Es gibt ein bekanntes Buch, dessen Titel lautet "Liebe dich selbst, und es ist egal, wen du heiratest". Was hier so überspitzt formuliert wurde – denn natürlich ist es nicht egal, wen man heiratet, und das ist auch den Buchautoren klar –, birgt einen wahren Kern. Der lautet: Erst, wenn man zu einem liebevollen, von Verständnis und Nachsicht geprägten Umgang mit sich selbst gefunden hat, ist man in der Lage, einem anderen Individuum mit Liebe, Verständnis und Nachsicht zu begegnen.
Darüber hinaus hilft die Kunst, sich selbst zu lieben, gerade jenen Menschen, die unter einem unzureichend ausgeprägten Selbstwertgefühl leiden. Wer sich selbst als weniger Wert als andere erlebt, wird viel öfter zu Dingen ja sagen, die er eigentlich gar nicht möchte.
Selbstliebe und das damit verbundene gesunde Verhältnis zum eigenen Ego ist also auch wichtig, um sich in einer Partnerschaft auf Augenhöhe begegnen zu können. Allein Sätze wie "Nein, ich möchte heute nicht dies machen, sondern jenes tun" fallen Menschen mit einem nur wenig entwickelten Ego unendlich schwer. Zwar ist es einerseits sehr bequem, wenn einem andere alle Entscheidungen abnehmen – andererseits entwickelt sich aus solch einer Konstellation schnell eine hierarchische Beziehung, die auf Abhängigkeiten beruht. Der Partner mit dem wenig ausgeprägten Ego fühlt sich - und sei es nur unterbewusst - entmündigt und gegängelt. Dies führt zu einer nagenden Unzufriedenheit, die er dem Partner, der die offensichtliche Macht hat, auf subtile Weise heimzahlt, beispielsweise durch ständiges Nörgeln oder durch Appelle wie "Komm nicht zu spät nach Hause, du weißt doch, ich langweile mich ohne dich, ich habe Angst und brauche dich hier". Dem Partner mit dem starken Ego wird so permanent ein schlechtes Gewissen bereitet. Die Konsequenz: Beide Partner sind unzufrieden, und irgendwann wird man sich trennen.
Allein aus diesem Grund ist es wichtig, das eigene Ego, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkunden und – gegebenenfalls auch mit professioneller Hilfe – weiterzuentwickeln, bis man eine in sich ruhende, ausgereifte Persönlichkeit ist, die in der Beziehung auf eine ebenfalls in sich ruhende, ausgereifte Persönlichkeit trifft. Natürlich können dann zwei ausgeprägte Egos auch mal aufeinanderprallen, doch kann eine reife Beziehung damit umgehen, da sie ohnehin ein ständiges Verhandeln und Neuverhandeln der eigenen Positionen sowie der als Paar ist – eine Grundlage, auf der auch Kompromisse nicht mehr faul, sondern schlicht ausgereift sind.
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