Mangas - die japanische Form des Comics: Merkmale und Stilmittel, Genres und Inhalte

Vier Jugendliche im Mangastil bekleidet

Der Begriff "Manga" steht in Japan für das, was bei uns als Comic beliebt und verbreitet ist - die Stilelemente finden sich auch in nicht-japanischen Comics wieder

Verrückte Comicwelt: In Japan werden Comicstrips von hinten nach vorne und von rechts nach links gelesen - selbst der Bildaufbau folgt diesem Schema. Darüber hinaus haben die einzelnen Werke mitunter wenig gemeinsam: Die vielfältige Welt der Mangas bietet Bildgeschichten für nahezu jede Zielgruppe, vom Geschäftsmann bis zum Jugendlichen.

Merkmale des Manga

Streng genommen handelt es sich beim Wort "Manga" lediglich um den japanischen Begriff für "Comic" - welcher nicht nur für japanische, sondern für alle Werke dieser Art verwendet wird. Außerhalb des Landes versteht man hierunter jedoch in erster Linie die japanische Form des Comics, welche sich durch einige typische Eigenschaften wie die Betonung der Augen (groß und rund) sowie die im Verhältnis zu anderen Comicstrips oftmals deutliche Reduktion des Textumfangs auszeichnen.

Die Figuren sind zudem häufig niedlich bis kindlich dargestellt. Dabei bestätigen Ausnahmen die Regel: Nicht immer müssen diese formalen Eigenschaften vorhanden sein, die Stile sind allein auf Grund der enormen Masse an Mangas durchaus verschieden.

Tausende Manga-Fans bei der Connichi in Kassel

Wie die japanischen Comics und Trickfilme begeistern

Junge Frau im Gothic-Stil, abrasierte Kopfhaare an der Seite, Fledermaus-Tattoo am Hals und diverse Piercings
young beautiful punk dark girl listening music © Eugenio Marongiu - www.fotolia.de

Am Wochenende verwandelte sich Kassel wieder in ein Traumland mit buntem Volk. Die Manga-Messe Connichi versammelte wieder tausende Fans in der Stadthalle Kassels. Manga sind japanische Comics und zusammen mit den dazugehörigen Trickfilmen, den Anime, erobern sie auch seit Jahrzehnten die Herzen der deutschen Fans. Waren es 2002 noch 1.500 Besucher zur ersten Connichi, sind es heute zehnmal so viele

Hefte, DVDs und Cosplay

Neben Heften und DVDs wollen Anhänger der Szene auch Cosplayer sehen oder sein. Beim Cosplay werden Verkleidungen der Manga- und Animehelden angefertigt und diese werden getragen, um die Figur möglichst detailgetreu wiederzugeben. Zwei Drittel der deutschen Mangafans sind Frauen und dementsprechend sind Romantik und Liebe beliebte Manga-Themen. Die Organisatorin Janina Mayer betont dennoch vor allem das breite Angebot an Themen in diesem Medium.

Eine uralte japanische Tradition

Die deutschen Fans lieben auch die erotischen Serien. Yukiko Iwata erzählt von Manga als Jahrhunderte alte Tradition und Kultur in Japan und freut sich daher über das Interesse. Die Kostüme der deutschen Fans sieht sie aber manchmal als etwas zu freizügig an.

Stilmittel

Mangas werden von rechts nach links, von hinten nach vorne gelesen. Typischerweise sind sie in Schwarz-Weiß gestaltet. Es gibt unterschiedliche Formen, wie zum Beispiel den Story Manga.

Hier findet sich eine lange, sehr detaillierte Geschichte, die oftmals mehrere Tausend Seiten umfassen kann. Des Weiteren sind Comic-Strips verbreitet; sie bestehen in der Regel aus vier Bildern - wird diese Form variiert, spricht man auch von Koma-Manga.

Typisches Erzählmittel eines Mangas sind in kleinen Schritten dargestellt Bilder. Zudem kommen sprachliche Nachahmunge, so genannte Soundwords zur Anwendung. Ebenfalls typisch:

  • Typografie
  • Lautmalerei
  • Vereinfacht und übertrieben dargestellte Bewegungen, Figuren und Posen
  • Verwendung von Symbolen

Besondere Stimmungen und Emotionen werden mithilfe von sehr großen AUgen und abstrakten Hintergründen erzeugt. Gesichter sind in der Regel vereinfacht und sehr blass; um die Charaktere voneinander zu unterscheiden, wird vor allem auf unterschiedliche Augen- und Haarfarben gesetzt.

Verbreitet ist auch das Stilmittel Super Deformed. Hierbei verwandelt sich die Figur in ein Kind, um eine besonders komische Situation oder einen Emotionsausbruch zu zeigen.

Genres und Inhalte

Die Welt des Manga ist groß, sodass für jeden Geschmack und jedes Alter das passende Genre gefunden werden sollte. Mittlerweile gibt es Magazine für diverse Zielgruppen:

  • Kodomo (für Kleinkinder)
  • Shōjo (für weibliche Jugendliche)
  • Shōnen (für männliche Jugendliche)
  • Josei oder Ladies Comic (für Frauen)
  • Seinen (für Männer).

