Harnleiterentzündung - Symptome, Diagnose und Behandlung

Bei einer Harnleiterentzündung sind die Harnleiter, also die oberen Harnwege zwischen Nieren und Harnblase, entzündet. Die schmerzhafte Entzündung wird meist durch Bakterien ausgelöst und tritt fast immer infolge einer Harnröhrenentzündung oder Blasenentzündung auf. Um Komplikationen zu vermeiden ist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Lesen Sie hier alles über die Anzeichen, Diagnose und Behandlung einer Harnleiterentzündung.

Von Jens Hirseland

Bei einer Harnleiterentzündung entzünden sich die Schleimhäute innerhalb des Harnleiters (Ureter). Unter dem Harnleiter wird ein paariges Harnwegsorgan verstanden, das die Form eines Schlauchs aufweist. Der Harnleiter setzt sich aus feinen Muskelsträngen zusammen und verbindet die Nieren mit der Harnblase über eine Länge von 30 bis 35 Zentimetern. Über die beiden Harnleiter wird der Urin, der in den Nieren entsteht, in Richtung Harnblase transportiert. Via Harnröhre erfolgt anschließend das Ausscheiden des Harns aus dem Körper.

Da die Harnwege über enge Verbindungen verfügen, besteht das Risiko, dass sich Harnwegserkrankungen gegenseitig begünstigen, was auch für die Harnleiterentzündung gilt. Die Harnwegsentzündung kann sich prinzipiell sowohl beim weiblichen als auch beim männlichen Geschlecht zeigen. Frauen sind jedoch von Harnwegsentzündungen deutlich häufiger betroffen als Männer, weil ihre Harnröhre kürzer ausfällt. Dadurch erhalten schädliche Keime die Gelegenheit, leichter in die oberen Harnwege aufzusteigen.

Wird eine Entzündung der Harnblase oder Harnröhre nicht richtig auskuriert, steigt die Gefahr, dass eine Harnleiterentzündung entsteht.

Grafik mit der Anatomie der Harnwege beim Mann
Harnblase mit Harnröhre und Harnleiter beim Mann

Ursachen

Die Ursachen für eine Harnleiterentzündung sind mannigfaltig. In den meisten Fällen werden sie von Bakterien wie Gonokokken, Escherichia coli oder Chlamydien hervorgerufen, die auch Blasenentzündungen auslösen. Blasenentzündungen, die in eine Entzündung der Harnleiter übergehen, zeigen sich besonders in den Wintermonaten bei jungen Frauen.

Häufig kommt es durch ungeschützten Geschlechtsverkehr zur Übertragung der Erreger. Über die Genitalien wandern die Krankheitserreger dann in Richtung Harnleiter und Nierenbecken.

Ebenfalls gefährdet für eine Infektion sind Menschen mit Harnleitersteinen. So wird ein ungehinderter Urinabfluss durch die Steine erschwert. Ferner rufen sie eine Reizung der Schleimhaut hervor. Weil sich die Keime deswegen schwieriger ausschwemmen lassen, siedeln sie sich leichter auf den betroffenen Schleimhäuten an.

Als weiterer Risikofaktor gilt das längere Tragen eines Harnblasenkatheters.

Weitere Keime, die eine Harnblasenentzündung verursachen, die wiederum in eine Harnleiterentzündung übergehen kann, sind Mykoplasmen und Candida-Pilze. Auch die Pilze dringen zumeist auf dem gleichen Weg zum Harnleiter vor wie die Bakterien.

In manchen Fällen sind aber auch Allergien für eine Harnleiterentzündung verantwortlich. Dabei kann es sich zum Beispiel um allergische Reaktionen auf Gleitgele gegen Spermiziden oder Waschlotionen handeln, die sich in der Intimregion ausprägen.

Symptome

Zu den häufigsten Beschwerden, die im Rahmen einer Harnleiterentzündung auftreten, gehören vor allem

  • Schmerzen beim Wasserlassen sowie
  • Schmerzsymptome, deren Ausstrahlung bis in die Bauch- oder Rückenregion reicht.

Allerdings können diese Anzeichen auch der Hinweis auf eine Harnblasenentzündung oder Harnröhrenentzündung sein. Aus diesem Grund wird die Entzündung des Harnleiters häufig gar nicht entdeckt und entsprechend therapiert.

