Tagebücher - Geschichte, Funktion, heutige Bedeutung und Tipps zum Führen eines Tagebuchs

Wer ein Tagebuch führt, wird wissen, dass man mit jedem Eintrag eine neue Erinnerung schafft, auf die man zurückblicken kann. Schöne Erlebnisse, sowie Kummer und Ängste werden in diesem kleinen Büchlein aufbewahrt. So gilt dieses als Behüter der intimsten Geheimnisse. Das Hineinschreiben kann der Seele gut tun; außerdem hilft auch das Lesen der Einträge, denn so verarbeitet man bestimmte Geschehnisse einfacher. Lesen Sie über die heutige Bedeutung des Tagebuchs und holen Sie sich Tipps für die Einträge.

Viele Menschen schreiben Tagebuch; es dient mitunter als wichtige Hilfe und Orientierung sowie als Erinnerungsstück besonderer Erlebnisse

Die Geschichte des Tagebuchs

Die bekannte Geschichte des Tagebuchs reicht bis in die Antike zurück, aber vermutlich gibt es tagebuchähnliche Schriften schon so lange, wie Menschen Schriftzeichen kennen.

Größer werdende Bedeutung des Ich-Bewusstseins

Tagebuchähnliche Aufzeichnungen kennt man von Herrscher- und Königshäusern. Hier wurden nicht nur Kriegsgeschehen festgehalten, sondern auch Träume gedeutet. Im Mittelalter waren es vor allen Dingen Mystikerinnen und Mystiker, die in einer Niederschrift ihr Alltagsgeschehen und ihre Eindrücke festhielten.

In der Renaissance begriff man den Mensch immer mehr als schöpferisches Individuum. Durch dieses aufkeimende Ich-Bewusstsein gewannen eigene Erlebnisse an Bedeutung. Außerdem fand Papier als Schreibmaterial immer mehr Verbreitung und war gegenüber dem teuren Pergament auch einer breiteren Masse zugänglich.

Chroniken und Anschreibebücher als Vorgänger des Tagebuchs

Nun wird das alltägliche Geschehen beobachtet und aufgeschrieben, allerdings ohne es zu überdenken; die tagebuchähnlichen Aufzeichnungen sind ohne Reflexion und haben den Charakter einer Chronik. Diese Chroniken waren Vorläufer des Tagebuchs und wurden auch oft in Klöstern geschrieben.

Chroniken waren nicht für eine Einzelperson bestimmt, sondern sie waren immer für eine Gemeinschaft gedacht. Für ein Kloster, eine Stadt oder für eine Familie. Manche Bücher wurden über Generationen hinweg weitergeführt.

Bei der ländlichen Bevölkerung und den Handwerkerzünften gab es ebenfalls Bücher, die eine Frühform des Tagebuchs darstellten. Hier wurden vor allen Dingen geschäftliche Dinge verzeichnet. Bekannt sind auch die so genannten Anschreibebücher, die auch persönliche Bemerkungen enthielten.

Weiterhin findet man tagebuchähnliche Formen bei Reiseberichten in dieser Zeit. Das Reisen in ferne Länder war noch etwas Besonderes und alle Eindrücke wurden schriftlich festgehalten, um die Erlebnisse so weitergeben zu können.

Die heutige Tagebuchform

Die heutige Variante des Tagebuchs entwickelte sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Ein Tagebuch wird chronologisch geführt und ist immer eine autobiografische Aufzeichnung.

Es zeichnet sich dadurch aus, dass es regelmäßig geführt wird. Oft dient es auch einfach nur der Erinnerungshilfe. Es wird aufgeschrieben, was den Schreiber beschäftigt und auch, was ihm wichtig erscheint.

Der Tagebuchschreiber erzählt Erlebnisse und Ereignisse, aber auch seine Stimmungen und Gefühle. Aktivitäten und Unternehmungen werden ebenfalls schriftlich festgehalten.

