19. August 2010
Es ist heute schwerlich vorstellbar, dass man als erwachsener Mensch in eine Bar geht und einem der Ausschank von Alkohol verweigert wird. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg war das jedoch zumindest in den Vereinigten Staaten Gang und Gebe. Durch eine Prohibition war es den Bürgern offiziell verboten, Alkohol auszuschenken und zu konsumieren. Aus diesem Grund entwickelte sich eine neue Art von Lokal: die Milchbar war geboren.
Obwohl kein Alkohol mehr verkauft wurde, wollten die Menschen natürlich nicht auf das gesellige Beieinandersitzen verzichten. Daher behalfen sich die Betreiber der Milchbars mit Softdrinks und natürlich Milkshakes. Diese Getränke waren zwar weniger gesellschaftsfähig als alkoholische Cocktails, man konnte damit jedoch zumindest die Leute hinter dem Ofen hervorlocken.
Richtig beliebt wurden die Milchbars jedoch erst, als sich die Betreiber einige Tricks einfallen ließen, um den Alkohol unter dem Deckmantel eines Softdrinks an den Gast zu bringen.
So entstand beispielsweise der berühmte Long Island Icetea. Vor den Ordnungshütern präsentierte man den doch recht starken Drink als harmlosen Eistee.
Ähnlich verfuhr man auch mit der Russischen Schokolade. Hier versteckte man den Rum einfach unter einer dicken Sahnehaube.
In der ehemaligen DDR war der Ausschank von Alkohol zwar erlaubt, die Milchbars blieben hier jedoch wegen eines anderes Grundes trotzdem alkoholfrei. Grund dafür war, dass die Betreiber eine ganz neue Zielgruppe für sich entdeckt hatten. Jugendliche hatten in der DDR nämlich nicht die Berechtigung dazu, sich in Kneipen und Tavernen aufzuhalten. Draußen herumlungern konnten sie jedoch auch nicht, da sie hier ständig von der Polizei verjagt wurden.
Den Betreibern der Milchbars erschloss sich damit ein riesiges Kundenfeld an Jugendlichen, die allein dankbar dafür waren, einen Ort zu haben, an dem sie sich abends unbehelligt aufhalten konnten.
Auch heute gibt es noch Cafés und Kneipen, die den klangvollen Titel "Milchbar" tragen. Allerdings handelt es sich dabei im seltensten Fall um eine Milchbar im eigentlichen Sinn. Ein Lokal, das keinen Alkohol ausschenkt, hat heute kaum noch Chancen auf einen großen Kundenkreis, weshalb die meisten Milchbars nicht nur nicht nur Softdrinks, sondern auch Cocktails und natürlich Bier anbieten. Dazu kommt meist eine kleine Speisekarte mit verschiedenen Snacks.
Diskos und Kneipen mit dem Namen "Milchbar" gibt es unter anderem in Berlin, Leipzig und München.
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