
Alles fing damit an, dass kein Intendant den Mut hatte, Jesus Christ Superstar auf die Bühne zu bringen. Also nahmen Texter Tim Rice und Komponist Andrew Lloyd Webber ihre Rock-Oper kurzerhand auf Schallplatte auf und brachten sie so 1971 wenigstens akustisch unter die Leute. Und siehe da: Das Konzeptalbum war weltweit ein Riesenerfolg und das Projekt, das die letzten sieben Tage im Leben von Gottes Sohn erzählt, erhielt auf diesem Umweg doch noch eine Chance auf der Bühne. Kurze Zeit später füllte die Live-Fassung die Spielhäuser in London und an New Yorks Broadway (und blieb mehrere Jahre lang ein Kassenschlager am "box office"). 1972 folgte die berühmte Verfilmung von Norman Jewison, die den Bibelstoff in Form eines Hippie-Happenings darstellte. Ende der 90er Jahre gab's in England eine Bühnen-Neuauflage, die danach als Tourneeproduktion Erfolge feiern konnte. Diese liegt nun in einer Filmfassung vor, die in den bekannten Pinewood-Studios gedreht wurde.
Im Gegensatz zu Norman Jewison, der das Ganze als Blumenkinder-Botschaft auslegte und das Aufbegehren der Jugend, den umstürzlerischen Zündstoff und die Gesellschaftskritik herausstrich, konzentriert sich Regisseurin Gale Edwards in ihrer Interpretation auf die religiösen Inhalte. Jesus ist bei ihr der Unverstandene, in dem jeder etwas anderes sieht. Das Eigentliche jedoch -- seine Heilslehre -- nimmt kaum einer wahr. Selbst seine Anhänger missverstehen ihn als Revolutionsführer, der sie mit Waffengewalt von den römischen Besatzern befreien soll. Erst ganz am Schluss wird klar, dass ihnen der Messias mit seinem Opfertod ein spirituelles Geschenk gemacht hat.
Für die vorliegende Version wurde all das bühnen- bzw. filmtechnisch hervorragend in Szene gesetzt. Die Songklassiker ("I Don't Know How To Love Him", "Jesus Christ Superstar", "Herod's Song" etc.) erklingen in packenden Neueinspielungen, der Darstellerstab ist exzellent besetzt (besonders zu erwähnen wären Renee Castle als Maria Magdalena und Jerome Pradon in der Rolle des Judas), und die Choreographie von Anthony Van Laast sowie die Kostüme von Roger Kirk zu guter Letzt sorgen dafür, dass diese Produktion visuell höchst zeitgemäß herüberkommt.
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