Wie Kinder soziales Verhalten lernen

Das Sozialverhalten des Menschen ist die Grundvoraussetzung für unser heutiges Zusammenleben in Gesellschaften. Dieser Begriff umfasst dabei alle Verhaltensweisen, welche sich an andere Mitglieder der Gruppe richten und als Aktionen oder Reaktionen gewertet werden können. Es gilt also, soziales Verhalten schon in der Kindheit vermittelt zu bekommen. Lesen Sie, wie Kinder soziales Verhalten lernen und was Sie als Elternteil beachten sollten, um dies zu fördern.

Über die Entwicklung des Sozialverhaltens und Möglichkeiten, Kinder in ihrem sozialen Verhalten zu stärken - der Lernprozess ist sehr langwierig

Wer bereits als Kind lernt, was soziales Verhalten bedeutet, wird es auch im späteren Leben leichter haben. Beziehungen zu anderen Menschen werden schneller aufgebaut und im Allgemeinen ist man erfolgreicher und zufriedener.

Das Erlernen des Sozialverhaltens ist ein langwieriger Prozess. Dabei ist es einerseits interessant zu wissen, auf welchen Prinzipien dieser beruht. Darüber hinaus unterlaufen Kinder während des Wachstums verschiedene Phasen, auf welche später eingegangen werden soll.

Verschiedene Theorien über die Entwicklung des Sozialverhaltens

Heutzutage existieren unzählige Theorien, welche die Entwicklung des sozialen Verhaltens zu erklären versuchen. Viele beruhen dabei auf den Arbeiten von Freud und Claessens. Diese beiden Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Sozialverhalten bereits in frühester Kindheit entwickelt bzw. dass hier die Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt werden.

In diesem Zusammenhang spielt die Bindungstheorie eine zentrale Rolle. Diese geht davon aus, dass die Grundfähigkeit des Kindes, später soziales Verhalten an den Tag legen zu können, von der "Nestwärme" während der ersten Lebensmonate abhängt. Unter "Nestwärme" versteht man wiederum die Nähe zu Bezugspersonen und die Gesamtheit an liebevoller Zuwendung, welche ein Kleinkind erfährt.

Hierdurch lässt sich wiederum ein Urvertrauen aufbauen, welches später soziales Verhalten begünstigt. Im Laufe des Aufwachsens erweitern sich dann die Bindungsmöglichkeiten laut der Bindungstheorie immens und es kommt zunehmend zum sozialen Verhaltens eines Erwachsenen.

Die einzelnen Wachstumsphasen

  • Im ersten Monat kann ein Baby lediglich das Verhalten der Bezugspersonen imitieren. Wird beispielsweise die Zunge herausgestreckt, dann ist dies vielmehr eine Reaktion als ein autonomes Verhalten.
  • Diese Kommunikationsmöglichkeiten erweitern sich in den folgenden Monaten jedoch rapide. So können nun beispielsweise den eigenen Emotionen Ausdruck verliehen und mit Bezugspersonen stärkere Bindungen eingegangen werden.
  • Ein weiterer zentraler Schritt bei der Entwicklung des Sozialverhaltens vollzieht sich zwischen dem 2. und dem 3. Lebensjahr. Nun beginnt das Kind damit, aktiv zu kooperieren, wobei Spielkameraden gesucht werden und die eigenen Interessen erstmals in den Hintergrund treten können.
  • Dieser letzte Aspekt verstärkt sich in den folgenden zwei Lebensjahren, in welchen das Sozialverhalten unter anderem auch durch Rollenspiele weiter entwickelt wird.
  • Ab dem 6. Lebensjahr ist das Sozialverhalten des Kindes schließlich so weit abgeschlossen, dass Spiele in der Gruppe organisiert werden können und sich weitestgehend von den früheren Bezugspersonen gelöst werden kann.

Das Sozialverhalten des Kindes fördern

Damit Kinder in ihrem sozialen Verhalten gefördert werden können, sollten Eltern bei der Erziehung einige Punkte beachten. Erziehungswissenschaftlern zufolge kann man sich dabei auf bestimmte Empfehlungen stüzten.

So ist es zum einen wichtig, viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Dabei geht es um Momente, in denen man seinem Nachwuchs die volle Aufmerksamkeit schenkt, ohne durch Handy, Haushalt und Co. abgelenkt zu werden.

Hilfreich sind in diesem Zusammenhang bestimmte Rituale, wie etwa

  • gemeinsame Spiele
  • Ausflüge oder
  • die Vorlesestunde am Abend.

Dem Nachwuchs wird auf diese Weise Respekt entgegengebracht und er lernt, dass er seinen Eltern wichtig ist. Ebenfalls gilt es, tiefergehende Gespräche miteinander zu führen. Es ist wichtig, sein Kind nach seinem Befinden sowie nach seinen Sorgen und Ängsten zu fragen.

Ein starkes soziales Vorbild zu sein ist ein weiterer bedeutender Ratschlag. Man sollte sich immer wieder selbst daran erinnern, dass man der- bzw. diejenige ist, an dem sich das eigene Kind am meisten orientiert und dazu zählt auch, wie man sich anderen Menschen gegenüber verhält.

Und ebenso gehört dazu, zu seinen eigenen Fehlern zu stehen. Respekt und Ehrlichkeit sind wichtige Faktoren im Bereich des Sozialverhaltens; sich entschuldigen zu können, ist ein Teil davon.

Und schließlich sollten Eltern ihren Kindern auch mal Verantwortung übertragen. Verantwortung für jemanden oder etwas zu übernehmen, muss gelernt werden; im Kindesalter kann dies beispielsweise in Form von kleinen Aufgaben im Haushalt sein, ebenso kann man seinen Familienmitgliedern bei bestimmten Dingen helfen. Sich regelmäßig mit der Familie zusammen zu setzen trägt dazu bei, zu lernen, über bestehende Probleme zu sprechen, einander zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu finden - alles wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung eines gesunden Sozialverhaltens.

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