13. Januar 2009
Von K. Schumann
Obwohl die Schilddrüse mit durchschnittlich 25g eher zu den unscheinbaren Organen unseres Körpers gehört, ist sie doch lebensnotwendig. Deshalb ist sie auch trotz ihrer geringen Größe eines der am besten durchbluteten Organe im menschlichen Körper.

Die Schilddrüse des Menschen
Die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das vor der Luftröhre liegt. Sie besteht aus zwei Lappen, die durch ein Verbindungsstück, den so genannten Isthmus zusammengehalten werden. Die Schilddrüse ähnelt in ihrer Form dem Buchstaben H.
Mikroskopisch betrachtet besteht die Schilddrüse aus vielen einzelnen Läppchen (je ca. 3-5cm groß), die wiederum aus vielen kleinen Bläschen, den Follikeln bestehen. Die Wände dieser Follikel werden von Epithelzellen gebildet, welche die Schilddrüsenhormone produzieren und ins Innere der Follikel abgeben. Zwischen den kleinen Follikeln befinden sich die so genannten C-Zellen. Diese Zellen sind für die Bildung des Hormons Calcitonin zuständig, welches beispielsweise die Kalziumeinlagerung in den Knochen fördert und somit den Blut-Calcium-Spiegel senkt.
Die Schilddrüse gehört zu den endokrinen Drüsen, da sie ihre Hormone direkt ins Blut ausschüttet. Die Follikelzellen produzieren zwei Hormone: Thyroxin (T3) und Trijodthyronin (T4). Beide Hormone werden durch eine Anlagerung von Jod an die Aminosäure Tyrosin gebildet. Für die Bildung von T3 werden drei Jodatome, für die Bildung von T4 entsprechend vier Jodatome benötigt. T3 ist die aktive Form und besitzt eine höhere Wirkung als T4, dafür wird T4 jedoch vermehrt gebildet. Unter Abspaltung eines Jodatoms wird T4 zu T3.
Die Schilddrüsenhormone steuern viele wichtige Funktionen unseres Körpers. So beeinflussen sie unter anderem den Stoffwechsel und den Energieumsatz, fördern die geistige und körperliche Entwicklung und wirken auf das Nervensystem und die Muskulatur.
Die Ausschüttung der Schilddrüsenhormonen unterliegt einem bestimmten Regelkreis. Kontinuierlich werden Schilddrüsenhormone ins Blut abgegeben. Hypothalamus und Hypophyse können mithilfe bestimmter Rezeptoren den T3 und T4 Spiegel im Blut bestimmen. Sind nun zu wenig Hormone im Blut, schüttet der Hypothalamus das so genannte Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) aus. TRH regt die Hypophyse an, TSH (Thyroidea-stimulierendes-Hormon) auszuschütten, was wiederum die Schilddrüse dazu veranlasst T3 und T4 zu bilden. Sind genügend Schilddrüsenhormone im Blut, wird die Produktion wieder gehemmt.
An der Rückseite der Schilddrüse befinden sich vier kleine Körnchen, die Nebenschilddrüsen. Sie produzieren das Hormon PTH (Parathormon), den Gegenspieler des Calcitonins, das ja, wie oben erwähnt, von den C-Zellen der Schilddrüse gebildet wird. Im Gegensatz zu Calcitonin erhöht PTH den Calciumspiegel im Blut, in dem es zum Beispiel Calcium aus den Knochen freisetzt. Damit das Parathormon seine volle Wirkung entfalten kann, benötigt es Vitamin D.
Bei einem so komplexen System, kann es natürlich auch zu Erkrankungen kommen. Die häufigste Schilddrüsenerkrankung ist die vergrößerte Schilddrüse (Struma), die in den meisten Fällen auf einen Jodmangel zurückzuführen ist. Um ihre Funktion trotz des Jodmangels aufrecht zu erhalten, vergrößert sich die Schilddrüse. Diese Vergrößerung wird erst nach und nach sichtbar und kann später zu Atem- oder Schluckbeschwerden führen.
Relativ häufig vertreten sind auch die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen oder die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Während sich die Hyperthyreose in Form von Nervosität, erhöhter Herzfrequenz, Durchfall, Gewichtsverlust trotz reichlichem Essens oder Wärmeempfindlichkeit äußert, kommt es bei der Hypothyreose eher zu Verstopfung, Gewichtszunahme trotz Appetitmangel und Kälteempfindlichkeit.
Natürlich kann sich die Schilddrüse auch entzünden oder im schlimmsten Fall entarten. Insgesamt 0,5% aller bösartigen Tumore sind Schilddrüsentumore. Diese machen sich durch eine Vergrößerung der Schilddrüse oder Knotenbildung bemerkbar. Deshalb ist es wichtig, jede Veränderung oder Vergrößerung der Schilddrüse ärztlich abklären zu lassen.
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