Die Ehe retten - Möglichkeiten, eine drohende Scheidung zu verhindern

Junge Frau hält Kiste in der Hand, Umzug

Wie man eine Ehe vielleicht doch noch retten kann - in einigen Fällen lohnt es sich, für die Partnerschaft zu kämpfen und eine Scheidung zu vermeiden

Was vor dem Standesamt oder dem kirchlichen Altar zusammengefügt wurde, soll eigentlich erst durch den Tod getrennt werden. Immer öfter wird aber die Scheidung eingereicht. Für die Partner sowie deren Kinder bedeutet der Schritt einen langwierigen und nervzehrenden Prozess. Es lohnt sich also, nach Alternativen zu schauen und die Scheidung vielleicht sogar zu vermeiden.

Das gemeinsame Gespräch suchen

Oft beginnt der Prozess der Trennung, dessen erbitterter Abschluss zumeist in der Scheidung zu sehen ist, weitgehend schleichend und somit unbemerkt. Beide Ehepartner leben sich auseinander.

Es wird weniger Zeit gemeinsam verbracht, die Unterhaltungen am Abend fallen dürftiger aus – man hat sich nichts mehr zu sagen. Gerade in solchen Phasen ist es aber ratsam, dennoch das Gespräch anzuregen und die kleinen oder großen Missstände auszuräumen.

Vielleicht gibt es konkrete Vorwürfe gegen einen der Betroffenen, eventuell lässt sich die Ehe auch mit etwas Hilfe wieder ins Lot bringen. Nicht zuletzt ein Familientherapeut dürfte dafür der geeignete Ansprechpartner sein.

Dem Partner zuhören

Bei so einem Gespräch kommt es neben dem Loswerden seiner Sorgen besonders auch darauf an, dem Partner zuzuhören und ihn nicht zu unterbrechen, wenn er gerade spricht. Nur wer aufmerksam zuhört, kann zumindest versuchen zu verstehen, welche Meinung der andere zu einem bestimmten Thema hat. Zudem ist es hilfreich, ihm direkte Fragen zu stellen, die sich darauf beziehen, wie man ihn zufriedener und glücklicher machen kann.

Das Paar sollte sich regelmässig Zeit nehmen um Gespräche zu führen
Das Paar sollte sich regelmässig Zeit nehmen um Gespräche zu führen

Flexibel sein

Wer es mit Kommunikation versucht, sollte darauf achten, nicht stur auf seinen Ansichten und Wünschen zu verharren. Stattdessen sollte man mit dem Partner zusammenarbeiten und hier und da auch Kompromisse eingehen; dies gilt natürlich für beide Seiten. Es gibt immer Themen geben, bei denen man sich nicht einigen wird.

Manche Dinge muss man auch einfach auf sich beruhen lassen. Wichtige Entscheidungen und Themen hingegen sind es wert, dass man um sie kämpft. Hier muss man stets abwegen, was bedeutend ist und womit man sich hingegen wiederum unnötig stresst.

Positive Einstellung

Wie schwer es auch sein mag - wichtig ist eine positive Einstellung, auch wenn man sich gerade in einer problematischen Phase befindet. Es kann helfen, sich an die Anfangszeiten der Beziehung zu erinnern, an die Zuversicht und die Lebensfreude, in die sich der andere so verliebt hat.

Erwartet man hingegen ständig den nächsten Krach, wird man genau darauf auch empfänglicher und reagiert zudem entweder heftiger oder resignierter. In beiden Fällen tut man der Ehe keinen Gefallen. Schon kleine Veränderungen im Umgang mit dem Partner können helfen, und positive Erkenntnisse sollten unbedingt mit ihm geteilt werden.

Sind Scheidungen vorhersehbar?

Junges Paar beim Streit, sie guckt genervt, er redet auf sie ein
Angry Couple © Jason Stitt - www.fotolia.de

Ist eine Ehe und deren Trennung von vornherein prognostizierbar? Dieser Frage ist der Scheidungsforscher Michael Wagner von der Universität Köln nachgegangen.

