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Autofahren und Alzheimer - wann sollten Demente nicht mehr hinters Steuer?

(dgk) "Ich war immer ein ausgezeichneter Autofahrer", "Ich fahre seit über 50 Jahren unfallfrei!", "Ich habe meinen Führerschein gemacht, da wart ihr noch gar nicht geboren" – so oder ähnlich reagieren viele Betroffene, wenn es um das Thema Autofahren im Alter geht.

In den meisten Familien ist das ein heikles Thema, das man sich kaum anzusprechen traut. Umso mehr stellt sich die Frage nach der Verkehrstüchtigkeit, wenn bei dem älteren Menschen bereits eine Demenz oder beginnende Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert wird.

Wird eine solche Diagnose gestellt und der Patient fährt noch Auto, sollte umgehend eine Entscheidung über seine Verkehrstüchtigkeit getroffen werden, wobei Arzt und Angehörigen die schwierige Aufgabe zukommt, im Einzelfall zwischen der Sicherheit des Seniors sowie anderer Verkehrsteilnehmer einerseits und dem berechtigten Anspruch auf notwendige Mobilität und Selbstständigkeit des älteren Menschen anderseits abzuwägen.

Unbestritten ist, dass generell die Reaktionsfähigkeit, das richtige Einschätzen von Geschwindigkeiten und Entfernungen oder das rasche Aufnehmen eines immer schneller fließenden Verkehrsgeschehens mit Schildern, Ampeln und Straßenkennzeichnungen im Alter abnehmen. Ausdauer, Urteilsvermögen und die visuell-räumliche Wahrnehmung sind reduziert, Sehen und Hören bereiten Probleme. Und auch altersbedingte körperliche Beeinträchtigungen machen das Autofahren gefährlicher. Im Alter wird es zum Beispiel schwieriger, Kopf und Oberkörper zu drehen. Übrigens: Auch Medikamente, auf die viele ältere Menschen angewiesen sind, können die Fahrtüchtigkeit einschränken.

Wenige Studien

Die Zahl der Studien und Untersuchungen darüber, wie sich speziell Demenz oder auch Alzheimer auf die Fahrtüchtigkeit auswirken, ist begrenzt.

  • Im vorigen Jahr hat der schottische Wissenschaftler Dr. David A. Breen mit seinem Team Untersuchungsergebnisse unter dem Titel "Driving and dementia" im British Medical Journal veröffentlicht. Danach habe es sich erwiesen, dass Betroffene nach der Erstdiagnose einer Demenz oft noch eine Zeit lang sicher Auto fahren könnten. Erst nach durchschnittlich drei Jahren sei die Fahrtüchtigkeit so stark eingeschränkt, dass der Patient die Finger bzw. die Hände vom Lenkrad lassen sollte, so die Autoren. Dennoch müsse über die Möglichkeiten anderer Transportmittel frühzeitig mit den Betroffenen gesprochen werden. Die grobe Dreijahresregelung gebe ihnen dabei Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Diese Dreijahresfrist ist allerdings nicht unumstritten, da die Auswirkungen einer Demenz und auch das Fortschreiten der Erkrankung sehr unterschiedlich sein können.
  • Nach einer aktuellen Studie aus den USA (veröffentlicht in "Neurology", Januar 2008) haben Menschen, die an Alzheimer-Demenz leiden, häufiger Autounfälle und schneiden bei Fahrtests schlechter ab als Autofahrer ohne kognitive Beeinträchtigung. Forscher des Rhode Island Hospital und der Brown University um Prof. Brian R. Ott untersuchten 128 Personen: 84 mit Alzheimer-Demenz im Frühstadium und 44 gesunde Vergleichspersonen gleichen Alters. Die Fahrtüchtigkeit der Studienteilnehmer wurde über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren alle sechs Monate überprüft. Es zeigte sich, dass die Fahrtüchtigkeit bei Patienten mit Demenz sehr schnell abnimmt. Deshalb sollten schon Menschen mit beginnender Demenz regelmäßig auf ihre Fähigkeit, ein Auto zu lenken, überprüft werden, so die Wissenschaftler. Die Untersuchungen belegten aber auch, dass Betroffene noch problemlos und sicher einen Wagen lenken können, solange die Demenz nur sehr leicht ausgeprägt ist.
  • An der Universität Köln läuft derzeit die erste deutsche Studie zu den Auswirkungen einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung auf die Fahreignung. Nach Ansicht von Professor Dr. Rüdiger Mielke vom Lehrstuhl für Neurowissenschaften und Rehabilitation der Universität Köln rechtfertige allein die Diagnose einer Alzheimer Erkrankung nicht, dass auf das Autofahren verzichtet werden muss. Der individuelle Krankheitsverlauf führe dazu, dass die Fahreignung der betroffenen Personen unterschiedlich lange erhalten bleibt. An der deutschen Studie nahmen insgesamt 50 ältere Personen zwischen 55 und 90 Jahren teil; die Veröffentlichung der Ergebnisse liegt noch nicht vor (Stand Ende Mai).

