12. September 2009
Von Viola Reinhardt
Der Mensch an sich ist der Natur schon ziemlich weit entfremdet. Umso wichtiger ist es in einer Zeit, in der Kinder teilweise daran glauben, dass die Milch in der Packung entsteht und nicht den leisesten Hauch der Ahnung haben, wie ein Igel sich bewegt oder wozu eine Spinne alles nützlich sein kann, sich im eigenen Garten eine kleine Öko-Oase zu schaffen. Das Tolle daran ist, dass man gar nicht viel dafür tun muss. Im Gegenteil.
Akkurate Rasenflächen, bei denen sich kein Grashalm trauen darf höher zu stehen als all die anderen, sind für viele Menschen das Nonplusultra des eigenen Gartens. Laub ist total verpönt und das vermeintliche Unkraut wird mit Unkrautvernichter solange bearbeitet, bis auch wirklich nichts mehr übrig bleibt. Auch keine Tiere, die doch nicht nur die Natur widerspiegeln, sondern auch den Garten gesund erhalten. Traurig ist solch ein Bild, dass mehr dem eines Katalogs als einem wundersamen Gefüge der Natur entspricht.
Doch es geht auch anders und sollte durchaus einmal angedacht werden, auch wenn es in der Reihenhaussiedlung für den guten Ton spricht, wöchentlich den Rasen zu mähen und nur Zuchtpflanzen im Garten zu erlauben. Tiere mögen solch eine fast sterile Gartenordnung gar nicht, denn dort gibt es weder genügend Nahrung, noch Rückzugmöglichkeiten. Hier ein kleines Paradies zu erschaffen, ist mit nur wenig Aufwand verbunden.
So sollte man heruntergefallene kleine Äste oder Zweige nicht rasch entsorgen, sondern in einer Ecke des Gartens zu einem Haufen aufschichten. Dass selbe gilt auch für Laub, denn beide Unterschlupfmöglichkeiten locken Igel an, die genau das zum Überleben benötigen, wobei hier das Überwintern natürlich im Vordergrund steht. Modernde Äste sind eine Oase für vielerlei Insekten, die wiederum dafür sorgen, dass Vögel sich im heimischen Garten niederlassen. Auch Fallobst ist ein Festmahl und sollte ruhig auf dem Boden liegen gelassen werden.
Wer jetzt im Herbst Sanddorn-Büsche einpflanzt, wird im kommenden Frühling Bienen an den Blüten finden und bei Reife der Beeren unterschiedliche Vogelarten. Für Spatzen und Meisen sind eine Vogeltränke im Garten ein magischer Anziehungspunkt und werden einen neben dem Baden und Wasser trinken einen mit ihrem Gezwitscher für viele Stunden am Tag dabei unterstützen sich der Natur nahe zu fühlen. Gleiches gilt für ein Vogelhäuschen, das kaum Platz benötigt, jedoch das ganze Jahr über Vögel und Siebenschläfer eine heimelige Stätte bietet.
Ein derartig gestalteter oder in Ruhe gelassener Garten wird für viele schöne Stunden sorgen. Ob Vögel, Igel, Marienkäfer oder Schmetterlinge: Gerade wer auch Kinder hat, sollte solch eine Öko-Oase nicht beiseite schieben, denn diese wird besonders den Kleinen dabei helfen die Welt in all ihrer Schönheit zu entdecken und zu verstehen. Übrigens etwas, dass ihnen kein Fernsehprogramm und kein Konsolenspiel besser und lebensnah vermitteln kann.
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