Ist Ihr Partner eine zu starke Belastung für Sie? - Gehen oder bleiben?

Vorne dunkelhaariger junger Mann in Hemd mit traurigem Blick, hinten blonde junge Frau mit erwartungsvollem Blick

Woran Sie einen kontrollsüchtigen Partner erkennen können, was sonst noch eine Beziehung belasten kann und wann es besser ist, einen Schlussstrich zu ziehen

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  • von Paradisi-Redaktion

Beziehungen können streckenweise sehr anstrengend werden oder sich zu regelrechten Problemherden entwickeln. Empfindet man seinen Partner als eine zu starke Belastung, stellt sich die Frage, ob man gehen oder bleiben soll. Betrachten Sie Ihre Beziehung näher – erkennen Sie Ihren Anteil an den positiven und negativen Seiten und erkennen Sie vor allem, welche Beziehungsmuster auch auf Seiten Ihres Partners vorherrschend sind.

Eine Beziehung ist dann eine gute Beziehung, wenn Sie Fragen nach qualitativen Verbesserungen Stand hält und sich einer der Partner oder beide mit dem Verlauf der Beziehung auseinandersetzen. In vielen Beziehungen leben Menschen, die sich ein Hinterfragen der Beziehung nicht zutrauen und in festen Beziehungsmustern stecken, die sie klein und angreifbar machen.

Ungleichgewichte in der Beziehung

Nicht jede Beziehung kann gleichermaßen beiden Partnern gut tun, wenn es ein Ungleichgewicht zwischen den Partnern gibt und nicht ab und zu an der Beziehung gearbeitet wird. Problematisch wird es dann, wenn sich dauerhaft ein Ungleichgewicht zwischen den Partnern einstellt und es schwer fällt, die Muster zu erkennen oder zu brechen. Folgende Fragen können helfen, sich bewusst zu machen, ob Ihnen die Beziehung gut tut oder nicht.

  • Haben Sie einen Partner, der Ihnen oft eine Szene macht, wenn Sie zu spät nach Hause kommen?

  • Haben Sie einen Partner, der Ihnen hinterher telefoniert?

  • Haben Sie einen Partner, der verärgert oder eingeschnappt reagiert, wenn Sie mit Freunden den Abend verbringen wollen?

Dann liegt es nahe, dass Ihr Partner Sie kontrollieren möchte und sich nur dann Ihrer Liebe und Ihrer Zuneigung sicher fühlt, wenn er genau weiß, was Sie tun und Sie im Griff hat. Doch nicht nur Kontrollsucht schadet einer Beziehung. Ebenso belastend für die Beziehung ist es, wenn

  • der Partner einen schwächt, statt zu stärken
  • man Angst hat, dem Partner etwas anzuvertrauen oder generell ein mögliches Problem mit ihm zu besprechen
  • man sich gegenseitig nicht respektiert, sondern lieber aneinander rächt
  • man einen Fehler nicht einsehen und sich somit nicht entschuldigen kann
  • der Partner einen bewusst bloß stellt
  • der Partner verspricht, sich zu ändern, und man anfängt, darauf zu warten, ohne, das etwas passiert
  • man sich in seinem Partner verliert und dafür geliebte Hobbys, Interessen und Co. aufgibt
  • man sich häufiger unglücklich, als glücklich fühlt
  • der Partner versucht, einen von seinen ursprünglichen Zielen und Träumen abzubringen

Unterdrückte Gefühle und Wünsche

Wenn ihr Partner ihre Post oder SMS liest liegt es nahe dass er unter Kontrollsucht leidet
Wenn ihr Partner ihre Post oder SMS liest liegt es nahe dass er unter Kontrollsucht leidet

In Sachen Kontrollsucht: Mit der Zeit werden Sie auf diese Reaktionen Ihres Partners eingehen und sich schlecht fühlen, wenn Sie einen Abend ohne Ihren Partner verbringen wollen, dabei ist überhaupt nichts Schlechtes daran. Verspüren Sie Angst, wenn Sie daran denken Ihren Partner durch ein bestimmtes Thema oder eine Aussage von Ihnen zu verärgern und wütend zu machen, so dass er Sie in der direkten Konsequenz beleidigt und klein macht?

Dann machen Sie sich mit jeder sich wiederholenden Szene bewusst, dass diese Form der Beziehung nicht gesund für Sie ist. Das Verhalten Ihres Partners ist darauf zurückzuführen, dass er Sie einschüchtern möchte und die dominante Rolle auf diese Weise deutlich macht und übernehmen kann.

Dabei muss das nicht bedeuten, dass Sie Ihren Partner die dominante Rolle durch eine Anmerkung beispielsweise streitig gemacht haben. Vielmehr geht es darum, dass Sie Ihrem Partner gegenüber etwas gesagt oder getan haben, das Ihm missfällt und weswegen er in der Folge seine Missbilligung deutlich macht.

Privatsphäre missachten

Kümmert sich Ihr Partner in ausreichendem Maße um Sie als Partner oder überschreitet er mit seiner Besorgnis eine Ihrer Grenzen und verletzt damit Ihre Privatsphäre?

Es ist eine Sache, wenn sich Ihr Partner um Sie sorgt, eine andere, wenn er immer wissen will, was Sie tun, wo Sie sind, mit wem Sie unterwegs sind, ob Sie durchgängig erreichbar sind und wann Sie wieder zu Hause sein werden. Sie sind in keiner Anstalt und es handelt sich bei Ihrem Partner um keine erziehungsberechtigte Person, die auf Sie achten muss. Beenden Sie ein solches Verhalten, indem Sie dieses nicht länger annehmen und stattdessen die Beziehung in Frage stellen und sich im nächstbesten Moment aus der Beziehung lösen.

