2. Mai 2011
Von Marco Stephan
Am Anfang war das Wort. So hat es Goethe zumindest in Faust niedergeschrieben. Und Faust ist Drama pur. Genauso wie die Liebe. Und genauso wie literarische Dramen durch das geschriebene Wort ihr Leben eingehaucht bekommen, scheint auch eine romantische Verbindung durch verewigten Lettern dauerhaft aufzuleben. Eine Studie hat nämlich jüngst gezeigt, dass das Schreiben von Liebesbriefen zu einer festeren und harmonischeren Beziehung führen kann.
Dabei scheint es egal zu sein, ob die Bekundungen von Zärtlichkeiten mit Tinte auf Papier oder digital auf dem Display gebracht werden. Was zählt ist das Wort, sagen die Autoren der Studie, und nicht, wie die Botschaft überbracht wurde. Warum Liebesbriefe eine Beziehung verbessern können, liegt wohl an zwei Gründen: Zum einen hilft die gedankliche Distanz dabei, Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die man der besseren Hälfte von Angesicht zu Angesicht nicht zu gestehen wagen würde. Zum anderen ist ein Liebesbrief auch etwas für die Ewigkeit. Ähnlich wie ein Foto ist ein zu Papier gebrachter Liebesschwur etwas, das man aufhebt und als Erinnerungsstück immer wieder zur Hand nimmt. Es ist ein sehr intimes und persönliches Andenken, das an eine bestimmte Phase der Beziehung erinnert.
Der Hollywood-Star Ashton Kutscher geht sogar soweit zu behaupten, dass er in einem romantischen Post-It mehr Wert sieht als in teuren Juwelen. Ob das seine Ehefrau Demi Moore auch so sieht, steht auf einem anderen Blatt. Wie dem auch sei, fest steht, dass Liebesbriefe keineswegs aus der Mode geraten sind.
Ihr erstes romantisches Schriftstück muss kein seitenlanger Brief mit kunstvoll geschwungener Handschrift und graziler Seitenverzierung sein, in den Sie Ihrer besseren Hälfte die ewige Liebe bei dem Grabe Ihrer Urahnen schwören. Ein kleiner Zettel tut es auch. Wenn Sie sich musisch nicht auf der talentierten Seite sehen, schreiben Sie Ihrem Honigkuchenpferd einfach ein kleines Dankeschön. Zum Beispiel dafür, dass sie Ihre Hose von der Schneiderei abgeholt hat oder dafür, dass Hamsterbacke auf ihren Wagen die Sommerreifen aufgezogen hat. Es gibt immer etwas, für das man sich beim Partner bedanken kann. Selbst wenn Sie das regelmäßig verbal tun, kann die schriftliche Form nachhaltiger wahrgenommen werden und bleibt länger im Gedächtnis haften.
Auf kaum eine andere Art und Weise kann man den Partner so neckisch und romantisch zu einer intimen körperlichen Begegnung bewegen, wie durch simplen Schriftverkehr. Beginnen Sie damit, im Laufe des Tages zweideutige SMS an ihren Schnuppelhasen zu senden. Wenn ihr Partner darauf reagiert, können Sie eindeutigere und mitunter deftigere Vokabeln verwenden. Den Höhepunkt ihrer schriftlichen Kommunikation könnte eine Klebenotiz an der Innenseite der Wohnungstür sein, die nur ein mit Lippenstift gemaltes Herz und einen Pfeil Richtung Schlafzimmer enthält.
Psychologen sind sich einig, dass sich viele Menschen in Schriftform über ihre intimen Gelüste offener austauschen, als in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Neckische Notizen und SMS müssen also nicht nur als spielerischer Zeitvertreib angesehen werden, sondern können durchaus zu einem offeneren und verständnissvolleren Liebesleben führen.
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