Er verglich 42 Ehe-Studien, indem er sie auf Elternschaft, Alter zum Zeitpunkt der Heirat, Konfession und Berufstätigkeit der Frau beleuchtete. Diese Faktoren gelten laut Wagner als gefährliche Merkmale für eine Ehe. Allerdings wird dieses Modell angezweifelt, unter anderem von Wolfgang Lutz, Psychologe an der Universität Trier: "Unsere Simulationsstudien ergaben eine Rate richtiger Scheidungsvorhersagen zwischen 20 und 40 Prozent."

Der Kommunikationsstil sei eher ausschlaggebend, so Lutz. Außerdem sollten die Paare die selben Moralvorstellungen teilen.

Den Partner akzeptieren

Apropos Kompromisse - nicht alles, was der Partner sagt oder tut, wird einem stets gefallen. Jeder Mensch hat seine Eigenarten und zumindest die meisten davon dürften bereits bei der Hochzeit bekannt sein. Um das Miteinander also so angenehm wie möglich zu machen, ist es hilfreich zu versuchen, den Partner zu akzeptieren - man wird sich schließlich auch dasselbe von ihm wünschen.

  • Vergleiche mit anderen Menschen sollten unterlassen werden
  • Man sollte sich auf die guten Eigenschaften des Partners konzentrieren
  • Hin und wieder ist es hilfreich, sich in den anderen hineinzuversetzen, um ihn zu verstehen
  • Nicht nur der Partner allein sollte das eigene Leben erfüllen - auch das Umfeld gehört dazu: man sollte also sich selbst akzeptieren und an möglichen Problemen im Umfeld arbeiten

Die Trennung auf Probe

Lässt sich in enger Übereinkunft keine Lösung finden, so ist eine zeitlich begrenzte räumliche Trennung oft in der Lage, die Gräben zwischen beiden Seiten zu schließen. Ein Leben für mehrere Wochen ohne den eigentlich doch geliebten Partner führt nicht selten zusammen, was die Routine des Alltags fast getrennt hätte. Somit muss in diesen Fällen auch keine Scheidung angestrebt werden.

Was die Betroffenen wirklich tief in ihrem Herzen fühlen und wünschen, lässt sich daher durch solche Maßnahmen häufig besser ans Licht befördern. Allerdings kann am Ende des Prozesses auch die Bestätigung stehen, dass sich die Ehe eben doch nicht mehr reparieren lässt und beide Partner ohne ihren Gegenüber glücklicher leben.

Wie das Ergebnis der Probetrennung auch verlaufen mag - hat das Paar Kinder, müssen sie behutsam auf diese neue Situation vorbereitet werden. Sie müssen wissen, dass sie trotz der Probleme, die das Paar untereinader hat, geliebt werden und keine Schuld an dieser Lage haben.

Mitunter ist es auch sinnvoll, mit den Lehrern der Kinder zu sprechen. In einigen Fällen kommt es zu heftigen Reaktionen, die sich auch im Schulalltag zeigen können. So gut es geht, sollte der Nachwuchs seine geregelten Abläufe weiterführen können.

Scheidungsgipfel bei vielen Ehen nach dem Urlaub

Grafik gelbes Schild mit Sonne und "Urlaub" darauf unter blauem Himmel
auf in den Urlaub © DeVIce - www.fotolia.de

„Nach dem Urlaub kommt es zu den meisten Trennungen“, sagt Reinhold Schmitz-Schretzmair, Diplom-Psychologe aus Köln in der Gesundheitszeitschrift Apotheken Umschau.

Studien zeigen, dass Paare im Alltag nur wenige Minuten pro Tag miteinander reden. Im Urlaub erleben sie dann das extreme Gegenteil: Sie haben rund um die Uhr Zeit füreinander. Unterschwellige Konflikte, die zu Hause an den Rand gedrängt worden waren, werden deutlich.

Der Psychologe empfiehlt deshalb, dass Paare und Familien ihren Urlaub so planen, dass nicht noch zusätzliche Konflikte hinzukommen. Diese entstehen etwa dadurch, dass einer sich beim Urlaubsziel durchgesetzt hat oder dass über die Unterkunft und die möglichen Aktivitäten am Urlaubsort keine Einigkeit besteht. Wer wochenlang auf noch engerem Raum als zu Hause zusammenlebt, muss auch viel stärker zum Kompromiss bereit sein.

