Alkoholvergiftung - Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Die Ursachen einer Alkoholvergiftung sind vielfältig. Wie die Erkrankung verläuft, hängt von der getrunkenen Menge Alkohol und von dem körperlichen Zustand der jeweiligen Person ab. Zu den Stadien zählen Exzitation, Hypnose, Narkose und Asphyxie. Die Diagnose wird meist vom Notarzt oder dem behandelnden Arzt im Krankenhaus gestellt. Informieren Sie sich über die Ausprägungsformen und Behandlungsmöglichkeiten einer Alkoholvergiftung.

Die Entstehung einer Alkoholvergiftung und wie man sie behandeln und ihr vorbeugen kann

Alkoholische Getränke gehören zur Ess- und Tafelkultur. Ein guter Wein lockt eine gesellige Runde zusammen. Dosierte Einnahme von Alkohol ist für viele ein Genuss und menschliches Kulturgut.

Ganze Landstriche, in denen beispielsweise Wein - eines der ältesten Kulturprodukte - angebaut wird, haben sich zur blühenden Kulturlandschaft gewandelt. Ein Gläschen guter Wein schmeckt nicht nur, sondern fördert die Gesundheit und beugt vielfach dem Herzinfarkt-Risiko und anderen Krankheitsfaktoren vor.

Doch - wie mit allen übrigen Substanzen auch - im Übermaß genossen ist Wein Körpergift. Übermäßiger Alkoholgenuss führt zur Alkoholvergiftung, die häufig mit einer euphorischen Stimmungslage beginnt, das Bewusstsein und die Sinne beeinflusst.

Krankheitsbild

Personen mit einer Alkoholvergiftung haben zuvor eine große Menge Alkohol zu sich genommen. Je nachdem, wie viel getrunken wurde, unterscheidet man vier Stadien:

  • Exzitation (bis 2 Promille)
  • Hypnose (zwischen 2 und 2,5 Promille)
  • Narkose (zwischen 2,5 und 4 Promille) und
  • Asphyxie (ab 4 Promille)

Wie hoch der Promillewert im Blut ist, hängt auch vom Geschlecht des Trinkers ab und davon, wie viel zuvor gegessen wurde.

Ursachen

Es gibt die verschiedensten Ursachen, weshalb es zur Alkoholvergiftung kommen kann. Grundsätzlich bekommt man eine Alkoholvergiftung nur dann, wenn man viel zu große Mengen Alkohol getrunken hat.

Je schneller der Alkohol getrunken wird, desto schneller und heftiger zeigt er auch seine Wirkung. Frauen und Männer reagieren dabei unterschiedlich auf Alkohol. In der Regel können Frauen weniger Alkohol trinken als Männer, bis sie eine Alkoholvergiftung bekommen. Dabei ist auch wichtig, wie viel der oder die Betroffene zuvor gegessen hat.

Ursachen unter Jugendlichen

Viele Jugendlichen sehen Alkohol als etwas Normales an, das zum Leben dazugehört. Sie werden auf Partys früh mit Alkohol vertraut gemacht und verlieren oft die Hemmung vor diesen Getränken.

Außerdem wollen sie wie auch ihre Freunde cool sein und nicht als Außenseiter behandelt werden, weil sie nichts trinken wollen. Das so genannte "Komasaufen" ist bei vielen Jugendlichen "in". Die Jugendlichen trinken hier bis sie sprichwörtlich ins Koma fallen bzw. nichts mehr trinken können.

Viele Kinder wachsen auch bereits durch ihre Eltern mit Alkohol auf. Eltern, die sich regelmäßig vor ihren Kindern betrinken, sind kein gutes Vorbild und oftmals neigen später auch die heranwachsenden Jugendlichen zum Alkoholmissbrauch.

Erkrankungen

Auch Erkrankungen können die Ursache für eine Alkoholvergiftung sein. Personen, die zum Beispiel depressiv sind und ihren Kummer in Alkohol ertränken, können ebenfalls eine Alkoholvergiftung bekommen.

Verlauf

Wird eine Alkoholvergiftung rechtzeitig behandelt, kann der Betroffene meist gerettet werden und überlebt. Hat sich ein Betroffener jedoch bereits bis zum vierten Stadium vorgetrunken, kommt oftmals jede Hilfe zu spät und der Patient verstirbt.

Oftmals wird ein Patient mit einer Alkoholvergiftung wieder völlig gesund, jedoch können auch bleibende Schäden zurückbleiben. In jedem Fall muss der Betroffene seinen Alkoholkonsum in den Griff bekommen, da sonst eine Alkoholabhängigkeit droht oder wiederholt eine Alkoholvergiftung, die beim nächsten Mal vielleicht tödlich endet.

Symptome

Exzitation

Eine Alkoholvergiftung beginnt im ersten Stadium bei einem Promillewert von ein bis zwei. Die Betroffenen haben hier

Ebenso werden Schmerzen nur noch unzureichend wahrgenommen und viele verlieren auch ihre Hemmungen. Sie tun dann Dinge, die sie im nüchternen Zustand niemals tun oder sich zutrauen würden.

