20. Mai 2011
Von Marco Stephan
Ein Blick, ein Kuss - und schon ist die Liebe des Lebens besiegelt. So oder so ähnlich kann man den Handlungsverlauf vieler Liebesfilme beschreiben. Im wahren Leben geht es aber häufig nicht ganz so schnell und nicht immer ist sofort klar, wer eigentlich wen und warum liebt. Liebe ist kompliziert. Und das sollten auch romantische Filme sein, wenn sie die knisternde Chemie zwischen zwei Menschen nicht auf eine Karikatur reduzieren wollen.

Wir stellen Ihnen zwei Filme hervor, die Sie beim nächsten Filmabend mit Schnuckiputz unbedingt sehen sollten.
Die Handlung, die "Blue Valentine" zum absoluten Überraschungshit des letzten Jahres hat werden lassen, ist denkbar einfach wie genial. Wir als Zuschauer werden Zeuge, wie sich zwei Menschen verlieben und einige Jahre später am Ende jener Liebe stehen, die sie zusammen gebracht hat. Der Film springt in seiner Erzählweise zwischen beiden Perspektiven hin und her. Als Zuschauer sind wir mal am charmanten Anfang der Beziehung und im nächsten Moment sehen wir sie am Abgrund stehen. Was in den Jahren dazwischen geschehen ist, bleibt uns verborgen. Doch das macht den Reiz dieses Filmes aus, der die Biographie einer Liebe beschreibt, wie sie alltäglicher nicht sein könnte. Die Eigenschaften, die wir an unseren Partner heute schätzen, sind vielleicht eben jene, die uns morgen Nerven kosten.
In "Blue Valentine" trifft Cindy (gespielt von Heath Ledgers Witwe Michelle Williams) auf Dean (Ryan Gosling). Sie findet in seinen Armen die Zuflucht und Nähe, die sie in einer von häuslicher Gewalt geprägten vorigen Beziehung nicht fand. Insbesondere seine verspielte Art und Spontanität scheint Cindy in den Bann zu ziehen. Doch sechs Jahre später stellt sich die Spontanität als Unreife und Verantwortungslosigkeit heraus. Während Cindy schwer an ihrer Karriere arbeitet und das Familienleben organisiert, sind Deans Ambitionen auf Kettenrauchen, Bier trinken und gelegentliches Arbeiten als Hausanstreicher begrenzt.
Der Film wurde von den Kritiken hoch gelobt, weil Michelle Williams und Ryan Gosling das scheiternde Liebespaar in einer herrlich depressiven Natürlichkeit spielen.
Die Romantikkomödie mit Ashton Kutcher und Natalie Portman ist nicht ganz so sehr mit Lorbeeren bedacht worden wie "Blue Valentine". Dennoch ist der Film um Bindungsängste mehr als sehenswert. Darstellerin Natalie Portman kann zwar hier nach ihrer Oscar-gekrönten Rolle in "Black Swan" nicht ihr Talent vollkommen zeigen, dafür spielt Kutcher, der ja in leichten Komödien zu Hause ist, seinen Charakter mit zuverlässigem Charme.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen Emma und Adam, deren Lebenswege sich von Anfang an mehrfach kreuzen. Im Erwachsenenalter vertreibt das gegenseitige körperliche Verlangen die anfängliche Abneigung. Aber Emma will sich nicht binden und von Beziehungsstress verschont bleiben. Und so wird Adam ein "Freund mit Privilegien". Und genau hierin liegt der Clou des Films, bringt er doch ein Phänomen auf die Leinwand, das sich immer mehr in unsere Gesellschaft einbürgert. Man muss allerdings kein Wahrsager sein, um absehen zu können, dass dieser Film den typischen Kutcher-Muster treu bleibt und auf ein Happy-End zusteuert.
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