20. Mai 2010
Als Mutterkuchen oder Plazenta bezeichnet man das Schwangerschaftsorgan der Frau. Er besteht aus einem mütterlichen und einem kindlichen Anteil.
Unter dem Mutterkuchen, den man auch als Plazenta bezeichnet, versteht man das transiente Schwangerschaftsorgan der Frau. Dabei handelt es sich um Gewebe in der Gebärmutter.
Der Mutterkuchen besteht sowohl aus einem mütterlichen Gewebeanteil (Decidua basalis) als auch einem kindlichen Anteil (Chorion frondosum). Er bildet sich durch das Einwachsen von embryonalem Gewebe in die Schleimhaut der Gebärmutter (Uterus). Die Plazenta führt eine Vielzahl von Funktionen aus. So übernimmt sie den Austausch von Stoffen zwischen Mutter und Kind, wobei sie als selektiver Filter zwischen den beiden fungiert. Ermöglicht wird diese Aufgabe durch die Plazentaschranke, eine passive Filtermembran. Darüber hinaus produziert der Mutterkuchen aber auch Hormone wie Östrogen, Progesteron und Chorion-Gonadotropin (HCG).
Der Mutterkuchen hat zumeist die Form einer Scheibe und erreicht eine Dicke von ca. drei Zentimetern. Er wiegt etwa 500 Gramm und erreicht einen Durchmesser von 15–25 Zentimetern. Zusammengesetzt wird der Mutterkuchen nach der Nidation (Einnistung) der Blatozyste in der Gebärmutter aus dem Endometrium der Mutter und dem Trophoblasten des Kindes. Zwischen dem mütterlichen und dem kindlichen Anteil des Mutterkuchens liegt der mit mütterlichem Blut gefüllte intervillöse Raum. Bei einer intakten Plazenta kommt es nicht zu einem Kontakt zwischen dem Blut der Mutter und dem Blut des Kindes. Die Verbindung des Mutterkuchens mit dem Kind erfolgt über die Nabelschnur.
Wichtigste Aufgabe der Plazenta ist der Austausch von Stoffen wie Sauerstoff und Wasser zwischen Mutter und Kind. Das Sauerstoff- und Nährstoffangereicherte Blut gelangt über die Nabelschnur in den Körper des Kindes. Weitere Stoffe sind Fette, Eiweiße (Proteine und Aminosäuren) und Zucker (Glucose), die durch unterschiedliche Transporter im Mutterkuchen das Kind erreichen. Darüber hinaus nimmt das Kind auch bestimmte Antikörper (Immunglobulin G) auf, wodurch es vor Infektionen in gewissem Umfang geschützt wird. Allerdings können auch Medikamente über den Mutterkuchen zu dem ungeborenen Kind vordringen. Daher muss während der Schwangerschaft unbedingt darauf geachtet werden, dass keine Arzneimittel eingenommen werden, die dem Kind schaden können. Die ausgeschiedenen Stoffe des Kindes werden über zwei Arterien in der Nabelschnur zurück in den Mutterkuchen transportiert. Von dort aus werden sie über die Zotten an das Blut der Mutter abgegeben und vollständig abgebaut oder ausgeschieden. Die zweite Aufgabe des Mutterkuchens ist die Herstellung von Hormonen, die während der Schwangerschaft benötigt werden. Dazu gehören die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Durch das Progesteron werden die Milchbildung (Laktogenese) und die Brustentwicklung gefördert. Das Östrogen sorgt für das Wachstum der Brüste und der Gebärmutter. Ein weiteres wichtiges Hormon ist das humane Chorion-Gonadotropin. Dieses sorgt dafür, dass es nicht zu einer Abstoßung der Muskelschicht der Gebärmutter und der befruchteten Eizelle kommt. Eine weitere Wirkung des Hormons ist der Abstieg der Hoden in den Hodensack bei männlichen Kindern und die erste Reifung von Eizellen in den Eierstöcken von weiblichen Kindern.
Der Mutterkuchen ist nur ein zeitweilig begrenztes Organ. Im Anschluss an den Geburtsvorgang wird er aus der Gebärmutter ausgestoßen. Es ist sogar möglich die Plazenta nach der Geburt mit nach Hause zu nehmen, wo sie wegen ihres nährstoffreichen Untergrunds oftmals unter ein Bäumchen eingepflanzt wird.
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