5. Mai 2011
Oft sagt ein Bild mehr als Tausend Worte. Obwohl sich Zeichnungen, Gemälde und Prints sehr unterschiedlich deuten lassen, schaffen es gut gemachte Karikaturen fast immer, dem Betrachter die verborgene Message zu vermitteln. Karikaturen finden sich heute in fast jeder noch so kleinen Tageszeitung und geraten schnell wieder in Vergessenheit. Es gibt jedoch auch solche Karikaturen, die nicht nur um die Welt gehen, sondern auch einen jahrzehntelangen Eindruck hinterlassen.
Was macht eine Karikatur zum Mittelpunkt des Weltaufmerksamkeit? Meist sind es Zeichnungen, die genau das auf den Punkt bringen, was sich sonst niemand zu sagen traut.
Bestes Beispiel hierfür ist die Mohammed Karikatur des Karikaturisten Kurt Westergaard, die 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten erschien. Tatsächlich handelte es sich gleich um 12 solcher Mohammed-Karikaturen, allerdings gibt es nur eine davon, die den Menschen bis heute in Erinnerung bleibt.
Besagte Karikatur zeigt den Propheten Mohammed mit einem Turban, aus dem eine Zündschnur ragt. Die Karikatur kritisiert damit nicht nur den Islam als Glauben an sich, sondern verstößt auch gegen das islamische Verbot, den Propheten Mohammed bildlich darzustellen.
Während die Karikatur von Westergraad bei vielen Europäern auf Zustimmung stieß, reagierten in Europa lebende Islame sehr heftig auf die Veröffentlichung. In Ländern hingegen, die fast ausschließlich islamistisch geprägt sind, wurde nicht nur Protest laut, es entwickelten sich regelrechte Hasstiraden. Europäische und vor allem dänische Botschaften mussten in den entsprechenden Staaten aus Sicherheitsgründen geschlossen werden, Westergraad und seine Kollegen erhielten zahlreiche Morddrohungen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen würdigte den Karikaturisten sogar mit dem M100-Medienpreis und bezog damit eine eindeutige Stellung.
Politische Karikaturen stehen jedoch nicht erst seit dem Jahr 2005 im Fokus der Weltöffentlichkeit. Bereits 1890 wurde im britischen "Punch" eine Karikatur veröffentlicht, die entsprechend des damaligen Informationsnetzes, auf ebenso viel Aufmerksamkeit stieß.
Die Rede ist von "Dropping the Pilot" beziehungsweise "Der Lotse geht von Bord". Die Zeichnung zeigt einen gleichmütig dreinsehenden Wilhelm II., der zusieht, wie Otto von Bismarck das deutsche Schiff verlässt. Während der englische Originaltitel induziert, dass Bismarck von Wilhelm seines Postens verwiesen wurde, unterstreicht die deutsche Übersetzung das freiwillige Zurücktreten des Kanzlers.
Beide Beispiele zeigen deutlich, dass Karikaturen dann auf die meiste Resonanz stoßen, wenn sie nicht den eigenen Reihen entsprungen sind.
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