19. Januar 2009
Von K. Schumann
Dies ist eine Frage die hochinteressant ist, aber auch heute nach vielen Jahren Forschung immer noch nicht vollständig und befriedigend beantwortet werden kann. Schon die Philosophen vor mehr als 2000 Jahren versuchten dieser Frage auf den Grund zu gehen und auch heute beschäftigt die Frage wie wir uns erinnern und was wir behalten Künstler, Philosophen und Naturwissenschaftler gleichermaßen.
Nach der Dauer der Speicherzeit von Informationen kann man unser Gedächtnis einteilen in das sensorische Gedächtnis, das Langzeit- und das Kurzzeitgedächtnis.
In unserem sensorischen Gedächtnis (auch Ultrakurzzeitgedächtnis) werden unmittelbare Wahrnehmungen wie zum Beispiel Töne oder Bilder nur für Millisekunden bis Sekunden zwischengespeichert. So hilft uns das sensorische Gedächtnis zum Beispiel, dass wir einem Gespräch folgen können oder einen Film, der ja eigentlich aus Einzelbildern besteht zusammenhängend anschauen können. Allerdings zerfallen die Informationen nach kurzer Zeit, damit neue Informationen von unseren Sinnesorganen aufgenommen und weitergeleitet werden können.
Dinge, die uns bewusst oder aber unbewusst besonders bedeutsam erscheinen und unsere Aufmerksamkeit erregen, können in das Kurzzeitgedächtnis übernommen werden. Das Kurzzeitgedächtnis (auch Arbeitsgedächtnis) kann Informationen wenige Minuten speichern. Vieles was wir in unserem Kurzzeitgedächtnis speichern, vergessen wir dann relativ schnell wieder. Einiges wird aber auch ins Langzeitgedächtnis übernommen. Regelmäßige Wiederholungen von dem neu gelernten bzw. den neuen Informationen bereiten übrigens auf die Übernahme ins Langzeitgedächtnis vor.
Im Langzeitgedächtnis wird alles "aufbewahrt", was vom sensorischen Gedächtnis und vom Kurzzeitgedächtnis hierhin übertragen wurde. Solche gespeicherten Informationen können wir im Idealfall unser Leben lang abrufen. Beim Langzeitgedächtnis trifft man die Unterscheidung zwischen dem expliziten Gedächtnis und dem impliziten Gedächtnis.
Das explizite Gedächtnis umfasst unser bewusstes Wissen, unsere bewussten Erinnerungen und Erlebnisse. Das heißt, dass wir diese Dinge jederzeit wiedergeben können. Das explizite Gedächtnis wird wiederum unterteilt in das semantische Gedächtnis, in dem wir unser Weltwissen und allgemeine Fakten speichern, und das episodische Gedächtnis, welches unsere persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse beherbergt.
Das implizite Gedächtnis wird auch als Verhaltensgedächtnis bezeichnet. Es bewahrt Inhalte auf, die uns Handlungen ermöglichen, ohne dass wir dafür unser Bewusstsein einschalten müssen. Wenn wir einmal den Ablauf dieser Dinge gelernt haben, können wir sie ausführen ohne großartig darüber nachzudenken. Wenn Sie zum Beispiel das Radfahren gelernt haben, könnten Sie jetzt auf ein Fahrrad steigen und losfahren, ohne dass sie ständig darüber nachdenken müssten wie Sie ihre Beine zu bewegen haben, damit das Rad fährt.
Aber warum vergessen wir bestimmte Dinge und behalten andere unser Leben lang? Zunächst einmal ist die Fähigkeit etwas vergessen zu können sehr wichtig. Denn wenn wir wirklich alle Informationen behalten würden, die uns im Laufe unseres Lebens so begegnen, wären unsere Gehirnkapazitäten sehr schnell erschöpft. Warum wir aber bestimmte Dinge vergessen und andere nicht, ist nicht geklärt. Es kann sein, dass Informationen quasi durch andere Informationen blockiert werden. So kann etwas was Sie jetzt neu lernen, dass was Sie früher einmal gelernt haben, stören. Besonders wenn sich Informationen sehr ähnlich sind passiert so was. Häufig vergessen wir Dinge aber auch bewusst. Angst, Schuldgefühle, erlebte Traumata können uns so sehr belasten, dass wir sie verdrängen. Die Inhalte sind dann zwar nicht "gelöscht", wir können aber momentan nicht darauf zu greifen.
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