Hypnose

Bei einem Promillewert von zwei bis 2,5 spricht man vom zweiten Stadium. Viele Betroffenen sind hier

  • aggressiv,
  • die Muskeln erschlaffen und
  • Betroffene können sich an nichts mehr erinnern

(zum Beispiel auch nicht, wo sie wohnen). Auffällig sind in diesem Stadium auch die verengten Pupillen in den Augen.

Nach einer Weile, in der der Alkohol seine Wirkung getan hat, kommt es oft zur Bewegungsunfähigkeit. Der Betroffene kann seine willkürlichen Bewegungen nicht mehr kontrollieren. Dabei kann besonders in liegender Lage die Zunge in den Rachen fallen und die Atemwege verschließen, so dass es zur Erstickung kommen kann.

Übelkeit führt nicht selten zum Erbrechen. Im Schlafrausch besonders gefährlich, denn das Erbrochene kann in die Atemwege geraten und sie blockieren – Erstickungsgefahr!

Narkose

Das dritte Stadium beginnt bei einem Promillewert von 2,5 und endet bei vier Promille. Die Patienten sind hier bewusstlos, haben im Gegensatz zum zweiten Stadium weite Pupillen und befinden sich im Schock.

Asphyxie

Ab einem Promillewert von vier beginnt das lebensbedrohliche vierte Stadium. Die Patienten befinden sich

  • im Schock sowie
  • im Koma und
  • atmen oftmals nicht mehr

was tödlich enden kann. Die Pupillen sind weit und reagieren nicht mehr auf Lichtreize. Auch niedrigere Promillewerte können bereits zum Tode führen. Dies ist jeweils individuell verschieden.

Diagnose

Die Diagnose stellt in der Regel der herbeigerufene Notarzt oder die Polizei, die den Betroffenen – je nach Alkoholpegel - in ein Messgerät pusten lassen. Der Arzt untersucht den Patienten und achtet besonders auf den Kreislauf, da dieser bei vielen Patienten mit Alkoholvergiftung instabil ist.

Puls und Blutdruck werden gemessen und die Pupillenreaktion wird mit Hilfe einer kleinen Lampe überprüft. Meist wird der Patient anschließend in ein Krankenhaus gebracht.

Im Krankenhaus wird der Patient stabilisiert und gegebenenfalls künstlich beatmet. Es erfolgt eine Blutabnahme, bei der allgemeine Werte, wie zum Beispiel die Leberwerte untersucht werden, aber auch der Blutalkoholspiegel.

Therapie

Weisen Patienten entsprechende Symptome einer Alkoholvergiftung auf, sollte sofort der Notarzt verständigt werden. Sollte der Betroffene bewusstlos sein, sollten sofort Reanimationsmaßnahmen eingeleitet werden.

Da viele Patienten mit einer Alkoholvergiftung erbrechen, sollten die Patienten in die stabile Seitenlage gebracht werden, damit sie an ihrem Erbrochenen nicht ersticken können und das Erbrochene auch nicht einatmen können.

Ist der Notarzt vor Ort, wird er sich umgehend darum kümmern, den Patienten zu intubieren und künstlich zu beatmen, sofern dies notwendig ist. In jedem Fall achtet der Arzt darauf, dass der Kreislauf des Patienten stabil bleibt.

Da sich die Patienten oft im Unterzucker befinden, legt der Notarzt einen venösen Zugang und lässt eine Glucoseinfusion (Zuckerinfusion) laufen. Auch auf der Trage wird der Patient in die stabile Seitenlage gebracht.

Anschließend erfolgt der Transport in ein Krankenhaus. Im Krankenhaus wird der Patient mit Alkoholvergiftung auf der Intensivstation rund um die Uhr ärztlich betreut und gegebenenfalls künstlich beatmet.

Vorbeugung

Um eine Alkoholvergiftung zu vermeiden, sollten Eltern ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Alkohol beibringen. Jugendliche sollen von Anfang an lernen, dass sie keinen Alkohol benötigen, um Spaß zu haben oder zu einer Clique dazuzugehören.

Wer hin und wieder Alkohol in Maßen trinkt, sollte vorher etwas essen. Wer verantwortungsvoll seiner eigenen Gesundheit gegenüber umgeht, weiß normalerweise, wie viel er trinken kann. Alkohol sollte jedoch grundsätzliche eine Ausnahme sein und nicht als reguläres Getränk verwendet werden, da man sonst schnell in die Abhängigkeit rutschen kann.

Besonders bei Jugendlichen kommt es immer wieder zu Alkoholvergiftungen...

Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen: Trinken ohne Limit

Die gute Nachricht: Die Zahl der Komatrinker ist in den letzten zwei Jahren gesunken, dennoch werden jedes Jahr mehr als 20.000 junge Menschen im Alter zwischen zehn und neunzehn Jahren wegen akutem Alkoholmissbrauch im Krankenhaus behandelt.

Besonders junge Männer konsumieren übermäßig viel Alkohol

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) teilt mit, dass nahezu jeder fünfte deutsche Teenager sich mindestens einmal pro Monat einen Rausch antrinkt. Besonders junge Männer konsumieren übermäßig viel Alkohol, insbesondere Schnaps und Bier.

