13. Oktober 2009
Im modernen Verständnis und Sprachgebrauch bezeichnet die Platonische Liebe eine enge Verbindung zwischen zwei Menschen, die aber frei von erotischem Begehren ist. Eine platonische Beziehung kann zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen zwei Männern oder zwei Frauen entstehen, selbst dann, wenn einer oder beide Beteiligte bereits in anderen Beziehungen gebunden sind. Die Platonische Liebe gründet auf einer Art Seelenverwandtschaft. Doch wenn man sich schon so gut versteht, da liegt doch der Verdacht nahe, dass aus der Platonischen Liebe mehr werden könnte?
Was tun? Am einfachsten ist es natürlich, wenn beide Beteiligte spüren, dass sich die Beziehung weiter entwickelt und mehr daraus wird. Im Sinne des Namensgebers Platon würde dies übrigens einen Rückschritt bedeuten, denn seiner Ansicht nach hat die Platonische Liebe alles sexuelle Begehren bereits hinter sich gelassen und als unwesentlich eingestuft. Aber für die meisten Menschen gilt das platonisch göttliche Prinzip nun einmal nicht.
Wenn eine Liebe aus einer zuvor Platonischen Liebe oder Beziehung erwächst, dann hat sie meist sehr gute Chancen auf Beständigkeit, da sich beide Partner vorher bereits gut kennen und sich gegenseitig zu schätzen wissen. Eine Gefühlsverwirrung aufgrund rein optischer Reize oder visueller Fehlinformationen kann also nahezu ausgeschlossen werden. Auch vermeintliche gesellschaftliche Schranken - wie zum Beispiel ein sehr großer Altersunterschied - können durch das platonische Verhältnis zu Beginn gut überwunden werden.
Ungünstig ist es natürlich, wenn die Partner der Platonischen Liebe für eine erotisch motivierte Liebe nicht wirklich frei, sondern bereits anderweitig gebunden sind. Doch selbst dann hat die Platonische Liebe nur eine Chance zur Weiterentwicklung, wenn sie stärker als die bestehenden Bindungen ist oder diese bereits nicht mehr gut funktionieren. Einer harmonischen Beziehung oder Ehe kann eine Platonische Beziehung zu einer dritten Person im allgemeinen nichts anhaben.
Ist man bereits lange auf platonische Weise befreundet, so kann es mitunter gar nicht so einfach sein, dem Partner seine sich verändernden Gefühle einzugestehen. Man kennt sich bereits so gut, dass die sonstigen typischen Eroberungsspielchen und -schachzüge lächerlich wirken würden. Am besten offenbart man sich also so gut es möglich ist und hofft darauf, dass es dem Partner ähnlich ergeht und sich auch bei ihm etwas Neues entwickelt hat.
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