Das Genre ist dementsprechend unterschiedlich. Verbreitet sind:

  • Romantik
  • Thriller
  • Science-Fiction (wie Magical Girl oder Mecha)
  • Geschichten über Hobbys, Freizeitbeschäftigungen und Spiele
  • Geschichten über traditionelle japanische Kultur
  • Gourmet-Genre (Geschichten über Essen und Kochen)
  • Ikuji-Manga (Erziehung von Kindern)
  • Salaryman-Manga (Beschreibung des Berufsalltags eines durchschnittlichen Japaners in Form einer Komödie oder eines Dramas)
  • Erotik (Hentai, pornografisch sowie Etchi, erotisch)

Varianten und Zielgruppen

Die Bedeutung von Mangas ist kaum mit der anderer Comics zu vergleichen: In Japan stellt diese Form der Bildergeschichte einen enormen Anteil des inländischen Verlagswesens dar. Mangas sind in nahezu allen Varianten erhältlich:

  • Als eigenständiges Manga-Magazin
  • als fortlaufender Strip in Tages- und Wochenzeitungen
  • als Buch oder Heft in Zeitschriftenländen und Buchhandlungen.

Dementsprechend breit gefächert ist auch die Zielgruppe - Mangas sind in nahezu allen erdenklichen Ausführungen und für die verschiedensten Altersgruppen erhältlich. Durch die oftmals enorm niedlichen Figuren zählen hier auch Mädchen und Frauen zu erklärten Manga-Fans. Die wohl bekannteste Mangafigur ist der Ende der 60er Jahre entstandene Doraemon, ein blauer Kater, welcher sich heute nicht nur auf zahlreichen Merchandising-Artikeln befindet, sondern wie viele weitere Helden auch in der Accessoires- und Fashionwelt bekannt ist.

Miniaturvariante von Karl Lagerfeld nun als Manga-Figur auf dem Markt

Der berühmte Designer Karl Lagerfeld ist nicht nur in der Modebranche eine bekannte Größe. Für Fans des exzentrischen Designers gibt es nicht nur seit einiger Zeit den Lagerfeld-Teddybären, sondern nun auch aktuell eine Mini-Karl-Ausgabe als Manga-Figur.

Knapp 25cm groß, ist der kleine Karl ganz wie der Große in dessen Kleiderstil, dem Label K Karl Lagerfeld, angezogen. Bestehend aus Vinyl, gibt es auf der ganzen Welt nur tausend dieser Manga-Figuren, die einzeln authentifiziert und auch nummeriert ist.

Bei "Collete" in Paris, wird der Verkauf des Mini-Manga-Karls im Oktober beginnen. Wer solch eine Figur ergattern will, benötigt jedoch rund 129€. Nach dem Verkaufsstart soll diese Lagerfeld-Figur dann noch rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest auch in anderen Geschäften erhältlich sein.

Neue Biografie des Manga-Zeichners Tezuka veröffentlicht

Der im Jahre 1989 verstorbene Osamu Tezuka hat in seinem Leben rund 150.000 Comic-Seiten gezeichnet und gilt in der japanischen Comic-Industrie als Nonplusultra. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg war er es, der die mittlerweile milliardenschwere Comic-Industrie sowie zehn Jahre später auch Japans Trickfilmindustrie ins Leben gerufen hat. Tezuka deckt mit seinen Comics eine riesige Bandbreite ab, angefangen von Kinder-Comics über erotische Zeichnungen bis hin zum deutschen Faschismus sowie anderen ernsten Themen.

Die jetzt auch auf deutsch veröffentlichte Biografie namens "Buddha" schildert auf über 3000 Seiten die Lebensgeschichte des Buddhismus-Gründers namens Siddharta Gautama. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen kitschigen Comic, sondern vielmehr um ein spannendes und teils finsteres Drama, in dessen Vorspann der gnadenlose Kampf im prä-buddhistischen Indien geschildert wird. Gespickt mit aufblitzender Ironie sowie düsteren Geschehnissen und viel Wut sind über 20 Figuren an der voluminösen Erzählung beteiligt.

Arbeitstagebuch des Atomkraftwerks Fukushima als Manga-Comic "1F"

Gelber Stern mit rotem Rand auf blauem Hintergrund, bekannt aus Comics und Cartoons
Comic speed line background © littlestocker - www.fotolia.de

Der einstige Arbeiter Kazuto Tatsuta ist Autor des neuen Manga-Comic "1F – Das Arbeitstagebuch des Atomkraftwerks Fukushima Dai-ichi", in dem er den verhüllten Männern in ihren Strahlenschutzanzügen mit akkurat gemalten Details ein Gesicht gibt.

Gegenüber den Medien betonte der 49-Jährige, dass sich seine Arbeit in dem havarierten Atommeiler an der Ostküste Japans kaum von anderen Baustellen unterscheide, da er wegen der unsichtbaren Strahlung keine körperliche Gefahr fühlte. Im Manga wird die Atomruine in Fukushima genau wie unter den Arbeitern "Ichi Efu" oder kurz "1F" bezeichnet.

Autor wegen Geheimhaltungspflicht unter Pseudonym bekannt

Auch der Autor des neuen Manga muss ein Pseudonym tragen, da es den Angestellten strengstens untersagt ist, im öffentlichen Leben über die Arbeit in dem Atomkraftwerk zu berichten.

Tatsuta musste "1F" wegen der erreichten Höchstgrenze der jährlichen Strahlendosis von 20 Millisievert verlassen und will nun wieder in die Ruine zurückkehren, um neuen Stoff für eine Fortsetzung des Mangas zu sammeln. Dieser ist in Japan nämlich zum Verkaufsschlager geworden, sodass sein Verlag Kodansha Ltd. "1F" im Heimatland in Serie sowie in englischer Fassung herausbringen will.

Grundinformationen und Hinweise zu Comics

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Manga Fashion © Alexander Buchfink - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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