen können Verkrampfung der Stimmbänder verhindert werden und die Patienten zu einem beschwerdefreien Leben zurückfinden. Ein weiterer wichtiger Teil der Therapie besteht darin, die Auslöser der VCD zu bestimmen. Häufig sind es bestimmte Gerüche oder Allergene, die eine akute Atemnot auslösen können. Denn die meisten der Auslöser lassen sich leicht vermeiden.
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