Fachleute und gezielte Tests geben Hilfen

Auf lange Sicht führt eine Demenz zum Verlust der Fahreignung. In der Regel schreitet eine Demenz aber langsam voran und verläuft sehr unterschiedlich. Für Ärzte und Angehörige ist es daher schwierig zu beurteilen, ab wann ein Demenzkranker nicht mehr sicher fährt. Bisher gibt es nur unzureichende Maßstäbe. In Deutschland sind – im Gegensatz zu mehreren europäischen Staaten – keine routinemäßigen Untersuchungen der Fahreignung im Alter vorgeschrieben, stattdessen wird auf Eigenverantwortung gesetzt. Im Zweifelsfall – der häufig eher von den Angehörigen erkannt wird – sollte sich der betroffene Fahrzeuglenker von Fachleuten beraten lassen. Es empfiehlt sich dabei, Spezialsprechstunden beispielsweise in neurologischen oder psychiatrischen Fachambulanzen oder Gedächtnissprechstunden aufzusuchen, wo gezielte Tests auf Belastbarkeit, Orientierung, Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Reaktionsfähigkeit vorgenommen werden können. Auch Gesundheitsämter bieten spezielle Tests an.

Thema nicht tabuisieren

Grundsätzlich gilt: Bei schweren Demenzerkrankungen mit Gedächtnislücken, Sprach- sowie Orientierungsschwierigkeiten besteht in der Regel Fahruntüchtigkeit, in leichteren Fällen sollten die individuellen Fahrmöglichkeiten mit einem Arzt abgesprochen bzw. überprüft werden. Auf jeden Fall ist Angehörigen und Ärzten zu raten, Anzeichen bei Betroffenen ernst zu nehmen und das Autofahren bereits im frühen Stadium der Demenz offen zu thematisieren. In dieser Phase ist der Patient meistens noch bereit, sich mit Veränderungen und Verlusten auseinanderzusetzen. Ob mit oder ohne Demenz – wer im hohen Alter noch Auto fahren möchte, sollte seine Fahrtauglichkeit im eigenen Interesse und im Interesse anderer Verkehrsteilnehmer freiwillig überprüfen lassen.

Tipp: "Sicher Auto fahren im Alter", eine Broschüre der Alzheimer Forschung Initiative. Die Broschüre kann bei der Alzheimer Forschung Initiative e. V., Grabenstraße 5, 40213 Düsseldorf, kostenfrei angefordert werden: per Post oder Internet unter www.alzheimer-forschung.de, per E-Mail unter info@alzheimer-forschung.de oder einfach über die gebührenfreie Telefonnummer 0800 / 200 400 1.

Quellen:
David A Breen, David P Breen, John W Moore, Patricia A Breen, Desmond O'Neill, Driving and dementia, in: British Medical Journal 2007 June 30; 334(7608): S. 1365 -1369, www.pubmedcentral.nih.gov/, Summary points unter: www.bmj.com/
B. R. Ott, W. C. Heindel, G. D. Papandonatos, E. K. Festa, J. D. Davis, L. A. Daiello, J. C. Morris: A longitudinal study of drivers with Alzheimer disease, published in "Neurology" online before print January 23, 2008, doi:10.1212/01.wnl.0000294469.27156.30), www.neurology.org/
psychiatrie-aktuell, Meldung vom 20.03.2008: Demenz-Patienten regelmäßig auf Fahrtüchtigkeit überprüfen, www.psychiatrie-aktuell.de/news/
Wie lange können Demente Auto fahren? In: Medical Tribune, Ausgabe 39/2007, S. 8, www.medical-tribune.de/patienten/news/
Universität Köln, Presse-Information 13/2006: Fahreignung bei Alzheimer-Erkrankung, Ermittlung neu-ropsychologischer Prädiktoren, www.uni-koeln.de/

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