Immer mehr Scheidungen im höheren Alter

Zwei Senioren oder älteres Ehepaar von hinten in Sportdress im Park beim Nordic Walking mit Stöcken
nordic walking © Otmar Smit - www.fotolia.de

Seit 1975 hat sich die Zahl der Ehen, die nach der Silberhochzeit noch geschieden werden, verdoppelt, berichtet das Apothekenmagazin Senioren Ratgeber. Die Liebe der Alten rostet immer häufiger: Die Zahl der über 60-Jährigen, die sich von ihrem Partner trotz Eheversprechen getrennt haben, hat sich von 1992 bis 2000 sogar verdreifacht.

Beziehungstherapeuten sehen aber bei älteren Paaren auch gute Chancen, eine kriselnde Ehe wieder flott zu machen. „Es gibt viel mehr Verbindendes als bei jüngeren Paaren“ hat Dr. Corinna Adler, Psychologin an der psychosomatischen Tagesklinik für ältere Menschen am Klinikum Nürnberg bei ihrer Arbeit erfahren.

Viele Ratsuchende müssten nur wieder darauf aufmerksam gemacht werden. Beziehungstherapeut Dr. Michael Vogt aus Essen berichtet von dem ältesten Paar – er 89, sie 84 Jahre alt -, das er beraten hat. Mit Erfolg, ist er sich sicher: „Die Resonanz nach einem halben Jahr war ausgesprochen positiv.“

In diesen deutschen Städten herrschen die höchsten Scheidungsraten

Stempel aus Holz mit der Aufschrift Scheidung
Stempel Scheidung © bilderbox - www.fotolia.de

Traurig aber wahr: Laut statistischen Angaben wird in Deutschland heutzutage jede zweite Ehe geschieden. Doch wo in der Bundesrepublik gibt es die höchsten Scheidungsraten? Dieser Frage ist auch die Zeitschrift Men´s Health nachgegangen und hat mit Hilfe statistischer Daten eine Liste der 25 Städte mit den höchsten Scheidungsraten in Deutschland aufgestellt. Hier also die Platzierungen:

  1. Platz 1: Aachen
  2. Platz 2: Osnabrück
  3. Platz 3: Mönchengladbach
  4. Platz 4: Leverkusen
  5. Platz 5: Oldenburg
  6. Platz 6: Krefeld
  7. Platz 7: Halle(Saale)
  8. Platz 8: Oberhausen
  9. Platz 9: Bonn
  10. Platz 10: Mülheim (Ruhr)
  11. Platz 11: Düsseldorf
  12. Platz 12: Solingen
  13. Platz 13: Kiel
  14. Platz 14: Braunschweig
  15. Platz 15: Hamm (Westfalen)
  16. Platz 16: Dortmund
  17. Platz 17: Wuppertal
  18. PLatz 18: Essen
  19. Platz 19: Lübeck
  20. Platz 20: Gelsenkirchen
  21. Platz 21: Nürnberg
  22. Platz 22: Hagen
  23. Platz 23: Herne
  24. Platz 24: Hamburg
  25. Platz 25: Bremen

Hohes Einkommen von Frauen begünstigt in vielen Fällen eine Scheidung

Richterhammer auf Euro-Geldscheinen
Judge gavel and euro banknotes © yurchello108 - www.fotolia.de

Von wegen Frauen lassen sich von ihren Männern aushalten! Ganz im Gegenteil - vor allem Frauen, die mit ihrem Einkommen im oberen Lohnsektor angesiedelt sind, trennen sich wesentlich häufiger von ihrem Partner als diejenigen, die verhältnismäßig wenig verdienen. Dieses Verhalten lässt sich in erster Linie dadurch erklären, dass die betreffenden Frauen dank ihres Einkommens eher in der Lage sind, sich unabhängig vom Verdienst des Mannes eine eigene Existenz aufzubauen und ihren Lebensunterhalt selbständig zu verdienen. Außerdem wird dies auch durch den beschädigten Stolz der Männer begünstigt, scheint es doch in einem solchen Fall so, als ob sie nicht in der Lage sind, ihre Familie als Alleinverdiener zu ernähren.

