Hüftimpingement (einklemmende Hüfte) - Ursachen, Symptome und Behandlung

Spricht man von einem Hüftimpingement, sind damit krankhafte Veränderungen des Hüftgelenks gemeint. Dabei kommt es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Unter einer einklemmenden Hüfte versteht man ein Enge-Syndrom, das zwischen dem Hüftkopf und der Hüftpfanne auftritt. Die Erkrankung wird auch als femoro-acetabuläres Impingement bezeichnet.

Von Jens Hirseland

In der Medizin wird ein Hüftimpingement oder auch eine einklemmende Hüfte auch als femoro-acetabuläres Impingement (FAI) bezeichnet. Gemeint ist damit ein Enge-Syndrom zwischen der Hüftpfanne und dem Hüftkopf, das Hüftschmerzen und Bewegungseinschränkungen hervorruft.

Anatomie der Hüfte

Der Hüftkopf des Menschen hat ungefähr die Form einer Kugel. Zu rund 50 Prozent umschließt ihn die Gelenkpfanne. Außerdem wird der Hüftkopf von der Gelenklippe ähnlich wie ein Dichtungsring umgeben.

Für den Fall, dass die Gelenklippe zu tief oder der Schenkelhals zu breit ist, führt dies bei Bewegungen dazu, dass der Oberschenkelhals an den Pfannenrand anschlägt. Dadurch können jedoch die Gelenklippe sowie die Knorpel in Mitleidenschaft gezogen werden.

Besteht dieser mechanische Konflikt auf die Dauer, kommt es im weiteren Verlauf zu Beschädigungen an beiden Strukturen, die sich durch Schmerzen bemerkbar machen. Eine weitere Folge ist das Auftreten einer Hüftarthrose.

3D-Grafik einer Hüfte mit Schmerzen
3D-Grafik einer Hüfte mit Schmerzen

Formen des Hüftimpingements

Bei einem Hüftimpingement gilt es, zwischen einem Nockenwellen-Impingement (CAM) und einem Pincer-Impingement bzw. Beißzangen-Impingement zu unterscheiden.

Nockenwellen-Impingement

Von einem Nockenwellen-Impingement sind vorwiegend junge Menschen betroffen. Bei dieser Unterform liegt eine zu große Breite des Hüftkopfes vor, wodurch der Kopf nicht passgenau in der Pfanne sitzt.

Das heißt, dass der Übergang, der sich zwischen dem Schenkelhals und dem Hüftkopf befindet, nicht mehr in ausreichendem Maße tailliert ist. Dadurch wird bei jeder Bewegung der Gelenkskopf immer weiter herausgedrückt.

Bei dehnenden oder schnellen Bewegungen kommt es schließlich zum Einreißen des Hüftkopfes in den Knorpel und die Gelenklippe. Das Herausdrehen des Hüftkopfes aus der Pfanne hat zur Folge, dass sich die Knochenanteile an den angrenzenden Strukturen reiben, zu Schmerzen führt.

Im weiteren Verlauf droht eine Arthrose des Hüftgelenks. Besonders betroffen von einem Nockenwellen-Impingement sind junge, athletisch gebaute Männer.

Beißzangen- oder Pincer-Impingement

Um ein Beißzangen- oder Pincer-Impingement handelt es sich, wenn eine Fehlstellung der Hüftpfanne vorliegt, die in diesem Fall vertieft ist. Durch die Fehlstellung kommt es zum Anschlagen des Schenkelhalses an den Rand der Hüftpfanne. Die Form des Hüftkopfes bleibt dabei jedoch in der Regel normal.

Da der Oberschenkel deswegen zusätzliches Knochenmaterial herstellt, führt dies zu einer Verdickung der Anschlagsstelle und die elastische Hüftpfannenlippe bildet sich mehr und mehr zurück. Am Ende bleibt schließlich nur noch der harte Knochen übrig.

Ohne die schützende Knorpelschicht vertieft sich die Hüftpfanne noch weiter, was sich durch Schmerzen schon bei kleinsten Bewegungen bemerkbar macht. Ebenso wie beim Nockenwellen-Impingement kommt es zu einer Arthrose. Am häufigsten zeigt sich das Beißzangen-Impingement bei 30- bis 40-jährigen Frauen.

Reine Nockenwellen- oder Beißzangen-Impingements treten jedoch eher selten auf. In den meisten Fällen handelt es sich um Mischformen beider Typen.

Ursachen

Ausgelöst wird eine einklemmende Hüfte durch anatomische Varianten von Hüftkopf oder Pfannendach. Durch diese Variante besteht das Risiko, dass der Hüftkopf bei der Ausführung von bestimmten Bewegungen immer wieder an das Pfannendach angeschlagen wird. Das ständige Anstoßen sowie die Einklemmungen, die dadurch entstehen, rufen Verletzungen der Hüftpfanne sowie des angrenzenden Gelenkknorpels hervor.

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Hüftimpingements ließen sich bislang noch nicht klären. Es wird vermutet, dass Kinderkrankheiten eine bedeutende Rolle spielen. Klare Beweise für diese Theorie gibt es jedoch nicht.

Als sicher gilt dagegen, dass das Risiko für ein Hüftimpingement durch Leistungssport erhöht wird. In manchen Fällen können auch Verletzungen oder Entwicklungsstörungen Missbildungen im Hüftgelenk hervorrufen.

