Der Tod ist ein unbegreifliches Phänomen, welchem wir uns zumeist nur dann widmen, wenn ein Angehöriger oder Bekannter verstorben ist. Während unseres Aufwachsens entwickeln wir unsere Auffassung vom Tod immer weiter, was sich auch direkt auf unsere Trauerarbeit auswirkt. Doch wie erleben Kinder den Tod eines ihnen nahestehenden Menschen und wie äußerst sich in einem solchen Fall deren Trauer?
Wer verstehen will, wie Kinder Tod und Trauer erleben, muss zunächst einmal wissen, was Kinder überhaupt unter Leben verstehen. So beschrieb Jean Piaget, der weltweit wohl bedeutendste Vertreter der Entwicklungspsychologie, verschiedene Stadien des Kindes im Hinblick auf die Auffassung von Leben.
Beim ersten Stadium, welches etwa vom zweiten bis zum fünften Lebensjahr andauert, wird prinzipiell alles als lebendig betrachtet, was dem Kind in seinem Leben nützlich ist oder in irgendeiner Form aktiv wird. Der Tod eines Menschen wird dann weniger als endgültiger Abschied, sondern vielmehr als ein temporäres Ausbleiben des angenehmen Reizes empfunden. Trauerphasen können sich in diesem Alter deshalb auch schnell mit normalen Gemütszuständen abwechseln, da sich das Kind dann häufig auf andere Reize konzentriert.
In der zweiten Phase, welche etwa bis zum siebten Lebensjahr andauert, gelten alle Dinge als lebendig, welche sich auch bewegen. Dabei ist es egal, ob sich ein Gegenstand von selbst bewegt oder bewegt wird. Aus diesem Grund kann es auch nicht nachvollzogen werden, dass eine Person für immer weg sein soll. Viel plausibler erscheint für Kinder dann die Erklärung, dass die Person eben gerade nicht da sei und wieder lebendig werden würde, sobald sie sich bewegt.
Die dritte Phase Piagets äußert sich durch eine genauere Definition von Leben und hält etwa bis zum elften Lebensjahr an. Nun sind nur Dinge lebendig, welche sich von selbst aus bewegen. Ist ein Gegenstand hingegen nicht in der Lage, sich selbst in Bewegung zu versetzen, gilt er als leblos. Eben diese Einsicht macht die dritte Phase auch zum Zeitpunkt, wo Kinder die Endgültigkeit vom Tod verstehen. Die Reaktionen hierauf reichen von einer Verleugnung der Tatsache und innerem Rückzug bis hin zu aggressivem und destruktivem Verhalten.
In der vierten Phase, welche frühestens ab dem 10. Lebensjahr zu erwarten ist, werden letztlich nur noch Menschen, Tiere und Pflanzen als Lebewesen angesehen. Nun sind Kinder vollständig in der Lage, die Tragweite des Todes zu erkennen und zeigen bei der Trauerarbeit ähnliche Verhaltensmuster wie ein Erwachsener. Nichtsdestotrotz herrschen im Falle eines Verlustes noch eine große Unsicherheit und starke Ängste vor, welche durch offene Gespräche und Hilfe bei der Trauerarbeit gemindert werden sollten.
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