Diese Männer verlassen ihre Frauen häufig aus Scham und der Angst, als Versager dazustehen. Nach Meinung von Experten gilt eine Einkommensverteilung von 60 zu 40 zwischen Mann und Frau als optimal.

Töchter erhöhen das Scheidungsrisiko

Kleines Mädchen in Mitte, wird an den Seiten von Vater und Mutter an den Händen genommen
...no, she's mine... © Tomasz Trojanowski - www.fotolia.de

So niedlich sich viele Paare eine kleine Tochter auch vorstellen mögen - laut einer neuen amerikanischen Studie scheint weiblicher Nachwuchs das Scheidungsrisiko bei den Eltern deutlich zu erhöhen. Es steigt in Ehen mit Töchtern auf zehn Prozent. Ehepaare mit Söhnen halten viel eher zusammen.

Ein weiteres erstaunliches Ergebnis: selbst alleinstehende Schwangere finden viel eher einen Partner, wenn sie einen Jungen erwarten. Auch geschiedene Mütter von Töchtern finden seltener einen neuen Partner als solche von Söhnen, wie Wissenschaftler der University of California bei der Analyse der Daten von drei Millionen Erwachsenen herausfanden.

Eine richtige Erklärung haben die Forscher bislang nicht. Es können lediglich Vermutungen angestellt werden. So ist es möglich, dass Mütter von Töchtern mehr Selbstvertrauen haben und so in einer schlechten Ehe eher die Scheidung einreichen. Auch stehen sie ihren Töchtern nach einer Scheidung meist so nahe, dass sie nicht das Gefühl haben, einen neuen Mann in ihrem Leben zu brauchen.

Für jüngere Paare ist eine Scheidung schmerzhafter

Junges Paar auf Couch, er sitzt vorne nachdenklich, sie von ihm abgewandt weint
conflict © Adam Borkowski - www.fotolia.de

Bislang ist man davon ausgegangen, dass eine Scheidung für junge Paare schneller und einfacher zu verkraften ist, als bei älteren Geschiedenen. Scheidungen bei jungen Paaren sind weitaus häufiger, man könnte annehmen, dass es ihnen leichter fällt, sich danach umzuorientieren. Doch wie eine Studie der Michigan State University gezeigt hat, erlebt die jüngere Generation die Trennung schmerzhafter.

Für die Studie untersuchte Leiterin Hui "Cathy" Liu 1.282 Probanden über einen Zeitraum von 15 Jahren. Sie fand heraus, dass ältere Menschen einen leichteren Umgang mit dem Stress einer Scheidung hätten. Den Grund dafür sieht sie darin, dass sie meist bereits eine längere Beziehung hinter sich haben und oftmals unter dem Druck stehen, diese zu erhalten. Die schließliche Scheidung könnte für Ältere als Art Befreiung empfunden werden.

Kinderstress ist der häufigste Scheidungsgrund

Junges Paar sitzt auf Couch, davor ihr Baby auf allen Vieren
Couple in living room with baby smiling © Monkey Business - www.fotolia.de

Nach Ansichten des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer ist die Geburt eines gemeinsamen Kindes der häufigste Scheidungsgrund einer jungen Ehe. In etwa jeder dritten Paarbeziehung gehe mit dem Stress, den das Elternwerden mit sich bringe, die erotische Anziehung verloren, was zur Erosion der affektiven Bindung führe.

Schuld seien aber in erster Linie die hoffnungslos überzogenen Erwartungen, die junge Paare an das Familienleben hätten. Diese seien oft romantisch verklärt und unerfüllbar. Die Realität stelle dann einen extremen Kontrast dazu dar, der als Schock erlebt werde. Laut Schmidbauer erwarteten werdende Eltern oft, dass das Baby sie glücklich mache, und rieben sich darin auf, das Optimale für das Kind zu erreichen.

Dieser Perfektionismus lasse sich einfach nicht auf Dauer durchhalten.

