Dumping-Syndrom - Ursachen, Beschwerden und Behandlung

Graue 3-D-Grafik eines Menschen mit Magenschmerzen, Magen-Darm-System mit rot hervorgehobenem Magen

Sturzartige Entleerung des Magens in den Dünndarm

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  • von Paradisi-Redaktion

Beim Dumping-Syndrom entleert sich der mit Speisebrei gefüllte Magen sturzartig in den Dünndarm. Dieser Vorgang ist krankhaft bedingt und tritt häufig nach chirurgischen Eingriffen am Magen auf. Das Dumping-Syndrom ist mit zahlreichen Beschwerden verbunden, die entweder schon früh (eine Stunde) oder erst spät (drei Stunden) nach der Nahrungsaufnahme auftreten. Man spricht auch von einem frühen und späten Dumping-Syndrom (Frühdumping und Spätdumping). Was genau im Magen und Darm abläuft und durch welche Anzeichen und Beschwerden sich das Dumping-Syndrom bemerkbar macht, lesen Sie in diesem Artikel.

Die Bezeichnung Dumping-Syndrom geht aus dem englischen Begriff "to dump" hervor, was auf Deutsch "plumpsen" bedeutet.

Besonders betroffen von diesem Leiden sind Personen, bei denen Adipositas (krankhaftes Übergewicht) besteht. So zeigt sich das Syndrom bei etwa 75 Prozent aller Adipositas-Patienten, die sich einer Magenbypass-Operation unterzogen haben, um die Fettsucht zu behandeln. Eine Rolle spielt dabei auch die Art des Eingriffs.

Grafik eines Magenbypasses
Magenbypass zur Behandlung der Adipositas

Frühdumping und Spätdumping

Die Ärzte teilen das Dumping-Syndrom in zwei unterschiedliche Formen ein: das Frühdumping und das Spätdumping. Von Frühdumping ist die Rede, wenn die Beschwerden bereits ca. 60 Minuten nach der Mahlzeit auftreten. Im Vergleich zum Frühdumping-Syndrom kommt das Spätdumping-Syndrom seltener vor. Bei dieser Form dauert es rund drei Stunden bis zu den ersten Beschwerden.

Anzeichen und Beschwerden beim Dumping-Syndrom

Wie macht sich Frühdumping bemerkbar?

Beim Frühdumping findet keine Vorverdauung statt. Daher bleibt die Nahrung nicht für längere Zeit im Magen und der Speisebrei wird fast ohne Veränderungen zum Dünndarm transportiert. Durch die Nahrungsmasse dehnt sich die Darmwand unnatürlich aus. Darüber hinaus besteht eine hohe Konzentration an Inhaltsstoffen und es fließt eine große Menge an Flüssigkeit in den Dünndarm ein. Dieser Vorgang zieht wiederum vasomotorische Störungen nach sich wie das Abfallen des Blutdrucks. Begleitet wird das Frühdumping aber auch von weiteren möglichen Beschwerden:

  • Blutdruckabfall
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Knurrender Magen
  • Blasse Haut
  • Kopfschmerzen
  • Schweißausbrüche
  • Müdigkeit
  • Herzrasen
  • Ohnmacht

Wie macht sich Spätdumping bemerkbar?

Auch beim Spätdumping fehlt die übliche Vorverdauung der Nahrung. Wasserlösliche Kohlenhydrate wie Zucker werden im Dünndarm resorbiert, was zu einem raschen Anstieg des Blutzuckers führt. Als Reaktion darauf schüttet die Bauchspeicheldrüse intensiv das Hormon Insulin aus. Nach dem Verdauen des Zuckers verbleibt ein Rest an Insulin. Dies hat wiederum eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) zur Folge. Dadurch kommt es ungefähr drei Stunden nach der Nahrungsaufnahme zu Beschwerden wie:

  • Zittern
  • Heißhunger
  • Schwitzen
  • Konzentrationsproblemen
  • Schwächegefühlen
  • Trübungen des Bewusstseins

Ursachen des Dumping-Syndroms

Die Ursachen für das Dumping-Syndrom richten sich nach dessen Form.

