6. März 2010
(dgk) Schon im Mutterleib, etwa ab der 22. Woche nach der Befruchtung, beginnen wir zu hören. Fortan begleitet das Gehör den Menschen durchs Leben. Die Forschung bringt immer wieder Faszinierendes über den differenziertesten unserer Sinne an den Tag.
So haben Forscher der Universität Tel Aviv 2009 herausgefunden, dass Frühchen mit Musik von Mozart aufgepäppelt werden können. Man spielte den Babys täglich eine halbe Stunde lang Mozart vor. Ergebnis: Die Kinder entspannten sich deutlich, verbrauchten weniger Energie und nahmen schneller zu. Klassische Musik anderer Komponisten blieb wirkungslos. Mozarts Melodien beruhigen aufgrund ihrer Struktur, die mit vielen Wiederholungen versehen ist, die Säuglinge, sodass sie mehr Energie zum Wachsen und Gedeihen haben, vermuten die Wissenschaftler.
Doch nicht alle Neugeborenen hören gut: Etwa ein bis zwei von 1.000 Babys kommen mit einem Hörverlust zur Welt. Bleibt er unbehandelt, leiden die sprachliche sowie die soziale und emotionale Entwicklung. US-amerikanische Wissenschaftler zeigten jetzt in ersten Langzeituntersuchungen, dass eine frühe Diagnose und Behandlung die Sprachentwicklung positiv beeinflusst; das betrifft insbesondere das Sprachverständnis. Bei Kindern, die bereits im Babyalter als schwerhörig diagnostiziert und entsprechend versorgt wurden, ist das Sprachverständnis im Alter von acht Jahren deutlich besser als bei Kindern, bei denen die Hörminderung erst später festgestellt wurde.
Bleibende Hörschäden können im weiteren Leben aber auch von zu viel Lärm verursacht werden: von lauten Knallen, zu lautem Spielzeug, vom Arbeiten in geräuschvoller Umgebung. Deshalb sollte man zu hohe Geräuschpegel meiden bzw. Gehörschutz verwenden. Leider sind Jugendliche in der Hinsicht sehr leichtsinnig: Auch wenn ihnen bekannt ist, dass sie den Hörsinn mit zu lauter Musik schädigen können – die Musik auf ihren MP3-Playern hören sie trotzdem viel zu laut, so das Ergebnis einer aktuellen amerikanischen Untersuchung.
Werden Menschen älter, so lässt ihr Hörvermögen häufig nach. Betroffene warten meist zu lange, bevor sie ihr Gehör testen und ggf. ein Hörgerät nutzen. Was führt dazu, dass sie sich ihrem Problem schließlich doch stellen? Die Enkel sind's! Eine neue Untersuchung hat ergeben, dass ältere Menschen vor allem dann zum Hörtest gehen, wenn sie Schwierigkeiten bekommen, ihre Enkel zu verstehen. Zudem sprechen ältere Enkelkinder die Hörminderung der Großeltern direkt an und veranlassen nicht selten sogar den Hörtest-Termin.
Schwerhörigkeit ist eine unsichtbare Beeinträchtigung, von der immer mehr Menschen, Schätzungen zufolge 15 bis 20 Millionen Menschen in Deutschland, betroffen sind. "Dennoch besteht ein großes Informationsdefizit bezüglich der Schwerhörigkeit generell und hinsichtlich Hörsystemen, Cochlea-Implantaten & Co. im Einzelnen – sowohl bei den Betroffenen als auch der Umwelt", weiß Björn Kerzmann, Herausgeber und Chefredakteur der neuen Publikumszeitschrift Spektrum Hören, die an zahlreichen Bahnhofskiosken erhältlich ist. (Informationen, welche Kioske das Magazin führen: www.spektrum-hoeren.de.) Kerzmann will mit der Zeitschrift übers Hören und die Schwerhörigkeit informieren – inklusive Verbrauchertipps, Erfahrungsberichten, verständlichen Informationen zu neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen, Promi-Talk und Lifestyle-Unterhaltung. So soll das Thema stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit gelangen und Betroffenen zu mehr Lebensqualität verhelfen.
Denn die Möglichkeiten hierzu werden unzureichend wahrgenommen. "Nur 15 Prozent der Alters-Schwerhörigen nutzen ein Hörgerät", so die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Und ist bei einem Säugling eine Hörstörung diagnostiziert, nehmen Eltern fatalerweise eine weitere Diagnostik und gegebenenfalls eine Versorgung häufig nicht in Anspruch – in der Regel, weil sie über die Folgen nicht genügend informiert sind.
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