10. Oktober 2011
Gerade erst waren sie wieder auf der YOU, Europas größter Jugendmesser, zu bestaunen: Junge Leute, die auf Küchenhocker änlichen Geräten akrobatische Kunststücke vorführten. Brauchte man dazu früher noch Skateboard oder BMX-Rad, tut es heute ein zweckentfremdetes Möbel. Hockern heißt die neue Trendsportart.
Natürlich tut es nicht der herkömmliche Hocker aus dem Möbelhaus um die Ecke. Das Gerät, welches man zum Hockern benötigt, gleicht einem bunten Plastik-Schemel und wurde als ernstzunehmendes Sportgerät von Stephan Landschütz entwickelt. Bis dahin wurde das Hockern als Kneipensportart mit Melkschemeln oder niedrigen Barhockern ausgeübt. Die Idee hatten drei junge Kieler, die sich durch Omas Melkschemel inspiriert fühlten, allerlei akrobatische Kunststückchen auszuprobieren. Da wurde der Schemel in die Luft geworfen, auf der Schulter balanciert oder sich um den Rücken gewickelt - Hauptsache, man kam danach wieder ordnungsgemäß zum Sitzen. Bald schon erfreute sich das Hockern im Kieler Umkreis solch einer großen Beliebtheit, dass richtiggehende Hockstarmeisterschaften ausgetragen wurden. An einer von ihnen nahm Stephan Landschütz teil - und gewann. Und da er praktischerweise gleichzeitig an seinem Industriedesign-Diplom arbeitete, war es gar keine Frage, dass seine Abschlussarbeit die "Sporthocker" zum Thema hatte. Diese Geräte, mit denen man auch jonglieren kann, sind mittlerweile patentiert.
Natürlich handelt es sich beim Hockern immer noch um eine Funsportart - doch gerade diese Sinnbefreitheit sei es, die sie so ansprechend mache, so ihre Befürworter. Dennoch spricht der Sporthocker die gesamte Muskulatur an - beispielsweise wenn es darum geht, den Körper in Balance zu halten. Nicht zuletzt ist diese Sportart noch so neu, dass der individuelle Sportler sie gewissermaßen täglich neu erfinden kann: Neue Bewegungen, neue Kunststücke.
Dank des Sporthockers soll nun nach Kiel auch Berlin von den Anhängern des Hockerns erobert werden - und sich dann im gesamten Land ausbreiten. In Berlin zumindest hat das Ladenlokal, in dem der Sporthocker erhältlich ist, seinen Stammsitz. Nicht nur wird hier auf den individuellen Kundenwunsch eingegangen, was das Design der Hocker betrifft - auch kann die Gewichtsklasse auf den Kunden abgestimmt werden. Zwischen 1,8 und 2,4 Kilogramm wiegt so ein Sporthocker, allein die Größe ist unveränderbar: 44 mal 32 Zentimeter.
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