Zu den weiteren möglichen Beschwerden einer Harnleiterentzündung zählen:

Ein Problem ist, dass es sich bei einer Harnleiterentzündung um einen schleichenden Prozess handelt. Daher werden die ersten Anzeichen oft falsch gedeutet und nur Hausmittel zum Bekämpfen einer Harnwegsinfektion eingesetzt. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass Entzündungserreger übrig bleiben, die von den unteren Harnwegen aus erneut bis zum Harnleiter vordringen und dort eine Entzündung verursachen.

Frau mit Unterleibschmerzen und Wärmflasche
Schmerzen treten nicht nur beim Wasserlassen auf, sondern können auch in den Unterleib und Rücken ausstrahlen

Diagnose

Fast immer wird eine Harnleiterentzündung von einer entzündeten Harnblase oder Harnröhre begleitet. Um die unterschiedlichen Erkrankungen voneinander abzugrenzen, muss der behandelnde Arzt die Harnwege exakt untersuchen. Zu diesem Zweck findet mitunter eine Cysto-Urethroskopie (Harnleiterspiegelung) statt. Auch die Untersuchung einer Urinprobe ist von Wichtigkeit. So kann der Arzt den Umfang der Entzündung feststellen.

Als sinnvoll gelten außerdem Abstriche aus der Harnröhre. Mitunter entnimmt der Arzt bei Frauen auch einen Abstrich vom Gebärmutterhals. Allerdings ist es nicht immer notwendig, die genaue Position der Entzündung zu bestimmen.

Um eine bakterielle Infektion der Harnwege zu diagnostizieren, kann der Arzt eine Urinkultur anlegen. Dabei lässt er aus Urinproben im Labor Bakterien anzüchten. Durch diese Maßnahme wird der genaue Erreger bestimmt, wodurch wiederum eine entsprechend wirksame Antibiotika-Therapie erfolgt.

Behandlung

Die Behandlung einer Harnleiterentzündung richtet sich nach deren auslösender Ursache. Weil eine Harnleiterentzündung mitunter gefährliche Komplikationen wie eine Urosepsis verursachen kann, erhält der Patient schon im frühen Stadium ein Breitbandantibiotikum. Dieses verfügt über die Eigenschaft, gegen zahlreiche Bakterien zu wirken.

Konnte der genaue Krankheitserreger identifiziert werden, stellt der Arzt die Behandlung auf ein speziell wirkendes Antibiotikum um, das gezielt gegen die auslösenden Keime vorgeht. Die bakterienspezifische Behandlung gilt auch als wichtig, damit die Erreger nicht resistent werden.

Was man selbst tun kann

  • Nahaufnahme Frau trinkt Wasser aus Glas

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  • Junge Frau liegt auf ihrem weißen Bett und hält sich eine rosa Wärmflasche auf den Bauch

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  • Junge Frau entspannt in moderner Badewanne

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Neben der Gabe von Antibiotika hat der Patient die Option, die Krankheit auch unterstützend selbst zu bekämpfen. So ist es ratsam, viel zu trinken, damit das Harnsystem durchgespült wird. Damit wird eine höhere Strömungsgeschwindigkeit erzielt, die den Aufstieg der Bakterien in die Harnwege erschwert. Als empfehlenswert gelten drei bis vier Liter Flüssigkeit am Tag. Durch Johannisbeersaft oder Cranberrysaft lässt sich der Urin außerdem ansäuern, wodurch sich die Bakterien schwerer ansiedeln können.

Hilfreich sind zudem Wärmeanwendungen. Durch die Wärme kann die Durchblutung im Unterleib verbessert werden. Dies hat zudem eine effektivere Abwehrleistung des Organismus zur Folge. Um den Körper warmzuhalten, werden das Auflegen einer Wärmflasche sowie das Tragen von warmer Unterwäsche und Strümpfen empfohlen.

Ebenfalls sinnvoll sind Sitzbäder mit Teebaumöl oder Kamillenextrakt. Diese weisen einen antientzündlichen Effekt auf und mildern die Beschwerden der Harnleiterentzündung ab. Dabei wirkt sich auch ein Ganzkörperbad schmerzlindernd aus.

Prognose

Die Prognose einer Harnleiterentzündung fällt individuell höchst unterschiedlich aus. Liegt ein unkomplizierter Verlauf vor und werden frühzeitig Antibiotika eingenommen, gehen die Symptome in der Regel nach einer Woche wieder zurück. Steigt die Entzündung jedoch weiter auf, drohen Komplikationen wie eine lebensgefährliche Urosepsis.

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