10. November 2009
Von Andreas Hadel
So gleichmäßig wie das Surren des Laufbandes oder das Klicken der Pedale am Fahrradergometer läuft Ihnen eine Schweißperle nach der anderen von der Stirn, der Wange entlang, um dann im Stoff Ihres T-Shirts vorübergehend ein neues Heim zu finden. Genauso stetig wie die feuchten Zeugen Ihrer Anstrengung zählt der Ergometer-Computer Schritt für Schritt die verbrauchten Kalorien. Doch was bedeutet eigentlich das Zahlenspiel für Ihr Abnehmziel? Was genau haben die digitalen Ziffern des Ergometers im Fitness-Studio mit denen Ihrer Waage im Badezimmer zu tun?

Wir können das Zahlen-Wirrwarr mit einer einfachen Frage lösen. Wie viele Kalorien hat ein Kilogramm Fett? Für unsere leidigen Pfunde, die sich um Hüfte und Beine legen, gilt die gleiche Faustformel wie für normale Nahrungsfette. Ein Gramm Fett schlägt mit 9 Kalorien zu Buche. Dabei ist es egal, ob wir vom Fett in einer Tafel Schokolade sprechen oder verschämt über unser Hüftgold flüstern. Wenn Sie also ein Kilogramm abnehmen wollen, müssen Sie irgendwie 9.000 Kalorien verbrennen. Bei einem angepeilten Gewichtsverlust von fünf Kilogramm sind es dann sogar 45.000 Kalorien, die verpuffen müssen. Was auf den ersten Blick nach ziemlich gigantischen und auch etwas einschüchternen Zahlenriesen aussieht, lässt sich auf kleinere Werte herunterbrechen, die einen wieder Mut machen, dass das Ziel doch zu erreichen ist.
Nehmen wir an, dass Sie die bereits erwähnten fünf Kilogramm abnehmen wollen und deshalb satte 45.000 Kalorien den Garaus machen müssen. Wenn Sie dreimal in der Woche ins Fitness-Studio gehen oder sich auf den Heimtrainer schwingen und dabei 300 Kalorien verbrauchen, kommen wir auf einen Abbau von insgesamt 900 Kalorien pro Woche. Das würde rein rechnerisch bedeuten, dass Sie 50 Wochen (oder 350 Tage) also fast ein gesamtes Jahr brauchen würden, um Ihr Diätziel zu erreichen.
Natürlich wäre das ein unangemessen langer Zeitraum. Wer möchte schon ein ganzes Jahr darauf warten, dass die Hose nicht mehr zwackt und das Treppen steigen weniger schwer fällt? Abnehmen geht deshalb auch viel schneller, wenn man sich nicht nur auf das Sporttreiben verlässt, sondern auch schon beim Essen an Kalorien spart. Sagen wir also, dass Sie ihren Speiseplan so gestalten, dass Sie rund 500 Kalorien weniger zu sich nehmen, als sie es für gewöhnlich tun. Laut dem Windows-Taschenrechner kommen Sie so in einer Woche auf ein Defizit von 3.500 Kalorien. Wenn wir dazu die 900 Kalorien addieren, die Sie sich auf dem Ergometer vom Leibe strampeln, sind wir insgesamt bei soliden 4.400 Kalorien. Damit würden Sie also knapp 500 Gramm pures Fett (1 g Fett = 9 Kalorien) pro Woche verbrennen. Nach unserer Beispiel-Rechnung würde sich der Zeiger Ihrer Personenwaage nach rund 10 Wochen das ersehnte Ziel erreichen. Wenn Sie sich etwas mehr ins Zeug legen und vier- bis fünfmal pro Woche Sport treiben, purzeln die Pfunde sogar noch schneller.
Natürlich ist unser kleines Zahlengewitter rein exemplarisch zu verstehen und gibt den physiologischen Prozess des Fettabbaus nur stark vereinfacht und idealisiert wieder. Dennoch verdeutlicht er die kalorischen Zusammenhänge zwischen unserer Ernährung und unserem Training. Für eine grobe Schätzung, wie lange Sie für das Erreichen eines bestimmten Abnehmzieles brauchen, eignet sich unser kleines Rechenbeispiel alle mal.
Die Kalorienanzeige der Ergometer und Laufbänder sollten Sie übrigens mit Vorsicht geniessen. In den wenigsten Fällen berücksichtigen die Computer nicht Ihr Alter, aktuelles Körpergewicht und Körperfettanteil. All diese Faktoren haben jedoch auf den Kalorienverbrauch einen direkten Einfluss. Hinzu kommt, dass sich durch das regelmäßige Training ein Gewöhnungseffekt einstellt und Sie dank der verbesserten Ausdauer in der gleichen Zeit weniger Kalorien verbrennen, falls Sie die Cardio-Einheit nicht durch ein schnelleres Tempo oder eine höhere Neigung schwieriger gestalten. Auch hier gilt also, dass es sich bei den Werten der Ergometer-Computer nur um grobe Richtungsweiser handelt, die jedoch eine nützliche Waffe im Kampf gegen die Pfunde sein können.
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