Gelenke - Verbinden die Knochen miteinander und verleihen diesen ihre Bewegungsfähigkeit

Als Gelenk (Articulatio) bezeichnet man eine bewegliche Verbindung zwischen zwei oder mehreren Knochen. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Gelenkformen.

Man unterscheidet echte und unechte Gelenke; sie können knöchern, bindegewebig oder knorpelig sein

Funktionen

Mit einem Gelenk (Articulatio) werden zwei oder mehrere Knochen miteinander verbunden. Auf diese Weise lässt sich, je nach Form des Gelenks, die Bewegungsrichtung der Knochen bestimmen. Bei einem intakten Gelenk kommt es zu einer glatten Bewegung, bei der die verbundenen Knochen nicht aneinander gerieben werden.

Es gibt im menschlichen Körper etwa 140 Gelenke, die ihm zu seiner Bewegungsfähigkeit verhelfen. In einem Gelenk kann auf einen Quadratzentimeter Fläche ein Druck von bis zu 400 Kilogramm lasten.

Aufbau

Gelenke werden in zwei Formen unterteilt. Dabei spricht man von:

  1. diskontinuierlichen (echten) Gelenken (Diarthrosen)
  2. kontinuierlichen (unechten) Gelenken (Synarthrosen)

Echte Gelenke

Als echte Gelenke oder Diarthrosen bezeichnet man Gelenke, die eine Unterbrechung (Diskontinuität) zwischen den Knochen, die am Gelenk beteiligt sind, aufweisen. Solch eine Diskontinuität wird auch Gelenkspalt genannt.

Durch diesen Spaltraum werden die Gelenkflächen, die vom Gelenkknorpel überzogen werden, voneinander getrennt. Auf der Außenseite umgibt das Gelenk eine straffe Gelenkkapsel, die an einigen Stellen über Kapselbänder verfügt.

Es gibt einfache Gelenke mit der Artikulation von nur einem Knochen sowie zusammengesetzte Gelenke mit der Beteiligung von mehr als zwei Skelettteilen. Des Weiteren unterscheidet man Hauptgelenke, die eine Bewegung ausführen, an der mehrere Gelenke beteiligt sind sowie die Nebengelenke, die die Beweglichkeit eines Hauptgelenks unterstützen.

Bestandteile

Zu den Bestandteilen der echten Gelenke zählen

  • der Gelenkknorpel
  • die Gelenkkapsel
  • die Gelenkhöhle sowie
  • Gelenkbänder.

Der Gelenkknorpel überzieht die Gelenkflächen der Knochen. Eine Gelenkkapsel setzt sich aus zwei Schichten zusammen. Die sind die Membrana fibrosa, die äußere Schicht, die aus kollagenen, straffen Bindegewebe besteht und die Membrana synovialis, die innere Schicht, die man auch Gelenkinnenhaut nennt.

Durch eine Gelenkkapsel wird ein in sich abgeschlossener Hohlraum gebildet. Dabei handelt es sich um die Gelenkhöhle, die mit Gelenkschmiere (Synovia), einer viskosen Flüssigkeit gefüllt ist. Meist in der Außenschicht der Gelenkkapsel befinden sich die Gelenkbänder, die aus Kollagenfasern bestehen.

Des Weiteren verfügen echte Gelenke über unterstützende Hilfsstrukturen wie:

  • Bänder (Ligamenta)
  • Gelenkzwischenscheiben (Disci oder Menisci articulares)
  • Gelenklippen (Labra articularia)
  • Gelenktaschen (Recessus articularis)
  • Schleimbeutel (Bursae synoviales)

Formen

Zu den echten Gelenken gehören z.B.:

Eine Sonderform stellen die Amphiarthrosen dar, die zwar zu den echten Gelenken gezählt werden, jedoch nur über eine eingeschränkte Beweglichkeit verfügen. Echte Gelenke werden nach ihrer Form weiter unterteilt. Dazu gehören:

  • das Kugelgelenk (Articulatio sphaeroidea) wie z.B. das Hüftgelenk oder das Schultergelenk
  • das Scharniergelenk (Ginglymus) wie die Fingergelenke
  • das Ellipsoid- oder Eigelenk (Articulatio ellipsoidea) wie das Kopfgelenk
  • das Sattelgelenk (Articulatio sellaris) wie das Gelenk zwischen Mittelhandknochen und Handwurzelknochen
  • das bicondyläre Gelenk (Articulatio bycondylaris) wie das Kniegelenk
  • das Drehgelenk (Articulatio plana)
  • das straffe Gelenk (Amphiarthrose) wie das Iliosakralgelenk
  • das Roll-, Rad oder Zapfengelenk (Articulatio trochoidea) wie das Radioulnargelenk

Unechte Gelenke

Unter so genannten unechten Gelenken versteht man bindegewebige und knorpelige Gelenke, die keinen Gelenkspalt haben und nur eingeschränkt beweglich sind. Als Wachstumszonen des Körpers haben sie dennoch eine wichtige Funktion.

Knorpelhaft unechte Gelenke (Synchondrosen)

Als knorpelhaft unechte Gelenke bezeichnet man knorpelige Knochenverbindungen, zum Beispiel aus hyalinem Knorpel oder Faserknorpel. Zu den Synchondrosen zählen mitunter

  • die Rippen
  • die Bandscheibe
  • die Verbindung zwischen Brustbein und Schwertfortsatz

Bandhaft unechte Gelenke (Syndesmosen)

Bei bandhaft unechten Gelenken werden Knochen durch straffes Bindegewebe miteinander verbunden. Beispiele für Syndesmosen sind

  • die Verbindung zwischen Elle und Speiche am Unterarm
  • die Verbindung zwischen Schienbein und Wadenbein am Unterschenkel
  • die Schädelnähte beim Kind

Knochenhaft unechte Gelenke (Synostosen)

Bei knochenhaft unechten Gelenken ersetzt Knochengewebe das Zwischengewebe. Beispiele für Synostosen sind das Kreuzbein sowie das Steißbein.