Ursachen des Frühdumping-Syndroms

Für das Frühdumping-Syndrom ist eine partielle operative Entfernung des Magens verantwortlich. Dabei wird auch der Pylorus (Magenpförtner), der sich am Magenausgang befindet, herausoperiert. Infolgedessen kann unverdauter Nahrungsbrei rascher vom Magen in den Dünndarm gelangen. Dieser Vorgang läuft jedoch zu schnell ab, sodass der Speisebrei ohne Kontrolle in eine hinabführende Schlinge des Jejunums (Leerdarm) stürzt. Aus diesem Grund dehnt sich der Dünndarm abrupt.

Anatomie des Magens
Der Pförtner (Pylorus) hält den Mageninhalt normalerweise vom Dünndarm zurück
Einfluss bestimmter Nahrungsmittel

Verstärkt wird das Problem des Frühdumping-Syndroms durch Lebensmittel, die einen ausgeprägten osmotischen Druck aufweisen. Dabei handelt es sich vor allem um Milch, Zucker oder Süßigkeiten, die für ein starkes Konzentrationsgefälle zwischen den Darmwandblutgefäßen sowie dem Inhalt des Darms sorgen. Als Ausgleich geben die Darmgefäße reichlich Flüssigkeit ins Darminnere ab. Das Plasmavolumen innerhalb der Blutgefäße verringert sich deshalb. Dadurch sinkt wiederum der Blutdruck erheblich ab. Außerdem werden verschiedene Stoffe aus der Darmwand abrupt freigesetzt, was sich stimulierend auf die Darmkontraktion auswirkt.

Ursachen des Spätdumping-Syndroms

Beim späten Dumping-Syndrom kommt es im Darm durch die rasche Entleerung des Magens zu einer ausgeprägten Konzentration von Zucker und Kohlenhydraten. Es schließt sich eine rasche Aufnahme in den Blutkreislauf an, wodurch der Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellt. Die Folge ist eine Hyperglykämie (Überzuckerung).

Im weiteren Verlauf führt dies zum Freisetzen einer erheblichen Menge an Insulin. Das Hormon wirkt blutzuckersenkend, wodurch der umfangreiche Blutzuckeranteil in hohem Tempo von den Körperzellen aufgenommen wird. Das Insulin verbleibt für längere Zeit im Blut, wodurch das Risiko einer Unterzuckerung besteht.

Diagnose des Dumping-Syndroms

Ein Arzt sollte um Rat gefragt werden, wenn nach dem Essen regelmäßig Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit, Herzrasen oder Schwächegefühle einsetzen. Vor allem bei Menschen, die sich im Vorfeld einer Magenoperation unterzogen, ist ein Arztbesuch notwendig.

Im Rahmen der medizinischen Untersuchung sammelt der Arzt zunächst relevante Informationen über die Beschwerden des Patienten. Wichtig sind außerdem vorherige Magenoperationen und mögliche Vorerkrankungen. Schon durch das Beschreiben der Beschwerden stellt sich häufig der Verdacht auf das Dumping-Syndrom.

Provokationstest

Um die Diagnose abzusichern, findet meist ein Provokationstest statt, bei dem der Patient 500 Gramm Glukose zu sich nimmt. Anschließend erfolgt eine Messung über die Auswirkungen der Glukose auf verschiedene Körperfunktionen. Sinkt zum Beispiel der Hämokrit-Wert um über drei Prozent ab oder nimmt das Ausscheiden von Wasserstoff in der Atemluft zu, gilt dies als Hinweis auf ein Dumping-Syndrom. Gleiches gilt, wenn die Herzfrequenz auf mehr als zehn Schläge in der Minute ansteigt oder der Blutzuckerspiegel deutlich absinkt, obwohl zu Beginn eine Überzuckerung zu verzeichnen war.

