Betreutes Wohnen für Senioren - Leistungen, Vorzüge und Formalitäten

Reife Frau, Seniorin, Rentnerin, graue kurze Haare, blaue Augen, sieht fröhlich in die Kamera, trägt schwarzes Oberteil

Der Weg zum Betreuten Wohnen für Senioren

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  • von Paradisi-Redaktion

Wenn die eigenen Kräfte und Fähigkeiten nicht mehr ausreichen, um den Alltag zu bewältigen, dann kann eine Form des Betreuten Wohnens für Senioren sinnvoll sein. Es richtet sich an ältere Menschen, die ihren Alltag in den eigenen vier Wänden zwar noch sehr gut alleine bewältigen können, die aber in gewissen Punkten auf Unterstützung angewiesen sind. Der Weg dorthin soll dank der 2008 in Kraft getretenen Pflegereform deutlich vereinfacht werden. Lesen Sie alles Wissenswerte zum Betreuten Wohnen für Senioren.

Betreutes Wohnen für Senioren: Möglichkeiten und Leistungen

Das so genannte Betreute Wohnen stellt inzwischen eine immer populärer werdende Lebensform für ältere Menschen dar. Die Gesellschaft hat sich gewandelt: Wo früher Senioren in der Großfamilie und meist an ihrem Heimatort integriert waren, leben heute Familien oft viele hundert oder tausend Kilometer auseinander. Die soziale Infrastruktur hat sich verändert, doch wie viel Hilfe benötigt ein älterer Mensch, und woher kann er sie bekommen?

Hier setzt das Betreute Wohnen an. Es setzt sich aus zwei Faktoren zusammen, welche erst gemeinsam den Kern dieses besonderen Konzepts ausmachen. Auf der einen Seite stehen Betreuung durch qualifiziertes Personal, auf der anderen Seite das Wohnen beispielsweise in einem Seniorenheim.

Ziel ist es, Seniorinnen und Senioren ein möglichst selbständiges Leben zu ermöglichen, sie aber gleichzeitig bei allen nötigen Anforderungen zu unterstützen. Dabei gibt es ganz verschiedene Einrichtungen, Residenzen und Heime, welche Betreutes Wohnen anbieten.

Standardleistungen

Wichtig ist, dass hier alle Standardleistungen erfüllt werden: Beratung und Unterstützung bei wichtigen Fragen, Ausfüllen von Anträgen und vielen weiteren Hürden des Alltags sind ein wichtiger Aspekt. Neben den genannten Aspekten zählen auch ganz handfeste Leistungen wie die Reinigung der Fensterscheiben von außen zum Mindeststandard des Betreuten Wohnens.

Sozialleben

Und auch der soziale Aspekt darf nicht zu kurz kommen: Qualifizierte Einrichtungen des Betreuten Wohnens fördern aktiv Kontakte zu Mitbewohnern und Nachbarn, beispielsweise auch durch gemeinsame Freizeitangebote und Veranstaltungen.

Leistungen, die selbst zu bezahlen sind

Darüber hinaus gibt es viele weitere Leistungen, welche jedoch nicht im Katalog der Pflegekasse enthalten sind. Diese müssen entsprechend selbst bezahlt werden. Hierzu gehören beispielsweise besonders umfassende Kulturangebote wie gemeinsame Opernbesuche oder Konzerte sowie weitere Extras, die je nach Seniorenstift angeboten werden.

Miete

Ebenfalls wichtig zu wissen: Die Mietkosten für die Wohnung zählen ebenfalls nicht zu den übernommenen Leistungen. Sollten die eigenen finanziellen Mittel nicht zur Deckung ausreichen, so kann ein entsprechender Antrag beim Sozialamt der Stadt gestellt werden. Die Hilfe und Beratung zum Ausfüllen entsprechender Anträge zählt, wie eingangs erwähnt, zu den selbstverständlichen Leistungen beim Betreuten Wohnen.

Hausarbeiten zu erledigen gehört zu den Standardleistungen
Hausarbeiten zu erledigen gehört zu den Standardleistungen

Mögliche Merkmale einer Einrichtung für Betreutes Wohnen

Die Ausführungen der unterschiedlichen Einrichtungen für Betreutes Wohnen können ganz unterschiedlich ausfallen. Beliebte Varianten sind eigene Wohnräume, die an bestimmte Gemeinschaftsräume angeschlossen sind. Zu den möglichen Merkmalen zählen dabei beispielsweise

  • die Erreichbarkeit der Etagen und Räume mit Aufzügen
  • bessere Orientierung durch klare Kennzeichnung von Wegen und Fluren
  • Therapeuten und Ärzte in unmittelbarer Nähe
  • gute Erreichbarkeit mit öffentlichem Personennahverkehr
  • große Gemeinschaftsküchen
  • Einzel- sowie Doppelzimmer
  • Garten für erholsame Stunden
  • Barrierefreiheit
  • Unterhaltungsprogramme
  • ein Hausnotruf-System
  • Begleit- oder Fahrdienste
  • bestimmte Serviceleistungen wie z.B. Wäsche, Reinigung etc.
  • Hausmeisterservice

Vor- und Nachteile

Beim Betreuten Wohnen können ältere Menschen auf unterschiedliche Dienstleistungen zurückgreifen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Weg ins Altersheim ist oft eine Einbahnstraße, und kann vermieden werden. Die Selbständigkeit und Selbstbestimmung älterer, vor allem geistig noch reger Menschen wird gewahrt.

Die Senioren bleiben länger gefordert und tragen weiterhin die Verantwortung für ihr eigenes Leben. So können sie ihren Alltag alleine oder zu zweit in der eigenen Wohnung genießen und ihre Privatsphäre wahren.

Der größte Nachteil des Betreuten Wohnens ist mit Sicherheit der doch recht hohe Kostenfaktor. Nach wie vor ist es nicht für Jedermann erschwinglich. Da diese Lebensform aber immer mehr zunehmen wird, werden sich hier mit der Zeit auch bessere Lösungen und Angebote entwickeln.

Eine gewisse Selbstbestimmung noch geistig fitter älterer Menschen wird gewahrt
Eine gewisse Selbstbestimmung noch geistig fitter älterer Menschen wird gewahrt

Vor- und Nachteile in unterschiedlichen Wohnsituationen

Wer im Alter auf Betreutes Wohnen setzen möchte, kann je nach Verfassung auch im eigenen Zuhause wohnen bleiben. Ob diese Variante oder das gemeinschaftliche Wohnen die bessere Wahl darstellt, muss individuell abgewogen werden - die folgenden Tabellen können mögliche Hilfestellung bieten.

Gemeinschaftliches Betreutes Wohnen

Wer die klassische Variante des Betreuten Wohnens wählt, sollte sich über folgende Vor- und Nachteile bewusst sein:

Vor- und Nachteile "Betreutes Wohnen"
VorteileNachteile
Bessere Wohnqualität durch
Barrierefreiheit
Erforderlicher Umzug
Tägliche Beratungs-, Informations-
und Betreuungsmöglichkeit
Beschränkte Altersgruppe
Großes ServiceangebotHöhere Geldausgaben
Organisierte HilfeleistungenWeiterer Umzug erforderlich,
wenn besondere Pflege
nötig wird
Gemeinsame Freizeitgestaltung
Betreutes Wohnen zuhause

Bleibt man in der eigenen Wohnung, sind damit folgende Vor- und Nachteile verbunden:

Vor- und Nachteile "Betreutes Wohnen zuhause"
VorteileNachteile
Wohnen im vertrauten UmfeldMöglicherweise fehlende Barrierefreiheit
Bestmögliche Erhaltung der
Selbstständigkeit
Abnehmende Mobilität und Vereinsamung
Verlässliche und vertraglich fixierte LeistungenKeine organisierten Freizeitangebote
Regelmäßige Besuche von
qualifiziertem Pflegepersonal
Keine Gemeinschaftsräume
Vermittlung von Hilfe, wenn nötigErforderlicher Umzug bei Pflegebedürftigkeit
Luxuriöse Angebote

Das Betreute Wohnen findet meist in speziellen, für Senioren geschaffenen Einrichtungen statt. Im höherpreisigen Segment handelt es sich dabei um gut ausgestattete Eigentumswohnungen, die in einer Wohneinheit gebündelt sind, in der sich auch die zentralen Dienstleister befinden.

Meist wird hier die Möglichkeit der Verpflegung und des gemeinsamen Essens angeboten, häufig finden sich in den Immobilien auch

  • Friseure
  • ein ärztlicher Notfalldienst und
  • ein Ansprechpartner für sonstige Fragen.

Sämtliche benötigten Dienstleistungen können nach Belieben angefordert werden.

Preiswertere Angebote

Doch Betreutes Wohnen gibt es auch in weniger luxuriösen Varianten. Die Ausstattung ist hier einfacher, meist müssen die Wohnbereiche gemietet werden. Manchmal handelt es sich dabei auch um einzelne Zimmer, und mehrere Bewohner teilen sich Küche und sanitäre Einrichtung, so dass eine Senioren-WG entsteht.

Beide Formen haben den Vorteil, dass ältere Menschen nicht vereinsamen. Hier wohnen sie Tür an Tür mit Personen ähnlichen Alters, die dieselben Fragen und Probleme haben. So lassen sich neue Freundschaften schließen und man kann sich auch gegenseitig aushelfen und unterstützen.

Wohngemeinschaft für Senioren – auch für Menschen mit Demenz vorteilhaft

Alternative Wohnformen für Senioren und Demenzerkrankte können eine gute Alternative zum Seniorenheim sein

Alte Frau sitzt auf Bett im Heim und lächelt in Kamera
Blickkontakt © Boris Franz - www.fotolia.de

Gut betreut im Alter: immer mehr Senioren wünschen sich eine Alternative zum Heim. Alternative Wohnformen wie Pflege-WGs können dabei auch für Menschen mit Demenz eine gute Lösung sein.

Bewohner bestimmen ihr Alltagsleben gemeinsam

Die Wohngemeinschaften sind klein und überschaubar, das Zusammenleben ähnelt einer Familie und bietet dadurch Sicherheit. Zudem können die Bewohner und ihre Angehörigen das Alltagsleben selbst mitbestimmen.

Trotz bürokratischer Hürden nimmt daher die Zahl an Wohn- und Pflegegemeinschaften für Senioren zu. In Schleswig-Holstein sind nach Angaben des sechsten Norddeutschen Wohn-Pflegetages etwa 20 neue Projekte in Planung, 47 existieren bereits. In Hamburg gibt es 52 Pflege-Wohngemeinschaften, Tendenz steigend.

Unterstützung und Gesellschaft

Interessant sind die WGs vor allem für Senioren, die keine klassische Pflege benötigen und gern in Gesellschaft sind. In der Wohngemeinschaft werden sie von ambulanten Diensten unterstützt und in ihrem normalen Tagesablauf begleitet.

So können die Bewohner ihren Alltag lange Zeit selbstbestimmt planen – die Hilfe greift nur da, wo die Bewohner an ihre psychischen oder körperlichen Grenzen kommen.

Betreutes Wohnen bedeutet nicht unbedingt seniorengerechtes Wohnen

Viele Senioreneinrichtungen schmücken sich selbst mit dem Zusatz "Betreutes Wohnen", doch das bedeutet nicht immer, dass die Einrichtungen auch seniorengerecht, geschweige denn barrierefrei sind, weiß Frau Kremer-Preiß vom KDA (Kuratorium Deutsche Altershilfe).

So kann es beispielsweise vorkommen, dass sich solche Einrichtungen als barrierefrei bezeichnen, aber über keinen Fahrstuhl verfügen. Bevor sich interessierte Senioren also für das betreute Wohnen entscheiden, sollten sie zuvor genau prüfen, ob die Einrichtung ihren persönlichen Bedürfnissen zusagt, damit es nach dem Umzug nicht zu bösen Überraschungen kommt.

Der Weg zum Betreuten Wohnen: Wichtige Formalitäten

Beim Betreuten Wohnen leben Senioren so eigenständig wie möglich, aber mit aller nötigen Unterstützung. Die Ausstattung kann dabei je nach Seniorenheim äußerst unterschiedlich ausfallen. Entsprechend variieren auch die Kosten für Betreutes Wohnen: Vom Mehrbettzimmer mit anderen Bewohnern bis zur eigenen Wohnung innerhalb eines Seniorenheims ist hier für verschiedene Ansprüche gesorgt.

Antrag bei der Pflegekasse

Als erster Schritt auf dem Weg zum Betreuten Wohnen muss zunächst ein entsprechender Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Antragsstellung ist nicht kompliziert - Nachweise müssen hier zunächst nicht eingereicht werden.

Einstufung in eine Pflegestufe

Stattdessen beurteilen Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes (MKD), welche Pflegestufe dem Antragsteller zugeordnet wird. Die Entscheidung für eine bestimmte Pflegestufe darf heute nicht länger als fünf Wochen dauern.

Nach Benachrichtigung über die Entscheidung besteht die Möglichkeit, gegebenenfalls Einspruch einzulegen. Übrigens: Wer sich bereits für einen Wohnplatz entschieden hat, der erhält hier auf Wunsch Hilfe bei der Antragsstellung.

Kosten

Die Einstufung in eine Pflegestufe ist verbunden mit finanziellen Zuwendungen, welche mit den Kosten beispielsweise für die Wohnung in einer betreuten Seniorenresidenz verrechnet werden. Dabei werden jedoch nicht alle anfallenden Kosten, sondern lediglich ein Teil hiervon übernommen.

Die Differenz kann beispielsweise mit der eigenen Rente abgedeckt werden. Auch hier gibt es zahlreiche Regelungen, unter Anderem über die Anrechnungsfähigkeit finanzieller Belastungen und Sonderausgaben.

Reichen die eigenen finanziellen Mittel nicht aus, um die Kosten für das Betreute Wohnen zu decken, hilft das Sozialamt der Stadt weiter. Hier kann gegebenenfalls eine Kostenübernahme beantragt werden.

Einrichtung suchen

Neben den bürokratischen Hürden gibt es auf dem Weg zum Betreuten Wohnen jedoch noch eine weitere: Die Suche nach einer passenden Einrichtung. Dabei ist es empfehlenswert, sich schon rechtzeitig Gedanken über die eigenen Wünsche und Vorstellung eines Seniorenheims zu machen.

Ebenso sinnvoll ist es, möglichst gemeinsam mit Kindern oder Enkelkindern verschiedene Einrichtungen zu besichtigen, sich mit Mitarbeitern und Bewohnern auszutauschen. Doch neben dem eigenen Geschmack kann selbstverständlich auch die Nähe zur Familie, zu ehemaligen Nachbarn oder Freunden entscheidend sein.

Und nicht immer ist sofort ein Platz in der gewünschten Einrichtung frei. Eventuell muss dann für einige Zeit auf eine ambulante Betreuung oder einen Wohnplatz in einem anderen Seniorenheim zurückgegriffen werden.

Grundinfos und Tipps zu Betreutem Wohnen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Charmante ältere Frau © tbel - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Great day for laundry © Tomasz Trojanowski - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: woman at home © aletia2011 - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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