Mädchen und Frauen schreiben öfters Tagebuch als Jungen und Männer. Männliche Schreiber neigen dazu, den Tagesablauf eher stichpunktartig festzuhalten, Schreiberinnen hingegen berichten meist ausführlicher. Für den Außenstehenden enthalten die Tagebücher oft Banalitäten, für den Schreiber allerdings sind sie bedeutungsvoll.

Wie kann Schreiben helfen?

So manches Tagebuch dient nicht nur dazu, wichtige Erlebnisse zu verarbeiten; es hat auch einen therapeutischen Nutzen. Ihm kann man alle Geheimnisse anvertrauen und weiß diese gut aufgehoben.

Da kann das Tagebuch auch eine heilende Wirkung haben, denn ihm kann der Schreiber alles mitteilen, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer Menschen nehmen zu müssen. Alles was den Schreiber beschäftigt, kann ausgedrückt und formuliert werden. Dadurch wird meist schon eine Erleichterung und Befreiung empfunden.

Der Schreiber muss nicht alles in sich "hineinfressen", er kann es ausdrücken und damit verliert es an Kraft. Das Tagebuch ist geduldig und hat Zeit, es nimmt alles Geschriebene an, ohne es zu bewerten. Damit begibt sich der Schreiber in einen Prozess, der ihm auch Zugang zu seinem Unterbewusstsein geben kann.

Verborgene Gefühle und unbewusste Inhalte können so ans Tageslicht geholt werden. Schon dadurch erfährt der Schreiber eine Veränderung und Gesundung.

Reflektion durch wiederholtes Lesen

Durch das wiederholte Lesen des Tagebuchs werden Inhalte reflektiert und können so auch verarbeitet werden. Der Leser nimmt eine andere Perspektive als der Schreiber ein.

Ein subjektiv geschriebenes Tagebuch kann so noch einmal objektiv überarbeitet werden. Dadurch erhält der Schreiber vielleicht neue Einsichten. Dinge und Ansichten die den Schreiber zutiefst beschäftigt haben, können an Wichtigkeit verlieren, negative Emotionen können transformiert werden und scheinbare Unwichtigkeiten geben vielleicht neue Aufschlüsse.

Auseinandersetzungen mit den eigenen Gefühlen

Das Tagebuch zwingt den Schreiber immer, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Dadurch rennt er nicht vor seinen Gefühlen weg, sondern setzt sich mit ihnen auseinander. Oft werden im Tagebuch auch zwischenmenschliche Beziehungen geschildert.

Gerade beim Lesen können diese noch einmal objektiv betrachtet werden. Dadurch können sie sich verändern oder Zusammenhänge und Beziehungsmuster werden klar. Häufig ändert sich auch die Einstellung des Schreibers zu dem Gelesenen und Beziehungen können dadurch eine andere Form annehmen.

Gerade in der Pubertät sind Jugendliche oft einem Gefühlschaos ausgesetzt. Die Schritte zum Erwachsenwerden sind nicht immer einfach. Da kann ein Tagebuch gute Dienste leisten.

Oft ist leider nur das Tagebuch der einzige geduldige Zuhörer. Hier können die Teenager aufschreiben, was sie bewegt und was in ihnen vorgeht.

Heutige Bedeutung

Ein jedes Kind träumt von einem Tagebuch. Schön bunt und mit einem kleinen symbolischen Schloss, wird es zum Niederschreiben oder Malen von Erlebnissen und Träumen verwendet. Doch oft verliert sich in jungen Jahren schnell das Verlangen nach dem täglichen Eintrag ins Tagebuch. Da die Kleinen lieber spielen gehen und ihre Geheimnisse mit ihren Freunden teilen, verschwindet das Buch vorerst in der nächsten Ecke.

Das Tagebuch als Schatztruhe

Ab dem Teenageralter wird das Tagebuch dann wieder interessant. Pubertierende Mädchen und Jungen vertrauen sich dem kleinen Kummerkasten an und füllen ihn mit ihren Geheimnissen, Gefühlen und mit der Last des ersten Liebeskummers. Ähnlich wie eine Schatztruhe werden Tagebücher mir den kostbarsten Gedanken gefüllt.

