Forscher ermitteln, wie die Netzhaut stabile Bilder erzeugt

Warum unser Sehen nicht verwackelt ist, obwohl wir uns und die Augen ständig bewegen

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  • von Paradisi-Redaktion
Nahaufnahme grünes Auge einer jungen Frau, Blick nach oben, Foto von Seite

Im gesunden Zustand nimmt jeder Mensch seine Umgebung über stabile Bilder wahr. Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist, zeugt aus medizinischer Sicht von einem kleinen Wunder. Immerhin bewegen sich die Augen ständig und beim Gehen oder gar Rennen müssten die Eindrücke permanent in Bewegung sein. Doch die Augen übertragen scharfe Bilder ans Gehirn. Wie das funktioniert, haben Neurowissenschaftler aus Tübingen herausgefunden.

Die Forscher überprüften die zwei bislang vorhandenen Ideen, warum der Mensch stabile Bilder wahrnehmen kann.

  1. Die erste Hypothese geht davon aus, dass Motorsignale vom Auge erzeugt werden. Diese wirken wie ein Bildstabilisator.
  2. Die zweite Idee besagt, die Netzhaut selbst filtert die schlechten Bilder aus und gibt nur die guten Informationen weiter.

Laut der Tübinger Wissenschaftler ist Hypothese 2 korrekt.

Gesunde Freiwillige wurden gebeten, auf einen Monitor zu sehen. Dieser zeigte unterschiedliche Oberflächen mit grober oder feiner Struktur. Während die Probanden die Bilder betrachteten und die Augen in Bewegung waren, wurden kurze Lichtblitze abgegeben. Diese störten natürlich die Klarheit der Bilder. Es zeigte sich, dass diese Lichtblitze ausgefiltert wurden und durch die Signalunterdrückung den Personen kaum bewusst waren. Diese Signalunterdrückung setzte früher ein und dauerte länger an, wenn eine grobe Oberfläche betrachtet wurde. Dabei bewegen sich die Augen mehr, da viele Einzelpunkte angesehen werden. Bei feineren Strukturen mit entsprechend weniger Bewegung im Augapfel fiel die Blindheit für die Lichtblitze kürzer aus und setzte zudem später ein.

Die Wissenschaftler ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass die Unterdrückung unscharfer Bilder von der Netzhaut ausgelöst wird. Messungen der Nervenaktivität ergaben bestätigend, dass die Unterdrückung des Signals bereits aktiv war, wenn die anderen Seh-Informationen das Auge verließen. Die Korrektur der Bilder erfolgte demnach in der Netzhaut und nicht etwa später im Gehirn.

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