Das verflixte siebte Jahr: Die meisten Ehen scheitern nach sechs Jahren

Junges Paar auf einer Couch, sie sitzt von ihm abgewendet und starrt bedrückt auf einen Ring in ihrer Hand
Couple going through a rough patch © auremar - www.fotolia.de

Statistiker beweisen, dass das "verflixte siebte Jahr" nicht nur ein Klischee ist: Tatsächlich wurden im letzten Jahr die meisten Scheidungen bei Ehen im siebten Jahr ausgesprochen, insgesamt 10.243 Stück. Dies war schon vor zehn Jahren der Fall gewesen.

Ein Trost: Vor zwanzig Jahren wurden die meisten Ehen im fünften Jahr geschieden und der allgemeine Durchschnitt beträgt 14,5 Jahre.

Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Scheidungen im ersten Jahr: Waren es vor zwanzig Jahren noch 158 Ehen, die nicht einmal ein einziges Jahr durchhielten, waren es vor zehn Jahren 67 Ehen und heute nur noch 42 Ehen. Ob die Menschen heute mehr nachdenken, ehe sie eine Ehe eingehen, lässt sich aus nackten Statistiken nicht ablesen.

Insgesamt wurden im Jahr 2011 fast 188.000 Ehen in Deutschland geschieden. Bei den meisten Scheidungen scheint es sich um einen wohlüberlegten Schritt zu handeln: 82% der geschiedenen Paare leben schon mindestens ein Jahr lang getrennt.

Wenig hoffnungsfroh stimmt eine weitere Statistik: Insgesamt scheitert jede dritte Ehe irgendwann.

Das Ende einer Langzeitehe

Erwachsenes Paar sitzt lächelnd auf der Couch und blättert in einer Zeitschrift
Couple relaxing with a magazine and smiling © Monkey Business - www.fotolia.de

Gibt es die ewige Liebe? Wenn man ein älteres Paar zusammen sieht, könnte man glatt davon ausgehen. Fakt ist, dass die Anzahl der Scheidungen von Langzeitehen ansteigt, oftmals erst im Rentenalter.

Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Art. In vielen Fällen stellen sich die Partner selbst die Frage, ob sie auch noch weitere 20 oder 25 Jahre mit diesem Menschen zusammen bleiben möchten und alles bis ans Lebensende so weitergehen soll. Experten sprechen zudem von der Entfremdung; die Paare im höheren Alter haben sich irgendwann nichts mehr zu sagen und leben einfach so vor sich hin; von einem wirklichen Zusammenleben ist dabei nicht die Rede.

Nach außen hin haben sie möglicherweise immer das perfekte Paar dargestellt und somit ist so eine Trennung nach vielen Jahren auch für den Freundes- und Verwandtenkreis ein großer Schock. Nur, weil man schon so lange zusammen ist, sollte man eine Beziehung jedoch nicht weiterführen, wenn die Gefühle nicht mehr stimmen.

Über den Schlüssel zur langen, glücklichen Beziehung stellen seit geraumer Zeit auch die Neurowissenschaftler Forschungen auf. In einem Punkt sind sie sich jedoch schon sicher: eine Beziehung kann langfristig nur gelingen, wenn man miteinander kommuniziert und über seine Gefühle, Wünsche und Probleme miteinander spricht.

Scheidungen im Freundes- und Bekanntenkreis stecken an

Sechs lachende Freunde in festlicher Kleidung stoßen mit Glas Sekt an
Happy people © pressmaster - www.fotolia.de

Menschen sind sehr sozial und lassen sich in ihren Entscheidungen und ihrem Verhalten sehr stark von ihrem Umfeld beeinflussen. Das trifft offenbar auch auf Scheidungen zu, wie Wissenschaftler der Brown University in Rhode Island nun herausgefunden haben.

