18. November 2011
Vor kurzem ging in Bad Orb der Herbstkongress der Kinder- und Jugendärzte zuende. Der Kongress-Präsident, Professor Michael Keller, forderte in einer Rede seine ärztlichen Kollegen dazu auf, Eltern Ess- und Trinkprotokolle anfertigen zu lassen, wenn deren Kinder über Adipositas, Obstipation oder chronische Bauchschmerzen klagen. Die Protokolle sollten genau geführt werden und einen Zeitraum von vier bis sieben Tagen abdecken. Erst dann sei es dem Arzt möglich, hilfreiche Tipps zur Ernährungsumstellung der Kinder zu geben.
Keller verlangte auch, dass die Eltern die Wochenessenspläne von Schulen und Kindertageseinrichtungen mit in die Arztpraxis bringen sollten. Oft sei das Essen dort eine gesundheitliche Zumutung. Die Ökotrophologin Professor Ulrike Arenz-Azevédo sagte, dass man für einen Preis von 1,90 Euro pro Essen, wie er in Berlin üblich sei, kein gesundheitlich förderliches Essen erwarten könne, denn dazu gehörten frisches Gemüse und Obst. In Frankreich zahlten die Eltern vier Euro pro Essen für ihre Kinder. Dort sei das Angebot daher auch viel gesünder als in Deutschland, so Arenz-Azervédo.
Kinderärzte klagen in Deutschland seit langem über den schlechten Ernährungszustand vieler deutscher Kinder. Als Ursachen dafür werten die Ärzte vor allem den Trend zu Fast-Food und Fertiggerichten, aber auch die Tatsache, dass oft beide Elternteile arbeiten müssen, um die Familie durchzbringen, wirke sich negativ auf die Ernährung des Kindes aus, weil in solchen Familien keiner mehr mittags da ist, der etwa ein Mittagessen kochen könnte.
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