23. Oktober 2006
Diesmal schaffe ich es wirklich. Ein paar Pfunde müssen noch purzeln und die Hose von damals passt wie angegossen. Mit einer Reduktion der Kohlenhydrate soll das Fett schmelzen. Doch hilft die Low Carb Diät wirklich beim Abnehmen? Und wie gesund ist sie?
Menschen, die noch vor einigen Jahren abnehmen wollten, wurden von Diätexperten zu einer Reduktion der Nahrungsfette angehalten. Wer viele Kohlenhydrate wie Reis und Nudeln isst, bleibt länger satt und nimmt dauerhaft ab - so die Theorie. In der Praxis zeigte sich ein etwas anderes Bild. Obwohl der Fettkonsum der Menschen sank, stieg das durchschnittliche Körpergewicht an.
Diese Erkenntnis machte sich die Low Carb-Bewegung zunutze. Das Wort Carb steht für "Carbohyrates", also Kohlenhydrate. Diese sollen weitestgehend vom Speiseplan verschwinden und gegen Proteine und Fette eingetauscht werden. Eine gute Botschaft für alle, die abnehmen wollen. Die Zeiten von trockenem Knäckebrot mit fettreduziertem Käse gehören der Vergangenheit an. Ab sofort stehen jeden Tag Fisch und Fleisch mit Gemüse und zum Nachtisch ein Joghurt oder Quark auf dem Tisch. Kohlenhydrate gelten als Dickmacher und sollen daher gemieden werden. Diese Annahme begründet sich darauf, dass einfache und komplexe Kohlenhydrate gleichermaßen in den einfachen Baustein Glucose gespalten werden. Glucose gelangt ins Blut und lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen. Der Körper reagiert auf diesen Anstieg mit dem der Ausschüttung von Insulin. Je höher der Insulinspiegel ist, desto schneller sinkt der Blutzuckerspiegel wieder. Das Resultat dieser Achterbahn ist Hunger. Der Körper verlangt nach mehr Kohlenhydraten, die letztendlich in Fettzellen gespeichert werden. Wenn wir nun wenige Wochen kaum kohlenhydrathaltige Kost zu uns nehmen, beginnt der Körper Energie aus unseren Fettdepots zu gewinnen.
Der Vorteil von Nahrungseiweißen ist, dass der Körper eine Menge Energie investieren muss, um die Eiweiße verwerten zu können. Der Grundumsatz des Körpers steigt obwohl wir uns keinen Deut mehr bewegen. Zudem sollen Eiweiße und Fette länger satt machen. Der Hunger stellt sich langsamer ein und man spart somit Kalorien ein.
Eine erste Auswertung aus 96 relevanten Studien zu Diäten mit reduziertem Anteil an Kohlenhydraten brachte zutage, dass eine eiweißreiche Kost keine signifikante Wirkung auf die Fettverbrennung des Körpers hat. In einer neuen Studie, die an der Universität Göttingen durchgeführt wurde, konnte beobachtet werden, dass die Low Carb Diät bei wenig Nutzen mit einigen Risiken einhergeht. So steigt schon wenige Wochen nach Beginn der Diät das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich an. Dafür verantwortlich ist die geringe Zufuhr der lebenswichtigen Vitamine B6, B12 und Folsäure, die vor allem in Gemüse und Vollkornprodukten stecken.
Ernährungsexperten raten daher von einer einseitigen Eiweißkost ab. Nur eine ausgewogene Ernährung, die alle Nährstoffklassen bedient, kann eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sicherstellen.
Kohlenhydrate gehören also weiterhin auf den Speiseplan. Wer auf Dauer abnehmen möchte, sollte zu langkettigen Kohlenhydraten greifen, da diese langsamer ins Blut übergehen und so länger sättigen.
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