Sie analysierten die Daten einer Langzeitstudie, die über zwei Generationen lief und stellten fest, dass Scheidungen im engen Freundeskreis das Risiko, sich selbst von seinem Partner scheiden zu lassen, um 75% erhöhen. Handelt es sich um eine Scheidung im Bekanntenkreis wird das eigene Scheidungsrisiko um 33% erhöht.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass Scheidungen nicht nur auf eigene Freunde und Bekannte ansteckend wirken, sondern auch auf deren Freudeskreis, selbst wenn die Freundesfreunde das Scheidungspaar gar nicht kennen. Hat man jedoch Kinder, sinkt das eigene Scheidungsrisiko wieder. Auch funktionierende Ehen im Freundes- und Bekanntenkreis würden das steigende Scheidungsrisiko ausbalancieren, so die Wissenschaftler.

Wieso sich immer mehr Paare im hohen Alter trennen

Stempel aus Holz mit der Aufschrift Scheidung
Stempel Scheidung © bilderbox - www.fotolia.de

Für Kinder und mitunter auch schon Enkelkinder ist es ein Schock, wenn sich die (Groß-) Eltern, die Jahrzehnte miteinander verbracht haben, plötzlich im hohen Alter scheiden lassen oder auch ohne offizielle Scheidung zumindest fortan getrennte Wege gehen. Eine 2013 veröffentlichte Statistik zeigt, dass bereits ein Viertel aller Scheidungen von Menschen über 50 gewünscht wird.

Scheidung nicht mehr Ausnahme, sondern gesellschaftlich anerkannt

Doch woran liegt´s, dass Paare nicht mehr bis an ihren Lebensabend zusammen bleiben? Für die steigende Scheidungstatistik spielen sicherlich mehrere Gründe eine Rolle. Zum einen sind Scheidungen heute weder finanziell noch moralisch ein Beinbruch. Man kann es also auch durchaus positiv sehen, denn Menschen, die früher vielleicht unglücklich mit ihrem Partner zusammen geblieben wären, können heute leichter ihren eigenen Gefühlen und Wünschen folgen. Das macht letztendlich beide Partner freier.

Gleichzeitig ist aber natürlich auch ein Nachahmungseffekt nicht auszuschließen. denn wenn die Scheidung nicht mehr als absolute Ausnahme gilt, sondern als eine von vielen Möglichkeiten, dann wird sie auch leichter in Betracht gezogen.

Gemeinsame Verträge, Renten- und Versorgungsansprüche

Längst nicht immer ist die Scheidung übrigens für beide Seiten tatsächlich zufriedenstellend, denn wer jahrzehntelang gemeinsam Buch geführt hat, der kann jetzt vor eine echte finanzielle Herausforderung gestellt werden. Gemeinsame Verträge, Renten- und Versorgungsansprüche stehen hier zur Debatte. Deshalb gilt, auch, wenn die Emotionen hoch her gehen, sollte man sich möglichst sachlich mit seinem Partner, seiner Partnerin einigen. Ein gemeinsamer Anwalt oder Mediator kann helfen, alle nötigen Angelegenheiten gütlich zu klären.

Seltsame Statistik - Führt das Bekommen von Töchtern eher zu einer Scheidung?

Schwangere Frau im Geschäft hält ein paar pinke Babysocken und eine Hand auf ihrem Babybauch
pregnant woman with baby socks at clothing store © Syda Productions - www.fotolia.de

Schon mehrfach haben Studien gezeigt, dass Paare mit Söhnen sich seltener scheiden lassen als Paare mit Töchtern. Daraus haben Forscher logisch abgeleitet, dass das Geschlecht demnach einen Einfluss auf die Rate der Scheidungen hat. Bisher konnte man diesen Zusammenhang aber nicht richtig erklären.

Suche nach Erklärungen für das Phänomen

Kulturwissenschaftler und Psychologen gingen davon aus, dass es eventuell einen psychologischen Grund gibt. In den Köpfen mancher Männer sind weibliche Kinder weniger wert, als männliche Nachkommen. Eine unschöne Ehe wird daher für den Sohn eher aufrechterhalten, damit dieser entsprechend erzogen werden kann. Diese Erklärung mag in manchen Fällen durchaus zutreffen, doch es gibt offenbar noch eine andere und rein biologische Erklärung.