Übertriebene Zuwendung

Versucht Ihr Partner Sie vom Zusammensein mit Ihren Liebsten abzuhalten? Sind Sie davon abhängig, dass Ihr Partner in Ihrer Nähe ist, weil er sich, wenn alles harmonisch zwischen Ihnen beiden läuft Ihnen sehr zugewandt und liebenswert gegenüber ist?

Sehen Sie hinter die Fassade und erkennen Sie, dass Ihr Partner - ob nun bewusst oder unbewusst - daran arbeitet, dass Sie allein Ihm zugewandt sind und ohne seine Zuwendungen nicht mehr auskommen können. Behalten Sie sich nahe Freundschaften auch neben einer Beziehung, um nie in die Abhängigkeit Ihres Partners zu gelangen.

Die Kontrollsucht des einen Partners kann den anderen fast erdrücken
Die Kontrollsucht des einen Partners kann den anderen fast erdrücken

Gehen oder bleiben?

Wenn die Beziehung zur Belastung wird, stellt man sich irgendwann die Frage - zumindest sollte man es in vielen Fällen - ob es nicht besser wäre, die Beziehung zu beenden. Wird die Partnerschaft zur andauernden Zerreißprobe, kann dies irgendwann auch auf die Gesundheit schlagen; sich ständig mit einem Menschen zu umgeben, der einem offensichtlich nicht gut tut, ist definitiv der falsche Weg, so sehr man diesen Menschen auch liebt.

Wenn man einmal in Ruhe über die Partnerschaft nachdenkt und zu dem Schluss kommt, das eine Trennung die einzige Lösung wäre, aus dieser belastenden Situation zu gelangen, ist es sinnvoll, sich zuerst zu fragen, wo der Ursprung für die Beziehungsprobleme liegt. Kommunikationsprobleme stellen die häufigste Ursache für Unstimmigkeiten, die mit der Zeit zu solch belastenden Problemem führen können.

Beziehungsforschern zufolge sollten tägliche Gespräche mit dem Partner jedoch nicht nur aus Kritik bestehen - ein positiver Austausch sollte fünf mal so häufig stattfinden. Hierbei kommt es besonders in längjährigen Beziehungen darauf an, seinem Partner die Wertschätzung entgegen zu bringen, die ihm zusteht und ihn sowie das, was er für einen tut, nicht als selbstverständlich anzusehen.

Überwiegt hierbei jedoch das Schlechte, sollte es einem leicht fallen, die Beziehung zu beenden. Die Frage, was nach einer möglichen Trennung geschieht, Stichwort Wohnungssuche, ein evtl. neuer Freundeskreis usw. sollte nicht der ausschlaggebende Grund dafür sein, die Partnerschaft fortzuführen. Hier muss man genau abschätzen, was der wirkliche Auslöser dafür ist, dass man die Beziehung (noch) nicht beenden möchte.

Möchte man wirklich an dieser arbeiten, ist in vielen Fällen auch eine Paartherapie eine gute Lösung. Hier kann man sich zunächst auch für sich alleine Unterstützung holen und später auch den Partner mit einbeziehen - vorausgesetzt natürlich, es ist auch sein Wunsch. Während viele Menschen eine Trennung fürchten und diese so weit wie möglich von sich fernhalten, gehen andere auch zu voreilig diesen radikalen Schritt und flüchten somit einfach vor bestehenden Problemen - in den meisten Fällen jedoch lohnt es sich, etwas Zeit, Mühe und Geduld in die Beziehung zu stecken.

Ob und wie man die Beziehung weiterführen möchte, liegt ganz bei dem Betroffenen allein; diese Entscheidung kann einem niemand abnehmen. Die Belastung zu ertragen und immer unglücklicher zu werden, ist aber definitiv der falsche Weg.

Die menschliche Gabe des Selbstbetrugs: Warum so viele Menschen an ihre Beziehungen festhalten

Blonde junge Frau guckt traurig zur Seite, hinter ihr schreiender junger Mann
A pair © Vojtech Vlk - www.fotolia.de

Der Mensch besitzt die seltene Gabe, sich einen unmöglichen Zustand schön zu reden. Dies gilt zum Beispiel für die Berufswahl: Wer seinen Beruf innig hasst, muss sich entweder eingestehen, dass er seinerzeit eine völlig falsche Wahl betroffen hat, oder sich den Berufsalltag schönreden. Die meisten neigen dabei eher zu Letzterem. Das gleiche gilt auch für die Partnerwahl: Wer das Gefühl hat, in seiner Partnerschaft festzustecken, redet sie sich lieber schön, anstatt den Mut zur Trennung aufzubringen.

Dies ergaben psychologische Experimente der US-Universität Stanford, die nun veröffentlicht wurden. Demnach legen die meisten Menschen Wert auf "Stabilität", was sich jedoch keineswegs mit "Glücklich sein" gleichsetzen lässt. Dies gilt nicht nur für Partner, die sich ihre Beziehung schönreden, sondern auch für Singles, die sich ihren Status nicht minder schön reden.

Als Folge davon gehen sich Paare und Singles ab einem bestimmten Alter häufig aus dem Weg, stellten die Psychologen fest: So gelingt es ihnen leichter, ihren Selbstbetrug aufrecht zu erhalten, statt als Single feststellen zu müssen, dass manche Paare tatsächlich glücklich miteinander sind oder als unglücklicher Beziehungspartner feststellen zu müssen, dass Singles tatsächlich alleine ein glückliches, erfülltes Leben führen können.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: paar hat streit © Simon Ebel - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Woman using smartphone © Arman Zhenikeyev - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Couple going through a rough patch © auremar - www.fotolia.de

Autor:

Marco Stephan - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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