10. November 2011
Hinter der Feingold-Diät steckt keineswegs eine Behandlung mit feinsten Goldplättchen. Sie geht auf den amerikanischen Arzt Ben Feingold zurück, der damit hyperaktive Kinder behandeln wollte. Seiner Meinung nach sind bestimmte Bestandteile von Nahrungsmitteln die Ursache für Lernstörungen, Hyperaktivität und andere Verhaltensauffälligkeiten.
Laut Feingold sind Salicylate (natürliche und künstliche Zusatzstoffe in der Nahrung) der Auslöser für ADHS und andere Verhaltensstörungen bei Kindern. Im Jahr 1975 stellte er sein Diätprogramm in einem Buch vor. Seiner Meinung nach sollten Kindern weder Äpfel, Brombeeren, Erdbeeren, Aprikosen und Pflaumen, noch Stachelbeeren, Orangen, Pfirsiche oder Gurken essen, da in ihnen natürliche Salicylate vorkommen. Neben natürlichen gibt es auch künstliche Salicylate, die zum Beispiel in Tee, Wein, Bockwürsten, Eiscreme, Margarine, Diätgetränken und Süßigkeiten enthalten sind.
Ben Feingold erweiterte seine Diät in den folgenden Jahren sogar noch und schloss Zahnpasta, Mundwasser, Parfum, Deodorants, Hustentropfen, Desinfektionsmittel, Fingerfarben, Kindermedikamente und weitere Produkte in die Liste der verbotenen Produkte ein.
Feingold war so überzeugt von seiner Diät, dass sie tatsächlich viele Eltern an ihren Kindern ausprobierten. Mehrjährige Studien und Untersuchungen ergaben jedoch, dass die Diät in den meisten Fällen nicht wirkte. Nur bei ganz wenigen Kindern konnte eine deutliche Verbesserung des Verhaltens bewirkt werden. Bereits sieben Jahre nachdem die Diät vorgestellt wurde, wurde sie von einer Expertenkonferenz als nicht wirksam eingestuft. Es gab daher keine Empfehlung für die Feingold-Diät.
Wenn man sich die Liste der "verbotenen" Lebensmittel und Produkte ansieht, stellt man schnell fest, dass eine ausgewogene, moderne Ernährung so nicht möglich wäre. Außerdem ist es in der heutigen Zeit sicher nicht sinnvoll auf Zahnpasta oder Deodorant zu verzichten, da diese Dinge zum täglichen Leben dazugehören. Es ist natürlich verständlich, dass viele Eltern alles probieren würden, um ihren Kindern zu helfen, doch die Feingold-Diät gehört nicht zu den Dingen, die empfehlenswert sind. Es könnte im schlimmsten Fall sogar zu einer Mangelernährung mit drastischen Folgen für das Kind kommen. Verantwortungsvolle Eltern werden aus diesem Grund auf die Feingold-Methode verzichten.
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