Gelenkbeweglichkeit

Gelenke können Gleit- oder Verschiebebewegungungen, auch Translationsbewegungen genannt, oder Drehbewegungen (Rotationsbewegungen) ausführen. Bei der Gleit- oder Verschiebebewegung bewegt sich der Gelenkkörper auf einer gerade verlaufenden Linie oder auf einer Kurve, die beliebig gekrümmt ist. Die Drehbewegung erfolgt um einen Mittelpunkt oder eine Achse.

So kann man Gelenke je nach Art

  • beugen
  • strecken
  • heranführen
  • abspreizen
  • einwärtsdrehen oder
  • auswärtsdrehen.

Die folgende Tabelle zeigt, welche Gelenke sich in welchem Winkel auf unterschiedliche Art und Weise bewegen lassen.

Bewegungsfähigkeit unterschiedlicher Gelenke
BeugungStreckungHeranführenAbspreizenEinwärtsdrehenAuswärtsdrehen
Schultergelenk170°40°30°160°70°60°
Ellenbogengelenk150°10°
Handgelenk60°40°30° (Radialduktion)40° (Ulnarduktion)90° (Pronation)90° (Supination)
Fingergelenke90°
Hüftgelenk140°10°30°50°50°40°
Kniegelenk150°10°10°40°
Oberes Sprunggelenk50°30°
Unteres Sprunggelenk20° (Inversion)10° (Eversion)
Grußzehengrundgelenk45°70°

Eine Sonderstellung nimmt der Schultergürtel ein; dieser lässt sich

  • hochnehmen: 40°
  • runterziehen: 10°
  • nach vorne ziehen: 30°
  • nach hinten ziehen: 25°

Beschwerden und Erkrankungen der Gelenke

Die menschlichen Gelenke können von verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen betroffen werden.

Rheumatoide Arthritis

Die am häufigsten auftretende Gelenkerkrankung ist die Rheumatoide Arthritis, die auch schlicht als Rheuma bezeichnet wird. Rheumatoide Arthritis entsteht durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems.

Dabei produziert der Organismus Stoffe, durch die chronische Gelenkentzündungen ausgelöst werden. Vor allem die Grundgelenke der Hände und Füße sowie die Wirbelsäule werden von Rheumatoider Arthritis in Mitleidenschaft gezogen.

Durch die schmerzhafte Entzündung kommt es zu einem Anschwellen der Gelenkinnenhaut. Nach und nach werden die Gelenkkapsel und die Sehnen zerstört, wodurch Fehlstellungen der Knochen und eine starke Einschränkung der Beweglichkeit die Folge sind.

Arthrose

Eine weitere häufige Gelenkerkrankung ist Arthrose, bei der die Gelenke ebenfalls zerstört werden. In diesem Fall ist jedoch der altersbedingte Verschleiß des Gelenks dafür verantwortlich.

Da sich der Knorpelüberzug der Gelenkknochen mit der Zeit abnutzt, kommt es zu einem ungeschützten Aneinanderreiben der Knochen. Vor allem bei Belastungen können dadurch Schmerzen auftreten.

Grafische Darstellung einer Arthrose im Knie
Grafische Darstellung einer Arthrose im Knie

Psoriasis-Arthritis

Gelenkentzündungen können auch im Rahmen einer Schuppenflechte (Psoriasis) auftreten. In diesem Fall spricht man von einer Psoriasis-Arthritis. Dabei kommt es als Begleiterscheinung zur Schuppenflechte vor allem an den Fingergelenken, den Sprunggelenken und der Wirbelsäule zu schmerzhaften Schwellungen.

Gicht

Ebenso können starke Gelenkbeschwerden durch Gicht ausgelöst werden. Dabei kommt es zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken, was zu Knorpelveränderungen führt. Die Betroffenen leiden unter starken Gelenkschmerzen, Rötungen, Schwellungen und Überwärmung.

Distorsion

Bei einer Distorsion kommt es zu einer Überdehnung der Gelenkbänder aufgrund einer übermäßigen Bewegung oder Beanspruchung. Neben Schmerzen und Schwellungen bemerken Betroffene einen Bluterguss. Die Behandlung erfolgt durch Ruhigstellung des Gelenks; zudem sind Umschläge sowie das Einbinden mit einer elastischen Binde hilfreich.

Luxation

Es kann auch vorkommen, dass man sich ein Gelenk auskugelt, was man als Luxation bezeichnet. Dabei wird der Gelenkkopf aus der Gelenkpfanne verschoben; oftmals kommt es zum teilweisen Riss der Gelenkkapsel.

Besonders oft ist das Schultergelenk aufgrund von Stürzen oder Unfällen davon betroffen. Ist es einmal ausgekugelt, steigt das Risiko einer erneuten Luxation. Im Rahmen einer Reponation wird das ausgekugelte Gelenk wieder in seine ursprüngliche Position gebracht.

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Quellenangaben
  • schmerzende handgelenke/arthritis © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de
  • Arthrose im Kniegelenk. Knorpelschaden © Henrie - www.fotolia.de
  • knie © axel kock - www.fotolia.de
  • Anatomie des Sprunggelenks © bilderzwerg - www.fotolia.de
  • Anatomie der Schulter, Muskeln mit Erklärung deutsch © bilderzwerg - www.fotolia.de

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