4. Juni 2009
Von Andreas Hadel
Radikal und unausgewogen sei sie, die Atkins-Diät, die seit Mitte der 90er Jahre eine wahre Revolution in der Sportwissenschaft und in der Medizin ausgelöst und hinsichtlich der allgemeinen Ernährungsempfehlungen zu einem rigerosen Umdenken geführt hat. Dass Atkins diätischer Ansatz zu einer rapiden Gewichtsreduktion führen kann, wurde bereits mehrfach in wissenschaftlich anerkannten Studien bestätigt. Kritiker werfen der auf hohen Fettkonsum basierenden Ernährungsstrategie gesundheitlich bedenkliche Nebenwirkungen vor.
Eine von diesen Nebenwirkungen sei die erhebliche Verschlechterung der Blutfett- und der Blutdruckwerte. Als Beleg weisen viele Vertreter der Anti-Atkins-Bewegung gern auf die Ergebnisse einer Studie hin, die 2006 von Dr. Michael Miller am Zentrum für Kardiologie im amerikanischen Baltimore hin. Millers Auswertungen zeigten, dass eine stark fettreiche Ernährung unweigerlich zu Bluthochdruck führe.
Tatsächlich ist diese Studie jedoch in ihrer Interpretation umstritten, da sie bereits in ihrer Architektur von der eigentlichen Zielgruppe abweicht. Als Probanden standen nämlich 18 gesunde und normalgewichtige Personen zur Verfügung, die für vier Wochen je einen der folgenden drei Diätstrategien befolgen mussten:
Problematisch hierbei ist jedoch bereits, dass die Anzahl der Testpersonen an sich zu klein ist, um eine Aussage treffen zu können, die statistisch solide abgesichert wäre. Hinzu kommt, dass auch der Studienzeitraum von nur vier Wochen zu kurz gewählt ist, um auf langfristige Nebenwirkungen schließen zu können.
Ausschlaggebend für die schwache Aussagekraft der Studie ist jedoch, dass die Probanden während der Diätphase auf sich allein gestellt waren und offenbar nur eine grobe Anleitung für die Mahlzeitenzusammenstellung erhielten. Gerade bei Fett ist jedoch wichtig zu wissen, um welche Fettquellen es sich handelt. Stammen die Fettkalorien vornehmlich aus gesättigten Fettsäuren wie Schweine- und Rindfleisch, ist es wenig verwunderlich, dass es zu einer Verschlechterung der Blutwerte kommt.
Werden als Fettquellen jedoch überwiegend Fisch, Öle und Nüsse genutzt, ist auf Grund der ungesättigten Fettsäuren und der Omega-3-Säuren eher eine Verbesserung des Bluthochdrucks und ein Abbau des Blutfettes zu erwarten.
So gesehen kann man also nicht behaupten, dass eine fettreiche Ernährung automatisch zu einer negativen gesundheitlichen Entwicklung führe. Hierbei verhält es sich ähnlich wie bei einer Diät, die auf einen hohen Kohlenhydratkonsum und fast völligen Verzicht auf Fetten ausgelegt ist. Werden bei einer solchen Diät eher einfache Kohlenhydrate zu sich geführt, die aus Weißmehlprodukten und Süßigkeiten stammen, kann rein formal die diätische Vorgabe eingehalten werden, ohne das dabei tatsächlich von einer gesunden Ernährung die Rede sein kann.
Wie man anhand der Studie von Dr. Miller sehen kann, kommt es immer darauf an, den Versuchsablauf genau unter die Lupe zu nehmen, bevor man anhand der vorgestellten Ergebnisse eine allgemeingültige Aussage formulieren kann.
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