Das Ende einer lebendigen Liebe bedeutet nicht immer das Aus für eine Beziehung. Eine Beziehung definiert sich durch mehr als Liebe: Auch aus heutiger emanzipierter Sicht stellen die Punkte der Versorgung, dem Aufbau eines angenehmen Lebensstils, dem Vertrauen zum Partner und der Wunsch nach Beständigkeit wesentliche Kriterien dar, sich nicht ohne weiteres einer Beziehung zu entbinden.
Die Liebe zu einem anderen Menschen kann sich schnell mit dem Wunsch verbinden die nächsten Jahre mit dem Menschen zusammenleben zu wollen. Am Anfang der Liebe sieht die Welt noch rosarot aus und viele Eigenheiten des anderen werden angenommen, übersehen, versucht zu hinterfragen, um sie besser verstehen und annehmen zu können. Mit der Zeit verdunkelt sich das rosarote Empfinden in ein tiefes Rot und beide Partner empfinden eine starke und unerschütterliche Liebe füreinander.
In dieser Phase beginnen beide Partner oft mit dem Anmerken, dass bestimmte Eigenheiten des anderen eine Belastung für einen darstellen. Es entstehen Wünsche an den Partner, ob dieser daran arbeiten kann, bestimmte Eigenheiten nicht auszuleben. Wenn dem Partner die Eigenart nicht bewusst ist und er nicht daran festhält, dann besteht die Chance relativ schnell eine Veränderung erzielen zu können.
Mit der Zeit entwickeln sich Beziehungsmuster, die darauf fußen, dass man um die Eigenarten des Partners weiß und sich immer wieder kehrenden Anspielungen nicht erwehren kann. Achtet man nicht auf die Beziehung, auf das Wachsen und Leben der Liebe oder entwickeln sich die Persönlichkeiten und Interessen der Partner auseinander, kann sich das Band der Liebe immer mehr lockern.
Treten keine gravierenden Streitigkeiten in der Beziehung auf und gibt es auch sonst keine Regelverletzung oder Grenzüberschreitung, fällt es schwer die Beziehung so zu hinterfragen, dass man sich motiviert diese aus eigener Kraft zu verlassen. Selten befindet man sich in einer Beziehung, in der man sich rundum wohl fühlt. Es gibt immer etwas zu verändern und zu verbessern.
Und doch gibt es auch nüchterne Erkenntnisse, die man im Laufe der Partnerschaft über sich selbst oder über die eigene Partnerschaft macht: Man ist anders als gedacht – oder innerlich und in jüngeren Jahren gehofft und gefühlt - und die Partnerschaft ist einfacher und unspektakulärer als in den eigenen Träumen gewünscht.
Es ist nicht zu vergessen, dass eine Partnerschaft vom Ideenreichtum und dem jeweiligen Leben der Partner lebt und Lebendigkeit und Kräfte schöpft. Kaum eine andere Verbindung zwischen zwei Menschen ist so entfaltungsstark wie die Beziehung zwischen zwei Menschen. Meist fällt der Aufbau einer Beziehung dem Alltag zugrunde, so dass man sich in der Beziehung leicht in die Gefahr begibt, sich entsprechend der Anforderungen von außen zu entwickeln als seinen eigenen Ideen eine Form und ein Leben zu geben.
Der Alltag ist kräftezehrend genug und die Dankbarkeit einer Beziehung liegt nicht selten in der Einfachheit und Klarheit des unbeschwerten Zusammenlebens. Aus diesen Gründen ist es nicht immer die Liebe, die eine Beziehung weiterlaufen lässt, sondern vielmehr die Bequemlichkeit sich mit dem, was funktioniert zu arrangieren und keine bessere Besetzung seines Wunschpartners zu finden.
Der Trugschluss ist zudem, dass nicht immer das Glück in einer neuen Beziehung zu finden ist. Wenn man nicht begreift, woran eine Beziehung erkrankt und welchen Eigenanteil man daran trägt, dann können die Probleme in der nächsten Beziehung wie ein Boomerang wiederaufleben.
Je länger man in einer Beziehung ist, desto schwerer kann es werden sich daraus zu lösen, wenn die Basisthemen funktionieren und man sich dazu bringt genügsam zu sein und sich glücklich zu schätzen mit dem, was man hat.
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