Junge Frauen oder Mädchen greifen seltener zu alkoholischen Getränken, neigen jedoch auch zum Rauschtrinken. Sieben von zehn Jugendlichen, die sich wegen Alkoholmissbrauchs in einer Klinik behandeln lassen müssen, sind nicht volljährig.

Welche Gründe führen zu Alkoholmissbrauch unter Teenagern?

Eine ganze Reihe an Gründen kann zu Alkoholmissbrauch unter Teenagern führen. Leistungsdruck, vor allem in der Schule, gehört zu den wichtigsten Auslösern. Dabei ist auch die Schulform entscheidend. So trinkt jeder vierte Schüler von Haupt- und Realschulen regelmäßig Alkohol, bei den Gymnasiasten ist es jeder dritte.

Schüler von Gymnasien gaben bei Befragungen an, mehr Alkohol zu konsumieren, weil sie unter Leistungsdruck stehen. Bei Schülern anderer Schulformen spielte höherer Leistungsdruck keine Rolle. Auffällig ist zudem, dass Mädchen und Jungen vermehrt Alkohol trinken, wenn sie wegen ihrer Schulleistungen frustriert sind.

Ein wichtiger Grund ist zudem die leichte Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken. Haben Jugendliche einen einfachen Zugang zu Bier, Schnaps oder Wein, erhöht sich die Gefahr für das Komatrinken.

Auch Gruppenzwang kann zu erhöhtem Alkoholkonsum verleiten. Teenager trinken, um vor den anderen cool dazustehen. Hinzu kommt, dass die meisten Jugendlichen glauben, ihre Freunde würden regelmäßig Alkohol konsumieren und folgen einem vermeintlichen Trend.

Jugendliche möchten auf ihr Umfeld erwachsen wirken. Auf der Suche nach der eigenen Identität eifern sie ihren Vorbildern nach. Wenn Eltern, Prominente oder Geschwister Alkohol trinken, übernehmen Teenager häufig dieses Verhalten.

Auch Neugierde verführt zu riskantem Konsumverhalten. Verbotenes verspricht den Extra-Kick. Heranwachsende wollen sich ausprobieren und testen Grenzen aus.

Alkohol macht Jugendliche hemmungsloser. Oft betäuben junge Menschen ihre Unsicherheit, vor allem, wenn es um erste Treffen mit Mädchen und Jungen oder um Annäherungsversuche geht.

Wie ist gefährliches Konsumverhalten erkennbar?

Die Trinkgewohnheiten von Verwandten oder Freunden können heranwachsende Menschen negativ beeinflussen. Heikel wird es, wenn Teenager es als selbstverständlich hinnehmen, dass in ihrem Freundeskreis regelmäßig Alkohol getrunken wird.

Die Annahme, dass Alkohol Teil des Lebens ist, erhöht das Risiko, immer mehr und öfter zu trinken. Gefährliches Konsumverhalten ist an verschiedenen körperlichen und seelischen Veränderungen erkennbar. Zu den körperlichen Anzeichen gehören:

Auch anhaltender und plötzlicher Leistungsabfall und eine Verschlechterung der Leistungen in der Schule oder bei der Ausbildungsstelle können auf übermäßigen Alkoholkonsum hinweisen.

Psychische Probleme sind oft ein Grund, warum Jugendliche übermäßig trinken. Vor allem bei

versuchen Teenager, ihre seelischen Problemen mit erhöhtem Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen. Andererseits können psychische Beschwerden und Erkrankungen auch durch Alkoholmissbrauch ausgelöst werden.

Kinder und Jugendliche durchlaufen noch verschiedene Entwicklungsphasen. Übermäßiger Alkoholgenuss kann negative Auswirkungen auf das Gehirn haben und dessen Ausbildung beeinträchtigen. Bereits einmaliges Komatrinken birgt die Gefahr einer Hirnschädigung. Besonders gefährlich ist der frühe Einstieg, denn dann erhöht sich das Risiko, abhängig zu werden, erheblich.

Wie können Eltern ihren Nachwuchs schützen?

Eltern sollten dem Kind ein gutes Vorbild sein, denn wird in einer Familie viel Alkohol getrunken, ist es für den Nachwuchs schwerer, ihm zu entsagen. Wichtig ist eine starke Bindung mit großem Vertrauen.

Ist das Vertrauensverhältnis eng, sprechen Kinder offen über ihre Sorgen. Auf diese Weise erfahren Eltern frühzeitig, wenn es Probleme gibt und können reagieren. Gemeinsame Zukunftspläne, Anerkennung und intensive Gespräche fördern das Selbstbewusstsein.

Empfinden Kinder ihr Leben als sinnvoll, gehen sie verantwortungsvoller mit sich um. Haben Jugendliche ein Alkoholproblem, bieten regionale Drogenberatungsstellen Hilfe an.

Psychologen, Ärzte und Therapeuten wissen, welche Maßnahmen im konkreten Fall helfen. In aller Regel werden zunächst Einzelgespräche oder Gruppentherapien empfohlen.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft.

Bildnachweise:
  • problème d'alcool © Eléonore H - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema