9. November 2011
Das Internet lässt die Welt näher zusammenrücken, verbreitet Nachrichten binnen Sekundenbruchteilen über den ganzen Globus und ermöglicht es, sie mit anderen zu teilen. Dies führt allerdings auch dazu, dass sich in aller Herren Länder merkwürdige Trends verbreiten.
Steif wie ein Brett liegen sie, das Gesicht nach unten, mit angelegten Armen auf dem Bauch - und am liebsten an den ungewöhnlichsten Orten. Weder Klettergerüste noch Geländer, Bücherregale oder Treppen sind vor ihnen sicher. Nur eins haben die Anhänger des Planking gemeinsam: Es ist immer ein Freund mit einer Kamera dabei. Manchmal tut's auch der Selbstauslöser. Das Wichtigste ist, dass die skurrile Aktion so schnell wie möglich fotografisch festgehalten und ins Web gestellt wird. Die Verbreitung über soziale Netzwerke und Online-Plattformen läuft dann meist schon wie von allein.
Wer lässt sich so etwas nur einfallen? Nun, "erfunden" haben den Trend angeblich einige Jugendliche aus England, als sie im Jahr 1997 begannen, das "Lying Down Game" zu spielen. Hier ging es darum, irritierte Blicke von den Passanten in der Stadt zu ernten, indem sie sich an den ungewöhnlichsten Orten einfach auf den Bauch legten. Im Jahr 2007 veröffentlichten die Jungs um Gary Clarkson und Christian Langdon erstmals ihre ungewöhnlichen Liege-Fotos auf Facebook. Die Idee boomte: Immer mehr Fans weltweit begannen, sich flach auf Stuhllehnen oder ins Geäst von Bäumen zu legen, um das zu fotografieren. Die Orte wurden immer gewagter. Ein großes Medienecho gab es, als im Mai 2011 ein junger Australier tödlich verunglückte, der sich im betrunkenen Zustand beim Planking auf einem Balkongeländer versuchte. Neben einigen Kritikern hat durch den Zwischenfall das Planking allerdings überwiegend weitere Anhänger gewonnen.
Einige Planking-Versionen kann man sich in diesem Video ansehen:
Das Schicksal eines jeden Trends ist, dass er eines Tages zu langweilig wird. So ließen neue Ideen nicht lange auf sich warten. Eine sehr bekannte Technik ist beispielsweise das Owling. Sie erfordert auch weniger Körperspannung: Der "Owler" hockt wie eine Eule an einem Ort, an dem er möglichst deplatziert aussieht. Sei es auf dem Drucker im Büro, einem Hydranten oder einer Laterne.
Etwas akrobatischer geht es beim Batmanning zu: Das kann man sich vorstellen wie Planking in der Senkrechten. Als echte Fledermaus hängt man sich kopfüber von einem Ort herunter und hält sich dabei lediglich mit den Füßen fest. Die Arme liegen am Körper, der Kopf baumelt nach unten. Beliebte Orte dafür sind Zäune, geöffnete Türen, Rohre und Gardinenstangen. Bevor man allerdings "Batman" spielt, sollte man vorher sicher gehen, das Verletzungsrisiko möglichst klein zu halten.
Noch viel dynamischer ist ein weiterer Trend, der allerdings eine möglichst undynamische Wirkung zum Ziel hat: Leisure Diving. Der Trick hierbei ist, von einem erhöhten Ort ins Wasser zu springen und dabei eine betont entspannte Haltung einzunehmen, als würde man gerade gemütlich liegen oder sitzen. Fotografiert wird, während der Springer noch in der Luft ist. Im Idealfall sieht das Bild am Ende aus wie eine merkwürdige Fotomontage.
Jede Zeit hat ihre Besonderheiten - so ist es auch mit dem Owling, Planking und Leisure Diving. Ermöglicht und befeuert werden diese Trends durch das Zeitalter der sozialen Netzwerke, in denen man sich als Teil des Ganzen fühlen kann, wenn man auf einer verrückten Welle mitsurft, das publik macht und die Begeisterung der anderen weiter antreibt. Ein Bild überbietet das andere. Die Gruppen, die sich dabei im Netz zusammenfinden, sind weltweit verstreut und deutlich heterogener als die übliche Clique von Jugendlichen. Dennoch ist das Ganze auch ein scherzhafter Protest gegen die Normen des Alltags: Wer liegt schon auf einem Gehweg, kauert auf einem Straßenschild oder hängt kopfüber von einer Regenrinne?
Inzwischen hat sich für diese Art Online-Trends, die Einzug in die reale Welt halten, der Begriff Selfing eingebürgert. Und ein Ende der Kreativität ist nicht in Sicht: Auch Horsemanning, Scalettjohanssoning und viele andere Arten von Foto- und Videodarstellungen der eigenen Person haben sich inzwischen über das Internet verbreitet und erobern immer mehr Fans. Ein wenig ist es wie mit den Kettenbriefen, Hermannkuchen und anderen Phänomenen der Zeit - die einen sind genervt, die anderen restlos begeistert.
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