Bis ins hohe Alter werden Tagebücher geführt und von manchen besonders spannenden Persönlichkeiten sogar veröffentlicht. Sie zeigen uns oft auf, wie es früher einmal war und lassen uns nachvollziehen, wie ein Leben verlaufen ist. So erfahren wir aus einigen veröffentlichten Tagebüchern, wie die Menschen vor langen Zeiten gelebt haben.

Die Relevanz des Büchleins

Heute ersetzt das Tagebuch oft eine Unterhaltung mit einer Freundin, dem Partner oder gar dem Psychologen. Es gibt uns zwar keine Ratschläge, nimmt uns nicht in den Arm oder findet die Lösung für unsere Probleme, doch es nimmt uns eine Last von den Schultern, indem es unsere innersten Empfindungen und Probleme für uns festhält. Nach einiger Zeit ermöglicht es uns dann den Blick zurück und erinnert uns daran, was wir in vergangenen Zeiten schon durchgestanden haben.

Wichtig ist nur, dass das Tagebuch für Andere unzugänglich aufbewahrt wird. Sonst gelangt es in die falschen Hände und kann zu noch mehr Kummer führen.

Unter der Bettmatratze oder im Safe ist das gute Stück sicher aufgehoben. Doch die Platzierung in der Nachttischschublade oder auf dem Schreibtisch ist eine eher schlechte Idee. Überlegen Sie sich also gut, wo Sie das wichtige Büchlein verstauen und verraten Sie es Niemandem.

Tipps zum Führen eines Tagebuchs

Während das Schreiben und Reflektieren der eigenen Gedanken dem einen Menschen liegt, schafft es der andere nicht, sich darauf einzulassen. Oberstes Ziel sollte das Interesse, ein Tagebuch zu führen, sein. Mit den folgenden Tipps kann man sich anschließend darin versuchen, in die Welt des Schreibens einzutauchen.

Welches Medium?

Klassischerweise wird - wie der Name schon sagt - in ein Buch geschrieben. Doch gerade heutzutage sind auch andere Medien möglich. Wer beispielsweise nicht gerne mit der Hand schreibt, wird sich für den Computer oder das Notebook entscheiden. Dies geht in der Regel schneller, doch ein PC beispielsweise lässt sich nicht überall mit hinnehmen.

Ein kleines Notizbuch hingegen kann man immer bei sich tragen und zudem individuell gestalten, passend zu den Erlebnissen zum Beispiel mit Fotos, Tickets oder Collagen. Wer Gestaltungsmöglichkeiten sucht, wird hier fündig.

Bei einem elektronischen Dokument ist es hingegen unwahrscheinlicher, dass man es mal verliert. Gespeichert und sicher versteckt, wird es zudem von niemandem gefunden.

Beim Kauf eines Tagebuchs sollte man sich ganz nach dem eigenen Geschmack richten - ob teuer oder günstig, wichtig ist; dass man gerne hineinschreibt. Passend dazu sollte auch das Schreibwerkzeug entsprechend gewählt werden. Kugelschreiber, Füller oder Bleistift sollten sich auf jeden Fall gut anfühlen.

Welche Art von Tagebuch?

Das Tagebuch kann natürlich dafür genutzt werden, alle Gedanken, die einen beschäftigen, aufzuschreiben. Des Weiteren ist es jedoch auch möglich, sich einem speziellen Thema zu widmen und das Buch dementsprechend zu füllen und zu gestalten. Mögliche themenbezogene Tagebücher:

  • Bei einem Ideentagebuch kommt es darauf an, alle spontanen Gedanken, Inspirationen und Ideen zu notieren. Sie können auf alles Mögliche bezogen sein.

  • Das Reisetagebuch ist eine Sammlung unternommener Ausflüge und Reisen, samt Fotos, Beschreibungen und Eindrücke. Mit der Zeit kann daraus ein tolles Erinnerungsstück werden.

