(dgk) "Ich war immer ein ausgezeichneter Autofahrer", "Ich fahre seit über 50 Jahren unfallfrei!", "Ich habe meinen Führerschein gemacht, da wart ihr noch gar nicht geboren" – so oder ähnlich reagieren viele Betroffene, wenn es um das Thema Autofahren im Alter geht.
In den meisten Familien ist das ein heikles Thema, das man sich kaum anzusprechen traut. Umso mehr stellt sich die Frage nach der Verkehrstüchtigkeit, wenn bei dem älteren Menschen bereits eine Demenz oder beginnende Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert wird.
Wird eine solche Diagnose gestellt und der Patient fährt noch Auto, sollte umgehend eine Entscheidung über seine Verkehrstüchtigkeit getroffen werden, wobei Arzt und Angehörigen die schwierige Aufgabe zukommt, im Einzelfall zwischen der Sicherheit des Seniors sowie anderer Verkehrsteilnehmer einerseits und dem berechtigten Anspruch auf notwendige Mobilität und Selbstständigkeit des älteren Menschen anderseits abzuwägen.
Unbestritten ist, dass generell die Reaktionsfähigkeit, das richtige Einschätzen von Geschwindigkeiten und Entfernungen oder das rasche Aufnehmen eines immer schneller fließenden Verkehrsgeschehens mit Schildern, Ampeln und Straßenkennzeichnungen im Alter abnehmen. Ausdauer, Urteilsvermögen und die visuell-räumliche Wahrnehmung sind reduziert, Sehen und Hören bereiten Probleme. Und auch altersbedingte körperliche Beeinträchtigungen machen das Autofahren gefährlicher. Im Alter wird es zum Beispiel schwieriger, Kopf und Oberkörper zu drehen. Übrigens: Auch Medikamente, auf die viele ältere Menschen angewiesen sind, können die Fahrtüchtigkeit einschränken.
Die Zahl der Studien und Untersuchungen darüber, wie sich speziell Demenz oder auch Alzheimer auf die Fahrtüchtigkeit auswirken, ist begrenzt.
Auf lange Sicht führt eine Demenz zum Verlust der Fahreignung. In der Regel schreitet eine Demenz aber langsam voran und verläuft sehr unterschiedlich. Für Ärzte und Angehörige ist es daher schwierig zu beurteilen, ab wann ein Demenzkranker nicht mehr sicher fährt. Bisher gibt es nur unzureichende Maßstäbe. In Deutschland sind – im Gegensatz zu mehreren europäischen Staaten – keine routinemäßigen Untersuchungen der Fahreignung im Alter vorgeschrieben, stattdessen wird auf Eigenverantwortung gesetzt. Im Zweifelsfall – der häufig eher von den Angehörigen erkannt wird – sollte sich der betroffene Fahrzeuglenker von Fachleuten beraten lassen. Es empfiehlt sich dabei, Spezialsprechstunden beispielsweise in neurologischen oder psychiatrischen Fachambulanzen oder Gedächtnissprechstunden aufzusuchen, wo gezielte Tests auf Belastbarkeit, Orientierung, Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Reaktionsfähigkeit vorgenommen werden können. Auch Gesundheitsämter bieten spezielle Tests an.
Grundsätzlich gilt: Bei schweren Demenzerkrankungen mit Gedächtnislücken, Sprach- sowie Orientierungsschwierigkeiten besteht in der Regel Fahruntüchtigkeit, in leichteren Fällen sollten die individuellen Fahrmöglichkeiten mit einem Arzt abgesprochen bzw. überprüft werden. Auf jeden Fall ist Angehörigen und Ärzten zu raten, Anzeichen bei Betroffenen ernst zu nehmen und das Autofahren bereits im frühen Stadium der Demenz offen zu thematisieren. In dieser Phase ist der Patient meistens noch bereit, sich mit Veränderungen und Verlusten auseinanderzusetzen. Ob mit oder ohne Demenz – wer im hohen Alter noch Auto fahren möchte, sollte seine Fahrtauglichkeit im eigenen Interesse und im Interesse anderer Verkehrsteilnehmer freiwillig überprüfen lassen.
Tipp: "Sicher Auto fahren im Alter", eine Broschüre der Alzheimer Forschung Initiative. Die Broschüre kann bei der Alzheimer Forschung Initiative e. V., Grabenstraße 5, 40213 Düsseldorf, kostenfrei angefordert werden: per Post oder Internet unter www.alzheimer-forschung.de, per E-Mail unter info@alzheimer-forschung.de oder einfach über die gebührenfreie Telefonnummer 0800 / 200 400 1.
Quellen:
David A Breen, David P Breen, John W Moore, Patricia A Breen, Desmond O'Neill, Driving and dementia, in: British Medical Journal 2007 June 30; 334(7608): S. 1365 -1369, www.pubmedcentral.nih.gov/, Summary points unter: www.bmj.com/
B. R. Ott, W. C. Heindel, G. D. Papandonatos, E. K. Festa, J. D. Davis, L. A. Daiello, J. C. Morris: A longitudinal study of drivers with Alzheimer disease, published in "Neurology" online before print January 23, 2008, doi:10.1212/01.wnl.0000294469.27156.30), www.neurology.org/
psychiatrie-aktuell, Meldung vom 20.03.2008: Demenz-Patienten regelmäßig auf Fahrtüchtigkeit überprüfen, www.psychiatrie-aktuell.de/news/
Wie lange können Demente Auto fahren? In: Medical Tribune, Ausgabe 39/2007, S. 8, www.medical-tribune.de/patienten/news/
Universität Köln, Presse-Information 13/2006: Fahreignung bei Alzheimer-Erkrankung, Ermittlung neu-ropsychologischer Prädiktoren, www.uni-koeln.de/
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