Analphabetismus Artikel
Teufelskreis Analphabetismus - Der Mut zum Bekennen bereitet diesem ein glückliches Ende
Von Viola Reinhardt
Was für mich als schreibende Kraft und für Sie als Leser selbstverständlich erscheint, ist für geschätzte vier Millionen Menschen allein in Deutschland ein täglicher Spießroutenlauf. Lesen und Schreiben haben die Betroffenen Analphabeten zwar irgendwann einmal in der Schule erlernt, aber beide Fähigkeiten wurden nie richtig gefördert.
Durch die Schulzeit wurde sich folglich ebenso gemogelt als auch im späteren Verlauf des Lebens im Beruflichen oder Privaten. Scham begleitet das Leben derer die sich nicht trauen offen zu sagen, dass sie weder die Speisekarte im Restaurant noch Briefe oder Straßennamen lesen können. Post selbst entziffern oder gar beantworten zu können, ist ebenso nicht möglich als auch viele alltägliche Dinge, die ein Lesen und Schreiben können bedingen. Für Analphabeten entwickelt sich ein wahrer Teufelskreis, der durch immer wieder neue Versteckspielereien irgendwann überhand nimmt und folgerichtig den Deckmantel des "Ich kann das" verliert.
Dabei gibt es auch als Erwachsener viele Möglichkeiten aus diesem Teufelskreis aktiv herauszutreten und das mit viel Erfolg. Der berühmte erste und folglich wichtigste Schritt ist allerdings, dass man offen dazu steht nicht Schreiben oder Lesen zu können! Als nächster Schritt kann dann das Lernen selbst beginnen. Sicherlich ist es nicht einfach und erfordert auch ein konsequentes Üben der einzelnen Buchstaben, Worte oder gar Wortfolgen, doch es ist in den aller meisten Fällen machbar und löst im Folgenden zahlreiche Knoten des Lebens fast berauschend auf. Hilfreiche Hände von Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen oder Fachkräften sind jedoch nötig, um dieses Lösen überhaupt erst zu ermöglichen.
Hellhörig sollte man dann werden, wenn jemand immer wieder Augenprobleme vorschützt, die Brille permanent verlegt hat oder sich auch recht offensichtlich darum drückt in irgendeiner Form zu lesen oder zu schreiben. Mit viel Feingefühl und ohne Lächerlichkeit auf den Betroffenen zugehen und versuchen herauszufinden ob tatsächlich ein Analphabetismus besteht, ist dann für viele Menschen die hilfreiche Hand auf dem Weg zum Lesen können.
Hierfür stehen viele Varianten offen. Zum einen bieten die meisten Volkhochschulen spezielle Kurse bei einer solchen Problematik an, die von geschulten Kräften durchgeführt werden, die auch die nötige Geduld beim Lehren aufbringen. Online-Kurse stehen inzwischen ebenfalls zur Verfügung wie auch Privatunterricht. Das "Alfa-Telefon" unter der Nummer 0251-533344 gibt unter Einhaltung der Anonymität eine kostenlose Beratung für Menschen mit einer deutlichen Schwäche im Lesen und Schreiben. Die Freiheit sich unbefangen durch das private und berufliche Leben bewegen zu können, kann auf der Suche nach Abhilfe der größte Motivator darstellen und wird dadurch aktiviert, in dem kein schamvolles Tabuthema mehr aus dem Analphabetismus gemacht wird.