Straßenzeitungen sind lokale Zeitungen, die ausschließlich von Menschen in sozialer Not verkauft und häufig zudem geschrieben werden. Heute gibt es rund 30 Straßenzeitungen in Deutschland, die auf der Straße, Bahnhöfen, Plätzen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln verkauft werden.
Straßenzeitungen werden vor allem von Obdachlosen angeboten, daher hat sich der Begriff der Obdachlosenzeitung durchgesetzt. Aber auch Langzeitarbeitslose und Suchtkranke können sich mit dem Verkauf der Zeitungen etwas Geld dazuverdienen. Auch das Mitwirken an der Produktion und Redaktion und Gestaltung der Straßenzeitungen steht den Obdachlosen offen.
Die Zeitungen stellen gewissermaßen eine Hilfe zur Selbsthilfe dar. Der Erlös der Zeitungen kommt den Verkäufern unmittelbar zugute. Ein wichtiger Schritt für die Obdachlosen, denn häufig können sie nach langer Zeit zum ersten Mal selbst entscheiden, was sie mit ihrem Geld machen.
Viele Straßenzeitungen werden von Organisationen realisiert, die zusätzlich soziale Projekte wie Notunterkünfte anbieten. Wie bei jeder anderen Zeitung entscheidet die Qualität über den Verkaufserfolg.
Inhaltlich machen sich die Straßenzeitungen für die Armen und Obdachlosen stark. Sie zeigen Missstände auf, benennen Konflikte und kritisieren Schwachpunkte der Sozialpolitik.
Die Vertriebsstandorte, an denen die Verkäufer die Zeitungen für etwa 40 bis 80 Cent pro Exemplar erstehen können, ist häufig ein wichtiger Treffpunkt und Kommunikationszentrum für die Obdachlosen. Bevor es an den Verkauf geht, wird dem Obdachlosen ein Verkaufsplatz zugewiesen. Dabei gelten feste Regeln für den Verkäufer. So ist der Konsum von Alkohol und Betteln während der Arbeit verboten.
Etwa 50% des Verkaufspreises können die Verkäufer nach getaner Arbeit als Gewinn einbehalten. Doch der Verkauf auf der Straße ist nicht nur ein finanzieller Zugewinn. Viele Verkäufer nutzen die Möglichkeit, mit neuen Menschen ins Gespräch und somit mit der Gesellschaft in Kontakt zu kommen und die eigene Isolation allmählich aufzugeben. So haben die alten Hasen unter den Verkäufern längst ihre treue Stammkundschaft.
Die deutschen Straßenzeitungen werden vom Bundesverband Soziale Straßenzeitungen e.V. vertreten, der nicht nur Sprachrohr ist, sondern zugleich Ansprechpartner für alle Straßenzeitungen.
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