  • Das Übergangstagebuch steht für den Weg in einen Neuanfang. Hier kann es sich um einen neuen Job, einen Umzug oder das Elternwerden handeln. Es gibt viele Menschen, die zum Beispiel die Schwangerschaft dokumentieren; hierfür ist diese Art von Tagebuch bestens geeignet.

Es gibt viele weitere Arten von Tagebüchern - erlaubt ist, was immer einem in den Sinn kommt.

Welcher Ort zum Schreiben?

In vielen Fällen ist es so, dass Tagebuchschreiber ganz spontan ihr Buch herausholen und einen wichtigen Gedanken festhalten - sei es in der Bahn oder auf der Couch im Wohnzimmer. Andere wiederum kommen erst an bestimmten Orten in die richtige Stimmung.

Wo man am besten seine Gedanken fließen lassen kann, muss jeder für sich selbst herausfinden. Wichtig ist, dass man sich voll und ganz darauf konzentrieren kann. Viele Menschen müssen dafür alleine sein; manchmal ist es aber auch möglich, die Umgebung auszublenden.

Hier ist Ausprobieren der richtige Weg. Sicherlich hat man einen Lieblingsort, zumindest einen, an dem man sich besonders wohlfühlt. An diesem sollte man anfangen. Wichtig ist auch, verschiedene Tageszeiten zum Schreiben auszuprobieren.

Welcher Schreibstil?

Das Tagebuch ist - es sei denn, man macht es öffentlich, beispielsweise in Form eines Blogs - in der Regel nur für einen selbst bestimmt. In diesem Fall darf man stilmäßig alles verwenden, was einem in den Sinn kommt.

Viele Menschen nutzen das Buch, um ihrem Ärger Luft zu machen andere Personen gedanklich die Meinung zu sagen, etc. Fluchen kommt dabei öfter vor, schließlich soll man sich nach dem Schreiben besser fühlen. Das Tagebuch verurteilt den Schreiber nicht; hier kann man sich gehen lassen und sich alles von der Seele schreiben.

Man sollte also mit dem Schreibstil arbeiten, mit dem man sich am besten fühlt. Scham und Bescheidenheit sind hier fehl am Platz. Dabei kann man sich auch Hilfe holen - Songtexte oder Gedichte beispielsweise drücken in vielen Fällen genau das aus, was man gerade fühlt.

Solche Schnipsel kann man ausscheiden und in des Buch kleben. So kann seine Gefühle auch dann notieren, wenn man selbst nicht die richtigen Worte dafür findet. Wer selbst gerne dichtet, kann seine Gedanken natürlich auch in dieser Form aufschreiben.

Quellen:

  • Sabine Gruber: Das Tagebuch: Ein Medium der Selbstreflexion, Dr.-Ing.-H.-J.-Lenz-Stift, 2008, ISBN 3938088192
  • Eckart von Hirschhausen: Mein Glück kommt selten allein...: Tagebuch: Glück kommt mit deinem persönlichen Glücks-Tagebuch!, Rowohlt TB-V. Rnb., 2009, ISBN 3498030051
  • Ilona Lütkemeyer: Mit 80 Seiten um die Welt: Schreiben unterwegs. Ihr persönlicher Weg zum kreativen Reisetagebuch, Schibri-Verlag, 2007, ISBN 3937895582
  • Lutz von Werder und Barbara Schulte-Steinicke: Schreiben von Tag zu Tag: Wie das Tagebuch zum kreativen Begleiter wird. Ein Handbuch für die Praxis, Patmos, 2008, ISBN 3491401380
  • Rosemarie Meier-Dell'Olivo: Schreiben wollte ich schon immer: Gekonnt Tagebuch führen: schärft die Sinne, befreit die Seele. Eine Anleitung, Oesch Verlag, 2008, ISBN 3035000484
  • Rainer Tristine: Tagebuch schreiben, Autorenhaus, 2005, ISBN 393290947X

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