Psychologie gehört zu jenen Wissenschaften von denen jeder glaubt, wenigstens ein klein wenig zu wissen und dieses Wissen irgendwie im Alltag anwenden zu können. Wie bei allen Wissensbereichen, die den Transfer vom reinen Expertentum in die Populärkultur schaffen, haben sich belegte Fakten und Erkenntnisse mit Mythen und Bauernschläue vermischt. Was auf den ersten Blick für den gesunden Menschenverstand plausibel erscheint, kann aus wissenschaftlicher Sicht teilweise an kühner Idiotie grenzen. Welche psychologischen Alltagsregeln dazu gehören, verraten Ihnen die folgenden Zeilen.
Immer wieder hört man von verschiedenen Leuten, dass man Ärger nicht herunterschlucken darf, sondern seinen Frust den Weg zur ungedämpften Äußerung freigeben sollte. Oftmals wird dabei von einer kathartischen, also einer reinigenden Wirkung für die Seele gesprochen. Denn wenn man die Wut herunterschluckt, staut sie sich solange an, bis man ohnehin explodiert. So die Theorie weiter.
Aktivitäten wie das Schreien im Auto, das Draufschlagen auf ein Kissen oder das Köpfen von Teddy-Bären werden gemeinhin als psychisch gesunde Alternativen dafür gesehen, dem schnippischen Kerl von der Behörde freimütig eine zu scheuern. Tatsächlich gibt es relativ viele Therapie-Ansätze, die auf diesem Konzept aufbauen. Mittlerweile haben langfristig angesetzte Untersuchungen jedoch gezeigt, dass diese Idee nur bedingt der eigenen psychologischen Gesundheit (und der physischen Gesundheit der anderen) dienlich ist. Denn unsere Wut an leblosen Gegenständen auszulassen, macht uns eigentlich nicht weniger wütend. Im Gegenteil wir gewöhnen uns daran, in Situationen, die bei uns Ärger, Frustration oder Wut erzeugen, die aufkommende Erregung in Form von aggressiven Verhaltensweisen zum Ausdruck zu bringen.
Im Gewöhnungseffekt liegt das eigentlich Problem. Denn was passiert, wenn wir das Gefühl haben, unseren Ärger Luft zu verschaffen, aber kein Kopfkissen oder Teddy-Bär zur Hand ist? In harmlosen Fällen kommt es zu einen verbalen Wutausbruch, im schlimmsten Fall zu einer körperlichen Attacke.
Wer sich hingegen daran gewöhnt hat, auch bei ungerechten und stressigen Situationen einen klaren Kopf zu bewahren, kommt erst gar nicht in diese Bedrängnis. Immer mehr Psychologen sehen daher in Ansätzen wie dem autogenen Training eine geeignetere Methode mit aufsteigender Wut und Ärger umzugehen.
Die Sache mit dem Selbstbewusstsein wird seit Jahrzehnten vor allem in Amerika, aber auch zunehmend in Deutschland, als das entscheidende Kriterium für Erfolg propagiert. Wer ein ausgeprägt selbstbewusst ist, kommt besser in Schule und Beruf klar, hat mehr Freunde und ist überhaupt ein wertvolleres Mitglied der Gesellschaft.
Während in Deutschland der "Ich kann alles schaffen" - Trend durch Selbsthilfe-Bücher gehypt und verbreitet wird, gibt es in den angelsächsichen Ländern bereits in einigen Schulen Unterrichtsfächer, in denen gezielt das Selbstbewusstsein der Schüler zu monumentaler Größe aufgebaut wird.
Selbstbewusstsein ist an sich eine sehr wichtiges Persönlichkeitsmerkmal und kann tatsächlich dazu beitragen, dass man die Herausforderungen des Lebens mit mehr Mut und Elan angeht und dementsprechend auch größere Erfolgsaussichten hat.
Problematisch wird das alles aber, wenn das aufgebaute Selbstbewusstsein nicht mit den tatsächlich erreichten Erfolgen in Einklang steht. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass Kinder und Jugendliche, die von den Eltern ein überdurchschnittlich hohes Selbstbewusstsein vermittelt bekommen haben, zu ungewöhnlich heftigen Aggressionen neigen, wenn man sie auf gemachte Fehler und fachliche Unzulänglichkeiten hinweist. Dazu kommt, dass solche Kinder auch häufig Schwierigkeiten haben, sich für das Lernen zu begeistern oder sich bei Gruppenaktivitäten unterzuordnen.
Psychologen raten daher eher dazu, den Nachwuchs viele Fähigkeiten beizubringen (Lernstrategien, einfache Umgangsformen, kommunikative Fähigkeiten), die zu tatsächlichen Erfolgen beitragen und damit ein gesundes Selbstvertrauen aufbauen.
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