Weitere Untersuchungen

Als zusätzliche Untersuchungsmaßnahme kommt eine Spiegelung des Magens (Gastroskopie) in Betracht. Sie liefert Aufschlüsse über eventuelle andere Ursachen des Syndroms. Bei einigen Patienten lassen sich zudem spezielle Röntgenaufnahmen von Magen und Dünndarm anfertigen.

Behandlung des Dumping-Syndroms

Ernährung

Um das Dumping-Syndrom erfolgreich zu behandeln, ist die Mithilfe der Patienten notwendig. So ist es wichtig, dass sie sich an spezielle Ernährungsregeln halten. Dazu gehört der Verzehr von mehreren kleinen Mahlzeiten anstatt von wenigen üppigen Mahlzeiten pro Tag. Außerdem sollte das Essen langsam verzehrt werden. Auch die Zufuhr von Getränken ist während des Essens erheblich einzuschränken. So darf weder während der Mahlzeit noch bis zu einer halben Stunde danach etwas getrunken werden.

Von Bedeutung ist auch, was gegessen wird. Zu empfehlen sind komplexe Kohlenhydrate wie:

  • Gemüse
  • Kartoffeln
  • Vollkornprodukte

Deutlich eingeschränkt werden sollte dagegen der Konsum von:

  • Zucker
  • Honig
  • Nahrungsmitteln, die weißes Mehl enthalten

Liegt ein Spätdumping-Syndrom vor, ist allerdings bei akuten Beschwerden der Verzehr von Zucker hilfreich.

Medikamente

Führt die Nahrungsumstellung nicht zum gewünschten Erfolg, erhält der Patient außerdem Medikamente. Dazu gehören Betablocker, Sedativa und Anticholinergika.

Operation

Stellt sich durch die konservativen Therapiemaßnahmen keine Besserung ein, ist auch mitunter ein chirurgischer Eingriff nötig, was besonders für schwer ausgeprägte Dumping-Syndrome gilt. Die Operation ist zumeist nach einer Billroth-II-Resektion sinnvoll. Bei diesem Verfahren werden der Magenpförtner sowie zwei Drittel des Magens herausoperiert. Anschließend findet das Verbinden zwischen Magenrest und Leerdarm statt. Den ersten Dünndarmabschnitt verschließt der Arzt blind.

Kommt es nach dieser Billroth-II-Operation zu einem schweren Dumping-Syndrom, sollte eine operative Korrektur durchgeführt werden. In deren Verlauf wandelt der Chirurg den Billroth-II-Magen in einen Billroth-I-Magen um. Auf diese Weise stellt er eine direkte Verbindung zwischen Magenstumpf und Zwölffingerdarm her.

Prognose beim Dumping-Syndrom

Ohne eine Behandlung fällt die Prognose des Dumping-Syndroms meist negativ aus. So leiden die betroffenen Personen immer wieder unter schmerzhaften Beschwerden, Übelkeit oder Durchfall. Im weiteren Verlauf droht sogar eine irreversible Schädigung des Magens.

Durch einen operativen Eingriff lassen sich jedoch schwere Fälle des Syndroms beheben, sodass die Prognose einen günstigeren Verlauf nimmt.

Prävention des Dumping-Syndroms

Dem Dumping-Syndrom direkt vorzubeugen, ist kaum möglich, es sei denn, der Betroffene verzichtet auf eine entsprechende Magenoperation. Nach einer Magen-OP kann einem weiteren Eingriff jedoch durch eine Nahrungsumstellung von einfachen auf komplexe Kohlenhydrate entgegengewirkt werden. Als sinnvoll gilt zudem eine Ernährungsberatung.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Silhouette junges Mannes mit Magenschmerzen - 3D Illustration © ag visuell - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Magen Bypass, Roux-en-Y, Beschreibung deutsch © bilderzwerg - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Aufbau des Magens, deutsch und latain © bilderzwerg - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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