Rund um den Karneval - Traditionen, Feiertage und ein Überblick der Karnevalshochburgen

Weltweit wird auf die verschiedensten Arten Karneval gefeiert. Den Höhepunkt dieses Volksfestes stellt immer der Straßenkarneval dar. In diesen Tagen wird gefeiert und getanzt, es finden Umzüge statt und die Feiernden verkleiden sich. In Deutschland findet der Straßenkarneval traditionell von Weiberfastnacht bis zum Fastnachtdienstag statt. Vor allem in die rheinischen Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz strömen die Menschen in diesen Tagen in Massen. Tauchen Sie ein in die Welt des Karneval und erfahren Sie alles über die unterschiedlichen Traditionen des Fasching.

Die fünfte Jahreszeit wird hierzulande besonders in den berühmten Karnevalshochburgen gefeiert - wir geben einen Überblick über die Traditionen des Karnevals

Die fünfte Jahreszeit

Der Karneval ist die inoffizielle "fünfte Jahreszeit", die in vielen christlichen Ländern der Erde mit Maskenbällen, Straßenfesten und großen Umzügen ausschweifend zelebriert wird. Besonders bekannt sind Straßenkarnevals in Rio und auf Kuba sowie der stille Karneval in Venedig.

Generell fallen alle Bräuche, die man mit der Zeitspanne vor der 40-tägigen oder auch sechswöchigen Fastenzeit feiert. Diese beginnt am Aschermittwoch; im Christentum bereitet man sich damit auf Ostern vor.

In diesem Artikel widmen wir uns der deutschen Karnevalkultur. Doch auch in anderen Ländern spielt er eine Rolle. So feiert man - wenn auch auf andere Weise -

  • in Lateinamerika (z.B. Rio oder Oruro)
  • in Venedig
  • in Kanada (Karneval von Québec)
  • in Spanien (Karneval von Santa Cruz de Tenerife, Karneval in Cádiz)
  • in Belgien (z.B. der Mittfasten-Karneval)
  • in Namibia oder
  • im Süden der USA.

Wichtige Feiertage und Traditionen

Jährlich an Weiberfastnacht löst der Straßenkarneval den Sitzungskarneval ab. Eine knappe Woche lang werden die Straßen nun von feiernden und tanzenden Jecken und Narren bevölkert, Umzüge werden organisiert und Kostümbälle veranstaltet. Die wichtigsten Daten dieser Woche sind einheitlich die Weiberfastnacht und der Rosenmontag.

Weiberfastnacht

Weiberfastnacht fällt immer auf den Donnerstag in der Woche vor Aschermittwoch und wird je nach Region auch als Altweiberfasching oder Altweiberfastnacht bezeichnet. Schon seit dem Mittelalter wird dieses Frauenfest alljährlich gefeiert.

Während anfänglich die Frauen noch unter sich feierten, nahmen sie nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Männer mit ins Boot. Diese mussten an diesem Tag allerdings in eine ungewollte und ihnen oft unbekannte Rolle schlüpfen: Sie mussten den Frauen das Regiment überlassen.

An der Weiberfastnacht ist das Regiment bei den Frauen
An der Weiberfastnacht ist das Regiment bei den Frauen
Traditionen

Noch heute ist es an Weiberfastnacht Tradition, dass die Frauen den Männern die Krawatten abschneiden und diese als Trophäe bewahren. Viele Männer lassen sich aus diesem Grunde schon gar nicht mehr mit Krawatte blicken oder entscheiden sich für ein billiges Modell.

Denn wem die Krawatte im Karnevalstreiben abgenommen wird, der hat kaum eine Chance auf Schadensersatz. Schließlich muss man davon ausgehen, dass jeder Bürger einer Karnevalshochburg diesen alten Brauch kennt.

An Weiberfastnacht haben viele Menschen ab mittags frei. Das gilt insbesondere für das Rheinland.

Ab dem Nachmittag finden die ersten Feierlichkeiten des Straßenkarnevals statt, die meisten Umzüge beginnen aber erst in den darauffolgenden Tagen. An Weiberfastnacht liegt der Schwerpunkt eher auf kleineren Kostüm- und Kneipenpartys.

Rosenmontag

An dem Montag, der 48 Tage vor Ostern liegt, wird vielerorts der Höhepunkt des Karnevals gefeiert. Damit jeder die Chance hat, an den Feierlichkeiten teilzunehmen, bekommen die meisten Arbeitnehmer frei.

Rosenmontag ist der Tag der größten Karnevalsumzüge. Alleine der Zug in Köln wird jährlich von mehr als einer Million Menschen besucht.

Auf einer Länge von teils mehreren Kilometern ziehen die Rosenmontagszüge mit

  • Musikkapellen
  • Prunkwagen
  • Reitern und
  • verkleideten Fußgruppen

durch die Straßen. Die Jecken und Narren am Straßenrand haben die Aufgabe, mitzufeiern, mitzusingen und die Kamelle aufzufangen.

Namensherkunft

Früher wurde der Rosenmontag auch als "guter Montag" oder "blauer Montag" bezeichnet. Woher sein heutiger Name allerdings kommt, ist umstritten.

Auf der einen Seite bezweifelt man, dass der Rosenmontag etwas mit der gleichnamigen Blume zu tun hat. Auf der anderen Seite bringt man ihn mit dem Rosensonntag in Verbindung, an dem der Papst eine goldene Rose als Auszeichnung an eine ausgewählte Persönlichkeit überreichte.

Unterschiedliche Bezeichnungen

In Deutschland beginnt die Karnevalssaison am 11. November um 11.11 Uhr und endet am Aschermittwoch, der gleichzeitig den Beginn der sechswöchigen Fastenzeit vor Ostern markiert. Ob man im Land von Fasching, Fastnacht oder Karneval spricht, hängt von der Region ab.

In der nördlichen Hälfte Deutschlands sowie im Rheinland wird die Zeit zwischen dem 11. November und dem Veilchendienstag - bis auf wenige Ausnahmen - als Karneval bezeichnet. In Sachsen und Brandenburg ist allerdings, wie auch im Süden Deutschlands, von Fasching die Rede, und in Mainz z.B. wird das rheinische Fest Karneval als Fastnacht bezeichnet.

Karneval im Norden

Der Schwerpunkt der Feierlichkeiten liegt im Norden des Landes im Rheinland. Große Umzüge und Feierlichkeiten gibt es z.B. in Köln, Bonn, Aachen oder Neuss.

Hier nehmen aber nicht nur die Umzüge, sondern auch die Sitzungen und Büttenreden einen großen Stellenwert ein. Diese werden jährlich von Januar bis zum Beginn des Straßenkarnevals, des eigentlichen Volksfestes, veranstaltet. Am Rosenmontag eines jeden Jahres finden in den nördlichen Regionen des Landes und im Rheinland dann traditionell die Rosenmontagszüge statt, die regelmäßig von Hunderttausenden besucht werden.

Fasching im Süden

In den südlichen Bundesländern und in Österreich werden die Festlichkeiten als Fasching bezeichnet. Hier wird vor allem auf der Straße gefeiert.

Prunksitzungen und Büttenreden haben hier einen deutlich geringeren Stellenwert als im Rheinland, finden aber dennoch in einem kleineren Umfang statt. In München beispielsweise wird generell auf Prunksitzungen verzichtet, dafür kann man hier Faschingsbälle besuchen. Kostüme und Verkleidungen spielen auf diesen Bällen eine besondere Rolle.

Die Umzüge in München sind eher klein und nicht mit denen in anderen Städten zu vergleichen. Sie finden - wie auch in anderen Städten Süddeutschlands - zumeist am Sonntag und nicht am Rosenmontag statt.

Einer der größten Sonntagszüge ist der Würzburger Faschingsumzug. Wie im Rheinland sind auch hier zahlreiche Prunkwagen mit dabei und es werden Kamellen geworfen.

Karnevalsbräuche auf einen Blick

Das Karnevalsfest wird mit zahlreichen Bräuchen in Verbindung gebracht.

Karnevalsumzüge

Zu den wohl aussagekräftigsten Merkmalen des Karnevals gehören dessen Umzüge. Sie stellen das Highlight jeden Straßenkarnevals dar, wenn die verkleideten Menschenmassen samt diverser Wagen durch die Straßen ziehen und Süßigkeiten und Co. verteilen. Hierzulande sind besonders die Umzüge in den rheinländischen Karnevalshochburgen bekannt.

Karnevalskostüme und -masken

Karnevalskostüme bzw. Faschingskostüme gehören zur fünften Jahreszeit dazu. Besonders im Straßenkarneval, wenn man die beliebten Karnevalsumzüge besucht, wird man kaum jemanden finden - ob Groß oder Klein - der nicht verkleidet ist.

Auch bei diversen Karnevalsveranstaltungen ist eine Verkleidung in der Regel vorgesehen. Wie diese ausfällt, ist jedem selbst überlassen; der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und hat man mal eine größere Karnevalsveranstaltung besucht, wird man schnell feststellen: es gibt diesbezüglich nichts, was es nicht gibt.

Typische Bestandteile einer solchen Verkleidung sind

  • eine spezielle Kleidung
  • Perücken und/oder Kopfbedeckungen
  • Masken
  • passendes Make-up.

Bei uns finden Sie eine Menge Anregungen, um das passende Kostüm zu finden - sowohl für Babys und Kinder als auch für Erwachsene; zudem geben wir Tipps für Last-Minute-Kostüme.

Karnevalspartys

Was wäre das Karnevalsfest ohne die dazu passenden Partys? Nur halb so schön. Und darum gibt es in jeder Stadt, in der die fünfte Jahreszeit zugegen ist, mindestens eine öffentliche Veranstaltung, die von den Feierwütigen gerne angenommen werden.

Je nach Größe der Veranstaltung wird Eintrittsgeld verlangt; dafür warten solche Events dann beispielsweise auch mit typischen Karnevalsreden und Live-Musik auf. Natürlich werden auch privat gerne Karnevalsfeten veranstaltet, besonders auch unter den Kleinen.

Büttenreden und Karnevalssitzungen

Besonders im rheinischen Karneval gibt es die so genannte Büttenrede. Dabei handelt es sich um eine - oftmals gereimte - vorgetragene Rede, die vor allen Dingen auf Karnevalssitzungen typisch ist. Hierbei wird im lokalen Dialekt gesprochen.

Die Karnevalssitzung wiederum fällt häufig in den Rahmen einer Karnevalsparty. Solche Veranstaltungen werden in Verbindung mit Musik, Tanz und Mitsing-Liedern angeboten.

Typische Speisen und Getränke

Auch kulinarisch gibt es an den Karnevalstagen einige typische Traditionen. Was die Getränke angeht, so ist Karneval wohl eines der Feste, an denen am meisten Alkohol fließt. Bier und Schnäpse sind diesbezüglich besonders beliebt.

Zu den typischen Speisen zählen unter anderem Berliner sowie fett- und fleischreiche Gerichte. Hier in unserem separaten Artikel zum Thema erhalten Sie detailliertere Informationen.

Karnevalsmusik

Auch die typischen Karnevalslieder dürfen an diesen närrischen Tagen nicht fehlen. Musik ist gesund und macht glücklich. Nicht nur das Hören von Liedern, die wir mögen, sondern vor allem das gemeinsame Singen schüttet eine Menge Glückshormone aus. Gerade an Karneval hat das Schunkeln und Mitsingen wieder Hochkultur.

Karnevalslieder zielen darauf ab, gute Stimmung zu verbreiten und die Menschen zum Mitsingen und -feiern zu animieren. Die Texte sind leicht verständlich, die Melodien leicht einzuprägen.

Viele Wiederholungen machen es den Hörern zudem einfach, Zeilen und Gesangsverlauf zu behalten. Thematisch geht es in vielen der Songs um die schönen und positiven Dinge des Lebens und speziell auf den Karneval zugeschnitten exitieren ebenfalls eine Menge Songs.

Dabei haben unterschiedliche Songs auch eine unterschiedliche Wirkung...

Trotz Alkohol und fettem Essen hat die fünfte Jahreszeit also auch durchaus ihre gesunden Seiten. Das gemeinschaftliche Singen und Klatschen senkt den Pegel an Stresshormonen wie Kortisol und Adrenalin, vertreibt jede Müdigkeit und wirkt sich positiv auf Herz und Kreislauf aus.

Auch die Konzentration an Immunglobulin A steigt, was eine Aufrüstung der körpereigenen Abwehrkräfte bedeutet. Welcher Effekt jedoch genau eintritt, hängt davon ab, wie die Musik beschaffen ist.

Von Beats und Herzschlägen in Köln, Düsseldorf und Mainz

Entscheidend darüber, ob ein Lied eher anregend oder beruhigend wirkt, ist sein Tempo und die Taktfrequenz. Gemessen wird diese in beats per minutes (bpm). Diese Frequenz steht in einem Zusammenhang mit dem Takt des menschlichen Herzens, das durchschnittlich 72 Mal in der Minute schlägt.

Liegt die Freqenz eines Liedes unter der des menschlichen Herzens, wirkt der Song beruhigend und vermittelt ein eher unaufgeregtes Wohlgefühl. "Am Rosenmontag bin ich geboren" von Margit Sponheimer ist einer der bekanntesten Karnevalshits in Mainz. Mit ungefähr 60 bpm, was der Herzfrequenz im Schlaf entspricht, lädt es zum Schunkeln und Entspannen ein und beruhigt die Atmung.

Eine ähnliche Frequenz hat das berühmte "Altbierlied" aus Düsseldorf - das lässt die Gläser zwar klirren, senkt aber den Blutdruck.

Deutlich ausgelassener geht es dagegen in Köln zu. Fetenhits wie "Hände zum Himmel" von den Kolibris regen mit 120 bpm die Gemüter an und spätestens bei "Viva Colonia" mit 120-130 bpm tanzen die Jecken aus der Domstadt auf den Tischen. Die schnelle Frequenz hebt die Stimmung und lädt zum Tanzen ein.

Aber auch Variationen im Takt, wie etwa bei "Superjeilezick" (Brings) mit 85-150 bpm, regen den Kreislauf an und vertreiben die zwischendurch aufkommende Melancholie. Doch auch die Kölner können ruhig: Der Klassiker "Mer losse d´r Dom en Kölle" von den Bläck Fööss liegt bei 50 bpm.

Auf die bereits erwähnten Karnaval-Hotspots im Rheinland gehen wir im Folgenden etwas genauer ein...

Karnevalshochburg Rheinland

Die größte Karnevalshochburg im deutschen Raum ist das Rheinland. In Köln, Mainz oder auch Düsseldorf sind die zahlreichen Karnevalsumzüge und Prunksitzungen jedes Jahr Großereignisse, die Besucher aus der ganzen Welt anziehen und von vielen Fernsehstationen rund um den Globus übertragen werden.

Die Karnevalszeit beginnt in allen drei rheinischen Hochburgen jährlich am 11. November. Ab Neujahr kommt der erste Schwung in das Volksfest:

  • Prunksitzungen werden veranstaltet
  • Büttenreden finden statt und
  • Karnevalsvereine veranstalten Kostümbälle.

Die eigentliche Party steigt aber erst in den Tagen zwischen Weiberfastnacht und Fastnachtdienstag. Hunderttausende versammeln sich in den Städten und nehmen an den großen Umzügen und Märschen teil.

Kölner Karneval

Besonders populär ist der Kölner Karneval. Die Feierlichkeiten beginnen an Weiberfastnacht mit einer Hauptveranstaltung auf dem Alten Markt, an dem der Oberbürgermeister und das Kölner Dreigestirn, die Repräsentanten des Kölner Karnevals, teilnehmen.

Im Laufe des Tages wird vor allem in der Alt- und Südstadt ausgelassen gefeiert. Traditionell schneiden an Weiberfastnacht die Frauen den Männern die Krawatten ab.

  • Freitags findet beim Kölner Karneval der Sternmarsch der Kölner Veedelsvereine statt,
  • samstags ist vor allem das Funkenbiwak beliebt, bei dem Biergläser verkauft werden, die immer wieder kostenlos aufgefüllt werden.
  • Nach dem Geisterzug in der Nacht von Samstag auf Sonntag ziehen am Sonntag die Kölner "Schull- un Veedelszöch" durch die Straßen. Abends wird die letzte Sitzung der Karnevalssession abgehalten, die "Große Sonntagssitzung".
  • Der Höhepunkt findet allerdings am Rosenmontag statt. Der beliebte Rosenmontagszug erfreut regelmäßig über eine Million Besucher.
  • Am Veilchendienstag endet die Session mit der "Nubbelverbrennung", bei der die Sünden der Karnevalstage verbrannt werden.

Düsseldorfer Karneval

Der Düsseldorfer Karneval beginnt am 11. November mit einer Rede des Hoppeditz und dem Auftritt des Bürgermeisters auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Aber auch hier beginnen die eigentlichen Feierlichkeiten an Weiberfastnacht. Die Frauen stürmen das Rathaus und gehen auf Krawattenjagd.

  • Der Höhepunkt am Samstag ist der "Tuntenlauf auf der Kö",
  • am Sonntag finden kleinere Umzüge statt.
  • Der Rosenmontagszug am darauffolgenden Tag gehört mit über 60 Festwägen zu den größten in Deutschland.

Mainzer Fastnacht

Der Mainzer Karneval wird traditionell als Mainzer Fastnacht bezeichnet und hat neben den typischen Umzügen und Büttenvorträgen auch Anderes zu bieten. So werden u.a. das Militär auf die Schippe genommen und die Bühne des Staatstheaters für Laien geöffnet. Insgesamt ist die Mainzer Fastnacht politisch-literarischer geprägt als der Karneval in Köln oder Düsseldorf.

Der Karneval am Rhein hat seine eigenen Regeln, feste Traditionen und sogar ein eigenes Vokabular. Für Karnevals-Anfänger haben wir einmal die wichtigsten Begriffe des rheinischen Karnevals kurz erklärt.

Karnevals-ABC des Rheinlands: 21 närrische Begriffe von Aloha bis Zoch

Jeder Karneval hat besondere Regeln und der rheinische Karneval sogar eine eigene Sprache. Das Kölner Karnevals-ABC sollten Jecken und Besucher kennen.

Aloha

"Aloha" ist der Schlachtruf der schwul-lesbischen Karnevalisten in Köln. Er wurde 1995 während der ersten "Rosa Sitzung" ins Leben gerufen. Diese besonderen, viel frequentierten Karnevalssitzungen wurden von vielen Künstlern und Mitgliedern des Kölner Karnevals unterstützt und bis zur Saison 2003/2004 vom WDR übertragen.

Seit 2006 finden keine großen "Rosa Sitzungen" mehr statt. Der Schlachtruf "Aloha" gehört aber weiterhin neben "Alaaf" zum Kölner Karneval.

Bützchen

Im Karneval sind Bützchen nicht nur erlaubt, sondern sehr willkommen. Die kleinen Küsse werden mittlerweile nicht nur beim Kölner Karneval großzügig verteilt. Ob Karnevalist, Passant, Bürgermeister oder sogar Polizist - während der Karnevalsumzüge ist eigentlich niemand vor den fröhlichen Bützchen sicher.

Carne vale!

Im Rheinland ist das Wort "Karneval" fest im Sprachschatz verankert. Man vermutet, dass es aus dem Ausdruck "Carne Vale" entstanden ist. Diese Wortkombination wurde wahrscheinlich aus dem Lateinischen (Carne Levare: Fleisch weglassen) entnommen und deutet auf den Beginn der Fastenzeit an Aschermittwoch hin.

Dreigestirn

Prinz, Jungfrau und Bauer sind bereits seit 1870 die Leitfiguren des Kölner Karnevals und auf vielen Veranstaltungen während der Karnevalszeit präsent. Sie werden von den Karnevalsvereinen des Festkomitees gewählt und bleiben jeweils für eine Saison in Amt und Würden.

Die korrekte Ansprache des Prinzen lautet "Seine Tollheit". Er ist der höchste Würdenträger des Dreigestirns und so ist auch im Karnevalszug sein Wagen der größte.

Der Bauer ist "Seine Deftigkeit" und verkörpert den Wächter der Stadt. Sein Hut ist mit 125 Pfauenfedern besetzt.

Die Jungfrau ist "Ihre Lieblichkeit" und stellt Mutter Colonia dar. Traditionsgemäß wird die Jungfrau von einem Mann dargestellt. Sie trägt römische Gewänder und eine Krone. Bauer und Jungfrau fahren im Umzug auf einem gemeinsamen Wagen.

Elf

Das Kölner Dreigestirn und alle anderen Mitglieder des Kölner Karnevals handeln seit vielen Jahren nach den elf Leitsätzen des Vereins. Die "Elf" hat allgemein eine große Bedeutung, denn die Karnevalszeit beginnt immer am 11.11. um 11.11 Uhr. Viele andere Karnevalsvereine präsentieren für ihre Karnevalssaison jeweils die "elf Gebote", nach denen sich das Faschingsvolk während der "fünften Jahreszeit" richten soll.

Faschingsgrenze

Die "fünfte Jahreszeit" hat in Deutschland verschiedene Bezeichnungen und wird regional ganz unterschiedlich gestaltet. Die so genannte "Faschingsgrenze" trennt Deutschland symbolisch und verläuft gedacht quer durch das Land.

Südlich von Bonn sowie in Sachsen und Brandenburg sprechen die Narren von Fasching oder Fastnacht. Im Norden wird Karneval gefeiert.

Gleichheitsprinzip

Das Gleichheitsprinzip ist eine der Grundregeln des Karnevals. Es bedeutet, dass alle Teilnehmer an diesem Tag gleichgestellt sind, denn Gesichter und Schicksale sind hinter Masken und Kostümen verborgen. Dieses Prinzip wird seit Jahrhunderten angewendet und stammt aus einer Zeit, als Herren und Diener im Karneval die Rollen für einen Tag tauschen und gemeinsam feiern konnten.

Hochburgen

Fasching, Fastnacht oder Karneval wird in ganz Deutschland und vielen anderen Ländern gefeiert. In einigen Regionen oder Orten des Landes sind die "närrischen Traditionen" seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Kultur und werden von Generation zu Generation weitergeführt.

  • Zu den deutschen Karnevalshochburgen gehört das Rheinland mit den Städten Köln, Düsseldorf und Mainz.
  • Weiter südlich wird die schwäbisch alemannische Fastnacht im Neckargebiet gefeiert. Hochburgen dieser Fastnacht sind Rottweil und Überlingen.
  • Im Norden gilt Braunschweig als Karnevalshochburg. Dort wird einer der längsten Umzüge Deutschlands veranstaltet.

Insignien

Insignien sind die wichtigen Zeichen der Macht während der Faschings- bzw. Karnevalszeit. In der Regel übergibt der Bürgermeister dem regierenden Prinzen oder Prinzenpaar symbolisch den Schlüssel zum Rathaus und erlaubt damit dem "närrischen Volk" das Feiern während der Karnevalssaison.

Meist tragen die Karnevalsprinzen zusätzlich ein Zepter als Zeichen der Macht. Obligatorisch sind auch Kronen, Orden und Karnevalskappen.

Eine Ausnahme ist das Dreigestirn im Kölner Karneval. Statt Zepter erhält der Prinz die so genannte Pritsche vom Kölner Oberbürgermeister. Der Bauer trägt Dreschflegel und Stadtschlüssel und die Jungfrau einen Handspiegel.

Kamellen

Kamellen sind ein fester Bestandteil jedes großen Karnevalsumzugs. Bei den - von den Zuschauern lautstark geforderten - Kamellen handelt es sich im klassischen Sinn um Karamellbonbons, die von den Wagen aus in die Menge geworfen werden.

Heute verteilen die Karnevalisten aber auch Blumen (Strüssje) und andere Süßigkeiten, die von Sponsoren gestellt werden. Dazu gehören

Lieder

Lieder sind für eine tolle Stimmung im Karnevalszug unverzichtbar. Ob

  • Märsche von Kapellen
  • Stimmungs- und Schunkellieder vom Band oder
  • neue Partyhits -

das Repertoire ist sehr breit gefächert. Auf den großen Prunksitzungen werden immer wieder neue und alte Karnevalslieder gesungen.

Eine lange Tradition in Köln haben die sogenannten "Krätzchen". Zu den überregional bekannten Stars im Karneval am Rhein gehören die Höhner oder die Bläck Föös.

Morgestraich

Der Morgestraich eröffnet die traditionelle Basler Fasnacht seit Beginn des 19. Jahrhunderts am Montagmorgen nach dem Aschermittwoch. Morgens um 4.00 Uhr wird die gesamte Straßenbeleuchtung in Basel abgeschaltet.

Danach beginnt der Umzug der maskierten "Fasnachts-Cliquen", nur von Laternen beleuchtet, die getragen werden oder auf den Wagen befestigt sind. Der Umzug wird von Musikkapellen begleitet, die das größte Pfeifkonzert weltweit spielen.

Der erste Marsch ist immer der so genannte "Morgenstreich". In der Innenstadt von Basel sind am Morgestraich viele Kneipen geöffnet und servieren besondere Spezialitäten, wie Zwiebelkuchen.

Nubbel

Der Nubbel ist jedem Kölner Karnevalisten gut bekannt. Die Strohpuppe Nubbel wird während der Karnevalszeit über Eingängen von Kneipen oder Karnevals-Locations gehängt. Die Puppe wird als "Sündenfänger" genutzt.

Das Karnevalsvolk darf alle "Schuld" auf den Nubbel abwälzen, der dann in der letzten Fastnacht öffentlich verbrannt wird.

Schunkeln

Schunkeln und Tanzen gehören zu jedem Karneval dazu. Ob im traditionellen Umzug oder bei den Prunksitzungen - Volk und Karnevalisten schunkeln sich zu den traditionellen Liedern in launige Stimmung oder tanzen ausgelassen zu angesagten Partyhits.

Stunksitzung

Die "Stunksitzung" gehört seit 1984 zum rheinischen Karneval. Sie ist das satirische Kontrastprogramm zu den offiziellen Prunksitzungen der Karnevalsvereine. Die Veranstalter laden

ein, die sich aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur widmen. Die Stunksitzung findet seit 1991 im Kölner E-Werk statt und wird vom WDR übertragen.

Tuntenlauf

Der Tuntenlauf wird vom Düsseldorfer Karnevalsverein in der Nachtresidenz veranstaltet. Die schrille Karnevalsause hat bereits Kultstatus erreicht.

Ein echter Männerwettbewerb, in dem sich das starke Geschlecht dem kostümierten Publikum bei einem Bühnenauftritt in Frauenkleidung und High Heels mit schwindelerregenden Absätzen präsentiert. Siegerin des "Tunte Lauf"-Wettbewerbs ist der Mann mit den höchsten Absätzen, der durch seine Performance und tolle Tanzeinlagen überzeugt.

Weiberfasching

Seit 1824 wird der Weiberfasching im Rheinland gefeiert. Die Wäscherinnen im Bonner Stadtteil Beuel gründeten zu jener Zeit einen eigenen Verein, um auch Frauen den Zugang zu den Feierlichkeiten und Umzügen zu ermöglichen.

Der Weiberfasching findet immer am Donnerstag vor Aschermittwoch statt. Vor allem in den Karnevalshochburgen im Rheinland strömen dann die "tollen Weiber" ab 11.11. Uhr durch die Straßen und Büros, bewaffnet mit Scheren, um den Männern die Krawatten abzuschneiden.

Y-Kutsche

Die Rosenmontagszüge im Rheinland sind vor allem wegen der vielen Wagen für die Besucher interessant. Der Karneval lebt heute vom Sponsoring und die Spender werden von den Karnevalsvereinen oft zur Teilnahme am "Zoch" eingeladen.

Wer eine größere Summe gegeben hat, fährt auf den großen Wagen oder in vierspännigen Kutschen mit. Ist die Spende zu klein ausgefallen, wird den Spendern der "billige Platz" in der zweispännigen Y-Kutsche zugewiesen.

Zoch

"Zoch" ist die Bezeichnung für die großen Umzüge im Straßenkarneval. Vor allem der Rosenmontagszug in den Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz ziehen Tausende Besucher aus dem In- und Ausland an. In anderen Regionen werden ebenfalls Umzüge veranstaltet, der Zoch im Rheinland gehört zu den größten seiner Art in Europa.

Quellen:

  • Wolfgang Hippe: Alaaf und Helau: Die Geschichte des Karnevals, Klartext-Verlagsges., 2007, ISBN 3898616983

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