Eine Studie aus den USA besah sich die Daten von Paaren der Jahre 1979 bis 2010. Man konnte dabei auch nachvollziehen, ob Söhne oder Töchter vorhanden waren und welche Ehe geschieden wurde. Es zeigte sich zunächst wieder, was man schon als statistische Besonderheit kannte, die Ehen mit Töchtern gingen vermehrt in die Brüche.

Weibliche Föten haben mehr Widerstandskraft

Doch da man die Teilnehmer auch vor dem Beziehungsaus und vor der Geburt des Kindes interviewte, fiel etwas Neues auf. Berichteten die Paare von vielen Konflikten, brachten die Frauen vermehrt Mädchen zur Welt. Daraus schließen die Forscher, dass die weiblichen Föten mehr Widerstandskraft mitbringen. Trotz seelischem Stress der Schwangeren, der sich nachweislich auch auf die Entwicklung eines Ungeborenen auswirken kann, konnten weibliche Embryonen sich entwickeln, männliche dagegen seltener.

Es ist bereits bekannt, dass das "schwache Geschlecht" biologisch gesehen das Stärkere ist, denn auch im Kindesalter ist die Sterblichkeit männlicher Kinder höher. Da weibliche Ungeborene den ungesunden Stress der werdenden Mutter eher überleben, werden sie statistisch eher in eine problematische Ehe hinein geboren. Diese Ehen gehen dann auch eher in die Brüche als andere Beziehungen und das erklärt die seltsame Statistik.

Laut Statistik werden weniger Ehen geschieden

Zwei Paar nackte Füße schauen unter einer weißen Decke hervor
happy feet © Tomasz Trojanowski - www.fotolia.de

Eine erfreuliche Nachricht: In Deutschland wird zwar immer noch jede dritte Ehe geschieden, aber insgesamt betrachtet sinkt einem Bericht des Statistischen Bundesamtes zufolge die Scheidungsrate. So wurden in 2012 mit rund 179.000 Ehen noch 5,2% mehr der Ehen geschieden als im vergangenen Jahr.

Die meisten Ehen halten laut Statistik 14 Jahre und 8 Monate. Eine Zahl, die noch vor 20 Jahren deutlich darunter lag, denn damals hielten die meisten Ehen etwas mehr als 11 Jahre.

Zukünftige Prognose

Viele gescheiterte Ehen hinterlassen Scheidungskinder, die vom Bundesamt mit 136.000 im Jahr 2013 verzeichnet wurden. Ungebrochen ist hingegen die Tatsache, dass ausgehend von den Frauen fast jede zweite Ehe durch die Stellung eines Scheidungsantrags ihr Ende findet.

Nach Ansicht der Statistiker könnten in den kommenden 25 Jahren zudem durchschnittlich 36% aller Ehen vor dem Scheidungsrichter enden.

Trennung bedeutet nicht gleich Scheidung

Lässt sich das Verhältnis beider Partner nicht mehr verbessern, kommt es im Regelfall zur Trennung. Individuelle Wohnungen, keine oder nur noch geringe gemeinsame Momente und die Frage, wer sich nun eigentlich um welche Rechte und Pflichten zu bemühen hat, folgen daraus.

Gerade in juristischer Hinsicht ist es oft empfehlenswert, zumindest die Scheidung zu vermeiden. Durch sie müssten nämlich etwaige Zahlungen in die Rentenkasse neu bewertet werden.

Auch das Sorgerecht für die Kinder stünde dann auf dem Prüfstand. Trotz der räumlichen Trennung kann es sich in einigen Fällen daher lohnen, den Bund der Ehe zumindest auf dem Papier fortbestehen zu lassen.

Mit Vernunft agieren

Allerdings ist die Scheidung immer dann unumgänglich, wenn ein neuer Lebensabschnitt betreten werden soll. Insofern kann der Schlussstrich unter der Ehe meist zwar hinausgezögert, aber nur selten tatsächlich verhindert werden.

Ab einem bestimmten Punkt ist es beiden Partnern anzuraten, den Fall möglichst rational zu betrachten und die Emotionen weitgehend aus dem Spiel zu lassen. Die eigenen Rechte kann nämlich nur wahren, wer die besten Argumente dafür vorbringt.

