16. April 2010
(dgk) Rosmarin, Thymian, Gewürznelke und Pfefferminze kennen wir als gebräuchliche Gewürze, die unser Essen besonders schmackhaft machen. Dass sie auch als biologische Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden können, wissen die wenigsten. US-amerikanische Forscher entwickelten Extrakte aus Kräutern und Gewürzen als umweltverträgliche und gesündere Alternative zur herkömmlichen Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft.
Die neuen biologischen Pestizide bestehen aus einer Mischung kleiner Mengen von zwei bis vier verschiedenen Kräutern, die in Wasser aufgelöst werden. Die Substanzen töten Insekten direkt ab oder halten sie fern, ohne dabei für den Menschen oder die Umwelt ungünstige Nebenwirkungen zu entfalten. Besonders konzentrierten sich die Wissenschaftler dabei auf Wirkstoffe aus den genannten Gewürzen Rosmarin, Thymian, Nelke und Pfefferminze.
Einige gewürzbasierte kommerzielle Produkte, die in der Landwirtschaft bereits eingesetzt werden, schützen schon erfolgreich Erdbeer-, Spinat- und Tomatenfelder vor Blattläusen und Milben. "Die neu entwickelten Produkte erweitern die bisher beschränkten Möglichkeiten, Schädlinge in der biologischen Landwirtschaft zu bekämpfen. Bisher gibt es nur wenige dafür geeignete Insektizide, doch ihre Zahl steigt ständig", sagt Murray Isman von der University of British Columbia, der in den letzten zehn Jahren zusammen mit Kollegen in Studien die neuen "Killergewürze" als Biopestizide testete.
Ein wichtiger Vorteil dieser sanften Methode ist, dass die bekämpften Insekten keine Resistenzen entwickeln, erklärt Isman. Zudem seien sie auch sicherer für Beschäftigte in der Landwirtschaft, die den Pestiziden oft unzureichend geschützt ausgesetzt seien und ein hohes gesundheitliches Risiko eingingen. Einen weiteren entscheidenden Vorteil der pflanzlichen Schädlingsbekämpfung sehen Experten in der Vermeidung von Rückständen sowohl in den Produkten selbst als auch in der Umwelt. Ein Teil der herkömmlichen Pestizide landet in der Luft, im Boden oder im Trinkwasser und belastet diese nachhaltig. Rein biologische Alternativen wie die Gewürzmischungen tragen demgegenüber zum Umwelt- und Klimaschutz bei.
Die Substanzen zielen auf Schlüsselrezeptoren für bestimmte Neurotransmitter, die sogenannten Ocotpamine ab, die im Nervensystem von wirbellosen Tieren und einigen wenigen Pflanzen vorkommen, jedoch nicht in Säugetieren. Ocotpamine regulieren die Herzfrequenz der Insekten und deren gesamte Bewegung. Eine Unterbrechung ihrer Funktionen kann zum totalen Zusammenbruch deren Nervensystems führen. Octopamine haben hauptsächlich eine beruhigende Wirkung auf die Insekten ähnlich wie Valium, erläutert Isman. Werden sie jedoch blockiert, so verursache dies eine Hyperaktivität, die schnell zum Tode der Insekten führe.
Derzeit haben biologische Pestizide allerdings noch einige Schwächen: So verdunsten und zerfallen ätherische Pflanzenöle beispielsweise schnell unter Sonnenlicht, zudem ist der Arbeitsaufwand größer, da Bauern sie häufiger als herkömmliche Pestizide anwenden müssen. "Die Wirkung von manchen Essenzen vergeht sogar schon nach einigen Stunden, während herkömmliche Pestizide tage- bis monatelang wirken. Da sie außerdem weniger stark sind, müssen sie in höheren Konzentrationen eingesetzt werden, um erwünschte Effekte zu erzielen", so Isman. Um diesen Nachteil aufzuholen, sucht man derzeit nach Methoden, die neuen Wirkstoffe länger haltbar und stärker zu machen.
Noch seien die konventionellen Schädlingsbekämpfungsmittel auch effektiver und die neuen Biopestizide kein "Allheilmittel", doch in Sachen Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit hätten letztgenannte Methoden eindeutige Vorteile, die sich über kurz oder lang auszahlten, meinen die Wissenschaftler. In Zukunft wollen Forscher den Einsatz anderer auf Gewürzen basierender Produkte bei Früchten und Gemüse untersuchen, um eventuell auch Mikroben wie E. coli oder Salmonellen zu zerstören, die Lebensmittelvergiftungen auslösen können. Andere Wissenschaftler erforschen derzeit das Insekten tötende Potenzial beispielsweise von Lavendel, Basilikum, Bergamotte oder Patchoulikraut sowie ein Dutzend anderer Öle, die aus exotischen in Asien vorkommenden Pflanzen gewonnen werden.
Quellen:
American Chemical Society (ASC), "Killer spices" provide eco-friendly pesticides for organic fruits and veggies, 16.08.2009, http://portal.acs.org/portal/....
UBC Reports, Vol. 53, No. 3, Mar. 1, 2007, Bugging Bugs the Natural Way,
http://www.publicaffairs.ubc.ca/ubcreports/2007/07mar01/bugs.html
Kräuter als biologische Pestizide, Öl aus Rosmarin, Nelke und Pfefferminze schützt vor Schädlingen, http://pressetext.de/news/090819016/kraeuter-als-biologische-pestizide/
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