23. Dezember 2009

Alkoholmissbrauch Artikel

Komasaufen betrifft immer mehr Kinder, trotz weitreichender Folgen des Kampftrinkens

Von Viola Reinhardt

Silvesterparty, Weihnachtsfete und Vollrauschparty sind nun angesagt und die Kliniken rüsten sich in diesen Tagen auf einen neuen Schwung an komatös eingelieferte Jugendliche und Kinder. Ja, tatsächlich Kinder, denn selbst sieben oder acht Jährige trinken schon Bier, Wein und Wodka bis zum Umfallen und offenbaren gerade in dieser Jahreszeit den desolaten Zustand in unserem Land.

Eine aktuelle Studie kennt zu diesem erschreckenden Thema die neuesten Zahlen: Durchschnittlich 60 und mehr Kinder werden täglich ins Krankenhaus eingeliefert, weil sie sich dem Komasaufen hingegeben haben. Tendenz steigend. Mussten im Jahr 2000 "nur" 9500 Kinder und Jugendliche aufgrund eines exzessiven Alkoholtrinkens stationär behandelt werden, stieg diese Zahl bereits im Jahr 2007 auf 23.200 an. Und die Experten gehen davon aus, dass in diesem Jahr diese Zahl bereits übertroffen wird, zumal diese Zahlen lediglich die offiziellen Komasauf-Fälle aufweisen. Die Dunkelziffer übertrifft wohl diese Zahlen um ein Vielfaches.

Erschreckend bei diesem Thema ist es, dass achtjährige mal eben nur so "Eierlikör" trinken, sieben Jahre junge Kinder mit zwei Promille behandelt werden müssen und auch 13-jährige Mädchen mit einer Promillezahl von 3,4 durchaus eine Normalität in den Kliniken geworden sind. Nur mal ein Bier trinken ist total out, denn nur wer ein oder zwei Flaschen Wodka kippen kann, gehört zu den coolen in der Clique. Eine Alkoholmenge, die selbst einen erwachsenen Mann glatt aus den Schuhen schlagen kann, für zahlreiche Jugendliche aber schon regelrecht das mehrmals wöchentliche getrunkene Pensum und mithin "normal" ist.

Dass solch ein exzessives Saufen weitreichende Folgen für die Kinder und Jugendliche haben kann, wird allerdings von den wenigsten Betroffenen erkannt. Hirn- und Leberschäden, der weitere Griff zu anderen Drogen, Stürze aus dem Fenster und ein eindeutiges Suchtverhalten sind nur einige dieser Folgen, wenn die Kids sich zuschütten. Die Schule wird vernachlässigt, die Gedanken drehen sich nur noch um den "Stoff" und wer wann wo den Platz zum Saufen bieten kann. Gibt's keinen Platz in einer Wohnung, wird eben das Komasaufen im Bahnhof oder einem anderen öffentlichen Platz durchgeführt.

Eltern sind recht machtlos, wenn ihr Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat und nicht mehr unter ständiger Kontrolle steht. Allerdings: Gerade bei Kindern unter vierzehn Jahren, sollten Eltern akut darauf achten mit wem sich ihre Kinder abgeben und am besten sofort reagieren, wenn sie das erste Mal eine Alkoholfahne bei ihrem Kind bemerken. Zuhause als Vorbild keinen exzessiven und ständigen Alkoholkonsum vor den Augen der Kinder zu praktizieren, unterstützt den Weg, damit Kinder das Saufen nicht als Normalzustand und harmlos betrachten. Stellt man zudem fest, dass das Kind ständig dem Alkohol hinterherjagt, dann sollte man nicht lange warten und eine Beratungsstelle aufsuchen, denn neben den gesundheitlichen Schäden folgen in der Regel auch soziale Defizite und der Weg in die Kriminalität.

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