2. Oktober 2009
Mal ehrlich: Wann haben Sie zuletzt einen persönlichen und sogar mit der Hand geschriebenen Brief erhalten oder selbst versendet? In Zeiten von eMail und günstigen Telefontarifen ist das bei den meisten Menschen sehr lange her. Ein handgeschriebener Brief zählt heute zu den echten Raritäten und wird leider von vielen Menschen bereits belächelt. Die früher übliche Form der Brieffreundschaft gehört längst der Vergangenheit an. Doch Brieffreundschaften haben durchaus ihre Vorteile:
Egal ob Sie von Hand schreiben oder per eMail, den Empfänger erreicht Ihre Nachricht dann, wenn er das möchte. Ganz im Unterschied zum Telefon, das ja häufig zum unpassenden Zeitpunkt klingelt. Wenn wir jemanden anrufen, dann können wir vorher nicht wissen, ob er in der Stimmung für ein längeres Gespräch ist. Unseren Brief aber kann er dann lesen, wenn er Zeit und Muße dafür hat. So gehen die Bemühungen eines Briefeschreibers niemals ins Leere.
In einem Brief kann man sich manchmal mehr öffnen als in einem Gespräch, da man durch die Antworten des Gesprächspartners nicht unterbrochen oder abgelenkt wird. Vielen Menschen fällt es auch leichter, ihren Gefühlen schriftlich Ausdruck zu verleihen als mündlich. So kann die Kommunikation über Briefe eine ganz andere Qualität annehmen als ein Gespräch. Viele Brieffreundschaften berühmter Menschen, deren Schriftverkehr erhalten blieb, beweisen das.
Gerade wenn man sich nicht so häufig sehen kann, so bietet die Brieffreundschaft eine ideale Möglichkeit, konstant miteinander in Kontakt zu bleiben. Eine Brieffreundschaft hilft auch dabei, Sprachbarrieren zu überbrücken. Sind beide Partner der Sprache des jeweils anderen nur bruchstückhaft mächtig, so können sie sich mit dem Verständnis eines Briefes mehr Zeit lassen als mit dem des gesprochenen Worts. So kann man die Sprache des anderen nach und nach erlernen.
Eine Brieffreundschaft ist etwas ganz Besonderes. Es ist nicht einfach, den richtigen Briefpartner für eine gut funktionierende Brieffreundschaft zu finden, aber wenn man ihn einmal gefunden hat, dann hält die Verbindung meist über viele Jahre, wenn nicht ein ganzes Leben. Die Gefahr, dass man sich in einer Brieffreundschaft streitet, ist übrigens viel geringer als im tatsächlichen Leben. Denn das geschriebene Wort wird in der Regel mit Bedacht gewählt, und man kann nicht im Affekt über irgendwelche eigentlich unwichtigen Themen in Streit geraten. Eigenheiten und Angewohnheiten, die einen im richtigen Leben an einem Gesprächspartner stören würden, nimmt man über die Brieffreundschaft meist gar nicht wahr.
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