16. April 2010
Von Viola Reinhardt
Ob nun Telefonanbieter, Internetdienstleister, Mobilfunkbetreiber oder sogar die Agentur für Arbeit: Wer telefonisch einen Rat oder eine Auskunft haben möchte, der findet heute fast nirgends mehr einen persönlichen Ansprechpartner. In den meisten Fällen kann er sogar froh sein, wenn er überhaupt einmal an einen "echten" Menschen und nicht einfach nur an einen Automaten gerät.
Die Zeiten von Telefonvermittlung und Durchwahlnummern sind vorbei. "Kunden-" oder "Servicehotline" heißt jetzt das magische Wort. Der Anrufer landet dabei, regelmäßig, zunächst einmal bei einem Automaten und anschließend, bestenfalls, in irgendeinem beliebigen Callcenter, die in den letzten Jahren bundesweit wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Diese Einrichtungen bestechen vielfach durch unqualifizierte und darüber hinaus oft auch noch gnadenlos unverschämte Mitarbeiter. Und nur in den seltensten Fällen ist das zweifelhafte Vergnügen, mit solch einem Telefonisten zu sprechen, kostenlos.
Im Gegenteil, denn mit Gebühren von bis zu 1,49 Euro pro Minute und mehr, zum Beispiel vom Mobilfunknetz aus, sind die Kundenhotlines für die jeweiligen Unternehmen eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle. Vollkommen zu Unrecht, denn in vielen Fällen handelt es sich bei den Anrufen bei Kundenhotlines schlichtweg um Reklamationen. Dem Kunden ist ein fehlerhaftes Produkt angedreht worden oder der Dienst, für den er bezahlt, steht nicht zur Verfügung. Jetzt muss König Kunde auch noch königlich dafür bezahlen, dass er sein fehlerhaftes Produkt oder die teuer erworbene Nichtleistung beim entsprechenden Anbieter anzeigt und Abhilfe verlangt!
Nach "drücken Sie die Eins", "drücken Sie die Zwei", "drücken Sie die Drei" und "geben Sie jetzt Ihre neunzehnstellige Kundennummer ein und bestätigen Sie Ihre Eingabe mit der Rautetaste" hört er sich dann irgendwelche Musik an bis er dann schließlich, nach minutenlangem und kostspieligem Procedere, endlich an einen vollkommen inkompetenten, namenlosen Callcenter-Mitarbeiter weitergeleitet wird, der ihm dann, zum Beispiel, so abenteuerliche Dinge erzählt wie: "Ihr Handy muss sich eben erst noch an Ihre neue SIM-Karte gewöhnen"!
Die viel gepriesenen Kundenhotlines sind oft alles andere als Oasen in der Servicewüste Deutschland. Häufig sind sie nur ein Trick, dem ohnehin schon geprellten Kunden weiteres Geld aus der Tasche zu ziehen. Es bleibt zu wünschen, dass diese Unsitte in Zukunft wieder abreißt, denn sonst ist schlechter Rat dann obendrein noch teuer!
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