Wohnen im Gewerbegebiet: Die Vor- und Nachteile

Das Gewerbegebiet ist eine von der Gemeinde ausgewiesene und speziell für Gewerbe erschlossene große Grundstücksfläche von mehreren Hektaren oder Quadratkilometern. Im Vordergrund stehen die Gewerbetreibenden und Unternehmer, während Wohnraum nur vereinzelt angeboten wird. Wohnen im Gewerbegebiet: Gibt es eine gleichberechtigte Vertretung, spricht man von einem Mischgebiet. Lesen Sie über die Möglichkeiten sowie die Vor- und Nachteile des Wohnens im Gewerbegebiet.

Wohneinheiten und Gewerbebetriebe - Wohnen im Mischgebiet

Gewerbegebiet - eine Definition

Besonders neu erschlossene Gewerbegebiete liegen räumlich am Rande der Stadt. Sie können auch deswegen als Gewerbegebiet ausgewiesen und deklariert werden, weil sie auf der buchstäblich grünen Wiese neu errichtet werden.

Die alteingesessenen Gewerbe mit Industrie und Produktion befinden sich in den heutigen Mischgebieten. Um die vorhandenen Gewerbe herum wurde im Laufe von Jahrzehnten Wohnraum geschaffen, was zu einer Mischung aus Wohnen und Gewerbe führt.

Mischgebiet: Voraussetzungen und Merkmale

Per Definition handelt es sich bei einem Mischgebiet um ein Baugebiet, welches Wohnungen sowie Gewerbebetriebe aufweist. Es gibt eine gleichberechtigte Vertretung, sodass die Nutzungsmischung das hauptsächliche Merkmal darstellt.

Auch wenn es Teilbereiche gibt, in denen eine Nutzungsart überwiegen mag, darf der optische Aspekt nicht überwiegen. Ebenso ist vorgegeben, dass das Wohnen durch die gewerblichen Betriebe nicht gestört werden darf.

Zulässige Nutzungsarten und Gebäude in Mischgebieten sind

  • Wohngebäude
  • Bürogebäude
  • Geschäftsgebäude
  • Einzelhandelsbetriebe
  • Beherbergungsbetriebe
  • Verwaltungsanlagen
  • Speisewirtschaften
  • Schankwirtschaften
  • Kultur-, Kirchen-, Gesundheits- und Sportanlagen
  • Gartenbaubetriebe
  • Tankstellen

In den Bereichen, in denen die gewerbliche Nutzung überwiegend vertreten ist, sind auch Vergnügungsstätten gestattet.

Der Gewerbepark

Eine andere Formulierung für Gewerbegebiet ist der Gewerbepark. Der zeichnet sich dadurch aus, dass das Gewerbegebiet räumlich ein- und abgegrenzt ist.

Es verfügt über eine, höchstens zwei Zufahrtsstraßen. Die äußeren Gewerbeflächen sind eingezäunt, und der Gewerbepark wird oft durch einen Sicherheitsdienst bewacht sowie kontrolliert.

In solchen Gewerbegebieten werden in aller Regel Wohnungen nur einzeln angeboten, nicht jedoch in Mehrfamilienhäusern.

Ob die Vor- oder Nachteile beim Wohnen im Gewerbegebiet überwiegen, steht im direkten Zusammenhang zur beruflichen und privaten Situation.

Vor- und Nachteile

Wer im Gewerbegebiet arbeitet und wohnt, der spart tagtäglich Zeit und Geld. Bedingt durch ihre räumliche Lage sind die Gewerbegebiete weder zu Fuß noch mit dem Fahrrad oder dem E-Bike erreichbar. Der Zeit- und Kostenaufwand für das tägliche Pendeln ist hoch.

Einer Familie mit schulpflichtigen Kindern ist mit dem Wohnen im Gewerbegebiet jedoch wenig geholfen. Für diese Familiensituation ist eine möglichst nahe Anbindung an die Infrastruktur mit Kita, Schule und allen Einkaufsmöglichkeiten unerlässlich.

Erholung oder Einsamkeit?

Während in der Wohnsiedlung oder in der Einliegerstraße abends und am Wochenende das rege Leben beginnt, ist das Gewerbegebiet ab freitags wie ausgestorben. Je nach seiner Lage einerseits und den gepflegten Rasen-, Frei- und Grünflächen andererseits kann das Gewerbegebiet in dieser Zeit zu einem Naherholungsgebiet werden.

Jeglicher Berufsverkehr entfällt, und privat sucht niemand das Gewerbegebiet auf. Der Bewohner im Gewerbegebiet ist für sich allein, andererseits aber auch auf sich alleine gestellt.

Die Erschließung mit ausgebauten Straßen, Kanalisation sowie mit Kommunikation wie schnellem VDSL-Internet ist im Gewerbegebiet garantiert. Das ist ein Service des Gewerbegebietsbetreibers, ohne den sich kein Gewerbe ansiedelt.

Verkehrsanbindungen

Das Wohnen im Gewerbegebiet hat den Vorteil einer zumeist erstklassigen Verkehrsanbindung an die nächstgelegene Bundesautobahn, Bundes- oder Schnellstraße. Werktags wird sie aus Berufsgründen nicht genutzt, und am Wochenende ist die Gefahr von Verkehrsstaus marginal.

Der Einkauf in der Stadt ist mit Hin- und Rückfahrt denkbar einfach. Umgekehrt sind solche Fahrten notwendig, weil es im Gewerbegebiet keine vergleichbaren Einkaufsmöglichkeiten gibt.

Wem das Miteinander in der Nachbarschaft inklusive einem Besuch der Eckkneipe wichtig ist, der kann beides nicht im Gewerbegebiet finden. Jedwede Geselligkeit wie Sport, Theater- oder Kinobesuch ist mit Zeitaufwand für die Hin- sowie Rückfahrt und somit auch mit zusätzlichen Kosten verbunden. Öffentliche Verkehrsmittel fahren weder abends noch am Wochenende, so dass ein eigener Pkw zwingend notwendig ist.

Geräusch- oder Geruchsbelästigung

Letztendlich ist auch mitentscheidend, um welche Gewerbe es sich handelt. Sind sie mit einer Geräusch- oder Geruchsbelästigung verbunden, und wird rund um die Uhr in zwei oder drei Schichten gearbeitet. Morgens fahren die ersten und spätabends die letzten LKWs durch das Gewerbegebiet, und oft gibt es zusätzlich noch einen Schienenanschluss für den Güterverkehr.

Fazit

Ein Wohnen im Gewerbegebiet lässt sich weder vorbehaltlos bejahen noch verneinen. Es kommt, wie in vielen anderen Lebenssituationen auch, auf den Einzelfall an. In den eigenen vier Wänden, also im Eigentum zu wohnen, sollte wohl überlegt sein - denn besonders in eine Gewerbegebiet ist nichts so beständig wie der Wandel.

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