Symptome

Bemerkbar macht sich ein Hüftimpingement zunächst durch tiefsitzende Schmerzen in der Leiste. Die Schmerzen treten vor allem bei sportlichen Aktivitäten oder anderen intensiven körperlichen Belastungen auf.

Ein typisches Merkmal ist, dass die betroffenen Personen ihren Oberschenkel nicht mehr richtig beugen können. Außerdem ist oftmals die Beweglichkeit der Hüfte eingeschränkt.

Eingeschränkte Beugefähigkeit des Oberschenkels als typisches Symptom
Eingeschränkte Beugefähigkeit des Oberschenkels als typisches Symptom

Aber auch langes Sitzen kann stechende Schmerzen im Hüftbereich hervorrufen. Nach längerem Stehen oder Gehen strahlt der Schmerz nicht selten auch bis ins Bein oder in den Fuß aus.

Im späteren Stadium tritt in den meisten Fällen eine Coxarthrose auf. Auch eine Hüftkopfnekrose ist möglich, wenn die Blutzufuhr dauerhaft beeinträchtigt wird.

Folgen

Durch das Hüftimpingement kommt es zu verschiedenen Schäden am Hüftgelenk:

  • Nicht selten kommt es zur Bildung von Knochenspornen an der Hüftpfanne
  • Diese haben einen Abrieb und weitere Schäden des Knorpels zur Folge
  • Durch den Knorpelabrieb und die entstehenden freien Gelenkkörper kann es zu einer Gelenkentzündung kommen
  • Möglich ist, dass die Gelenklippe der Hüftpfanne zerstört wird

Diagnose

Besteht Verdacht auf ein Hüftimpingement, kommen neben einer körperlichen Untersuchung auch bildgebende Verfahren zur Anwendung. Dazu gehören

Auf den Bildern kann der Arzt gut beurteilen, ob die Beschwerden von einem Hüftimpingement verursacht werden. Weitere Untersuchungsmöglichkeiten sind Bewegungstests oder ein spezieller Impingement-Test.

Beim Provokationstest nimmt der Arzt zur gleichen Zeit zwei schnelle Bewegungen vor. Tritt der Leistenschmerz dabei auf, gilt dies als Hinweis auf ein Hüft-Impingement.

Behandlung

Die Therapie eines Hüftimpingements hängt von dessen Ausmaß ab.

Konservative Behandlung

Handelt es sich um eine leichte Form, lässt sich diese konservativ durch

behandeln. Außerdem muss der Patient auf sportliche Aktivitäten verzichten. Das mechanische Problem bleibt jedoch trotz dieser Behandlungsmaßnahmen weiterhin bestehen.

Operative Behandlung

Liegen größere Schädigungen am Knorpel oder Knochen vor, muss ein operativer Eingriff durchgeführt werden.

Hüftarthroskopie

Als minimal-invasive Operationsmethode gilt die Hüftarthroskopie (Gelenkspiegelung). Diese verläuft schonender für den Patienten als eine offene Operation.

Durch die Arthroskopie lassen sich sowohl die Beschwerden beseitigen als auch das Entstehen einer Coxarthrose vermeiden. Zur Anwendung kommt eine Hüftarthroskopie bei einem Nockenwellen-Impingement.

Bei diesem minimal-invasiven Verfahren hat der Chirurg die Möglichkeit, mithilfe einer Miniaturkamera den Hauptteil des Hüftgelenks zu betrachten. Auf diese Weise kann er selbst kleinste Beschädigungen, die sich an der Gelenklippe befinden, erkennen und entsprechend behandeln.

Durch einen kleinen Schnitt gelangt der Chirurg zum Hüftgelenk, ohne dabei die Muskeln zu durchtrennen, die er nur zur Seite schiebt. Anschließend erfolgt das Abtragen des Anschlags am Oberschenkel. Dies führt der Operateur so lange durch, bis der Hüftkopf wieder passend in der Gelenkpfanne sitzt.

In vielen Fällen genügt es bereits, die Gelenklippe zu behandeln. Durch die Operation ist es möglich, die Beweglichkeit des Hüftgelenks wieder zu verbessern. Darüber hinaus werden die Degenerationsabläufe langsamer gemacht, sodass für den Patienten wieder eine schmerzfreie Bewegung möglich ist.

Osteotomie

Ist keine Arthroskopie möglich, weil die Hüftpfanne und der Hüftkopf nicht mehr zueinander passen, besteht die Möglichkeit, eine Osteotomie vorzunehmen. Dabei richtet man den Beckenknochen neu aus, damit das Zusammenspiel zwischen den beiden Komponenten wieder reibungslos funktioniert.

Nachsorge

Bereits zwei bis drei Tage nach dem Eingriff kann der Patient das Hüftgelenk wieder vorsichtig belasten. Um einen positiven Heilungsverlauf zu gewährleisten, sollte der Patient ca. 6 Wochen lang Gehstützen verwenden.

In diesem Zeitraum erfolgt im Rahmen einer Physiotherapie auch die Kräftigung und Mobilisierung des Hüftgelenks. In der Regel ist das Gelenk nach rund drei Monaten wieder komplett einsatzfähig.