Ebenso wird eine Ehe, in der einer der beiden Betroffenen die Scheidung durchzusetzen wünscht, nicht zu halten sein. Zwar gäbe es die Möglichkeit, zumindest den rechtlichen Zuspruch dafür zu verneinen – nach spätestens drei Jahren kann das Gericht das Ende des Ehebundes aber dennoch anordnen.

Der nutzlose Widerspruch

Grundsätzlich muss der Betroffene nicht in den Scheidungswunsch seines Partners einwilligen. Er kann seine Zustimmung zu dem Vorhaben verweigern.

Allerdings sind die Erfolgsaussichten gering. Einerseits wäre das Gericht, das den Fall in seinem ganzen Umfang verhandelt, früher oder später rechtlich befugt, den einst geschlossenen Bund auch ohne Zustimmung einer der beiden Parteien zu trennen.

Andererseits wächst im Verlauf des Prozesses, der sich nicht selten über mehrere Monate hinstreckt, aber auch der psychologische Druck auf jene Person, die ihre Einwilligung verweigert. In der ohnehin aussichtslosen Lage kommt es daher nicht selten zu einem Wandel – dem Begehr wird stattgegeben, die Scheidung kann vollzogen werden.

Mag die Möglichkeit des Widerspruchs theoretisch also bestehen, so ist sie faktisch doch eher zweifelhaft. Nicht immer hält eben ein Leben lang, was der Standesbeamte geeint hat.

Indonesien will mit Ehekursen gegen die Scheidungsrate angehen

Trauriges Paar mittleren Alters sitzt händchenhaltend bei einem Psychologen auf der Couch
Sad couple © pressmaster - www.fotolia.de

Das eine Ehe nicht nur eitel Sonnenschein ist, sondern auch Rechte und Pflichten beinhaltet, soll nun heiratswilligen Paaren in Indonesien durch einen Kurs näher gebracht werden.

Ziel ist es, die Scheidungsrate zu senken. Die indonesische Regierung sieht eine der Hauptbelastungen an der Polygamiemöglichkeit der indonesischen Muslime, denen die Religion erlaubt, bis zu fünf Frauen zu ehelichen.

Nachdem die Paare einen eintägigen Ehekurs besucht haben, wird ihnen eine Zertifikat ausgestellt, mit dem sie belegen können, an solch einem Kurs teilgenommen zu haben.

Indien: Reisepaket "Scheidungs-Tourismus" kann die Ehe retten

"Versöhnungsreise" soll zerstrittenen Ehepartnern helfen ihre Ehe zu kitten

In Zeiten der Krise muss man erfinderisch sein. Diese geschäftliche Umsatzsteigerung hat nun ein indischer Reiseveranstalter aus der Idee des "Scheidungs-Tourismus" entwickelt. Aufgrund der Umsatzeinbrüche durch die Weltwirtschaftskrise und vergangene Anschläge in Mumbai, sind die ausländischen Reisenden ebenso rar als auch die Buchungen der Landsleute selbst.

Besonderes Konzept für Scheidungswillige

Um hier nicht nur die Buchungen zu steigern, sondern gleichzeitig auch noch was Gutes zu tun, bietet der Reiseveranstalter nun zerstrittenen Ehepaaren ab 500 Euro eine Reise an, die zu einer Versöhnung und somit dem Erhalt der Ehe dienen soll. Das besondere an diesen Reisen ist es, dass die Paare da gemeinsam Urlaub machen können, wo kaum Leute und keine Verwandten sind, sowie viel Zeit und Raum für eine neue Romantik bleibt. Damit es denn auch Hand und Fuß hat, werden die Scheidungswilligen Pärchen direkt vor Ort von einem Therapeuten begleitet.

Die Scheidungsanwälte und Paartherapeuten halten diesen "Scheidungs-Tourismus" für eine gute Idee, denn obwohl Indien zu den Ländern mit der geringsten Scheidungsrate zählen, sind auch dort immer mehr Scheidungen zu verzeichnen.

Grundinformationen und Hinweise zur Scheidung

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: Attractive woman with box making a removal © Katarzyna Leszczynska - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: young couple in their kitchen © Yuri Arcurs - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema