Unterschiedliche Düngerarten und Pflanzenschutzmittel (Pestizide) auf einen Blick

Gärtner holt Erde aus Kompostbehälter

Organische und mineralische Dünger sorgen für ein gesundes Pflanzenwachstum - um die Pflanzen zudem vor Schädlingen zu schützen, kommen Pestizide zum Einsatz

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  • von Paradisi-Redaktion

Damit der Stoffwechsel einer Pflanze funktionieren kann, werden Licht und Wasser benötigt. Doch auch die Beschaffenheit des Bodens, aus dem die Wurzel lebenswichtige Nährstoffe zieht, spielt für das Pflanzenwachstum eine große Rolle. Um einen Nährstoffmangel oder –überschuss im Boden zu verhindern, kommt es darauf an, dem Boden mit der richtigen Düngerart in der auf die Pflanze abgestimmten Menge Nährstoffe zuzuführen. Pflanzenschutzmitteln geht es darum, das Wachstum von Nutzpflanzen zu optimieren und störende Faktoren sowie Schädlinge zu eliminieren. Sie finden sowohl in der Landwirtschaft als auch im Hausgarten Verwendung.

Dünger und Pflanzenschutzmittel für ein gesundes Pflanzenwachstum

Pflanzennährstoffe lassen sich in Hauptnährstoffe und Spurenelemente einteilen. Zu den Hauptnährstoffen gehören

Wichtige Spurenelemente sind

Damit der Gartenbesitzer die Nährstoffverhältnisse seines Gartenbodens kennt, ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit Bodenproben zu entnehmen und diese untersuchen zu lassen. Dies kann beispielsweise bei einem Gartenbauverein geschehen. Von dort kann der Gärtner Düngeempfehlungen einholen, sofern er bei Abgabe der Bodenprobe weiß, welche Pflanzenarten er anbauen möchte.

Unterschiede

Auch beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geht es darum, das Wachstum von Nutzpflanzen zu optimieren und störende Faktoren sowie Schädlinge zu eliminieren. Sie finden sowohl in der Landwirtschaft als auch im Hausgarten Verwendung.

Dünger und Pflanzenschutzmittel unterscheiden sich in ihrer Zielsetzung: Dünger soll durch Bereitstellung der benötigten Nährstoffe das Pflanzenwachstum fördern, Pflanzenschutzmittel dienen dazu, schädliche Einflüsse jeder Art fern zu halten, die dieses Wachstum stören könnten.

Die Wirkungsweise von Dünger beruht auf dem Minimumgesetz. Dieses besagt, dass das Wachstum einer Pflanze von demjenigen Nährstoff begrenzt wird, der bezogen auf den Bedarf der Pflanze am knappsten ist, auch wenn andere Wachstumsfaktoren ausreichend oder sogar im Überfluss vorhanden sind. Meist handelt es sich bei den fehlenden Nährstoffen um Stickstoff, Phosphor oder Kalium.

Unterschiedliche Arten von Düngern

Dünger kann der Pflanze in mineralischer oder organischer Form bereitgestellt werden. Wichtig ist, dass dies zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Zusammensetzung geschieht.

Mineraldünger

Mineraldünger werden als Einzeldünger oder als Mehrnährstoffdünger angeboten. Ein so genannter Volldünger versorgt den Garten auf die einfachste Art, da dieser eine ausgewogene Zusammensetzung aller Nährstoffe und Spurenelemente besitzt.

Die meisten Bodenanalysen ergeben, dass ein Volldünger möglichst phosphat- und kaliumarm ausgewählt werden sollte, da viele Gartenböden ohnehin eine Überversorgung durch Phosphor und Kalium aufweisen. Die wichtigsten mineralischen Dünger sind also Stickstoff und Magnesium.

Alles im rechten Maß

Allerdings müssen auch diese beiden Düngemittel richtig dosiert sein. Ein Stickstoffmangel schmälert das Pflanzenwachstum und den Ernteertrag, eine Überdosierung hingegen macht die Pflanze krankheitsanfälliger.

Außerdem würde der Nitratgehalt im Boden steigen, wovon aus ökologischer Sicht abzuraten ist. Stickstoffgaben sind nur während der Vegetationszeit empfehlenswert, da dieser Dünger sich nicht im Boden speichern lässt.

Organische Dünger

Organische Dünger entstehen aus tierischen und pflanzlichen Abfallprodukten. Ihre Zusammensetzung ist sehr unterschiedlich und im Gegensatz zu mineralischen Düngern wirken sie zeitverzögert. Damit die Pflanze einen organischen Dünger nutzen kann, müssen Mikroben die Nährstoffe erst entsprechend umwandeln.

Zu den organischen Düngern zählen

  • Kompost
  • Gründüngungspflanzen
  • Stallmist, aber auch
  • Ernterückstände.

Die Zugabe von organischen Düngern führt zu einer deutlichen Verbesserung des Humusgehaltes im Boden, auf zusätzliche Phosphorgaben kann häufig verzichtet werden.

Weitere Unterscheidungsmöglichkeiten

Neben der Art der chemischen Verbindung sowie der Anzahl der Nährstoffe unterscheidet man beispielsweise auch nach der Entstehung. So gibt es mitunter den Wirtschaftsdünger, der im landwirtschaftlichen Betrieb entsteht, wie etwa Jauche, Gülle oder Gärreste.

Nach Art und Wirkung lassen sich Pflanzendünger und Bodendünger unterscheiden. Während der Pflanzendünger direkt von der Pflanze aufgenommen werden kann und dadurch die Fruchtbarkeit des Bodens verbessert, dienen Bodendünger in erster Linie der Verbesserung der Nährsubstrate.

Nach Wirkungsgeschwindigkeit unterteilt man Dünger in schnell wirkende und langsam wirkende Dünger. Die Nährstoffe der schnell wirkenden Variante sind sofort für die Pflanze verfügbar; langsam wirkende Dünger müssen erst im Boden umgesetzt werden.

Im Bereich der Dünger nach Mengenbedarf der Pflanze gibt es Makronährstoff- und Mikronährstoffdünger. Erstere enthalten Nährstoffe, die die Pflanzen in großen Mengen benötigen, während die Mikronährstoff-Düngemittel sie mit Spurennährstoffen geringer Menge versorgen. Letztere werden im Gegensatz zu den Makronährstoffdüngern auch über das Blatt verabreicht.

Nach Aggregatzustand unterscheidet man noch feste und flüssige Dünger und nach Art der Applikation die Bodenapplikation, Blattapplikation sowie die Fertigation, bei der das Mittel im Gießwasser aufgelöst wird.

Verursachen Düngemittel Treibhausgase?

Vier schwarz-weiße Kühe weiden auf einer grünen Wiese unter blauem Himmel
Um sich blickende Rinder © countrypixel - www.fotolia.de

Klimaforscher vermuten schon seit einiger Zeit, dass auch synthetische Düngemittel für die Treibhausgase, Distickstoffmonoxid, verantwortlich sind. Dieses Gas ist im Volksmund auch als Lachgas bekannt und steht an dritter Stelle der Treibhausgase nach dem Kohlendioxid (CO2) und dem Methan (CH4). Besonders seit den 60-er Jahren ist der Anteil stark gestiegen, weil die Herstellung von synthetischen Dünger günstiger geworden ist. Aber bisher konnte man wissenschaftlich den eigentlichen Zusammenhang nicht beweisen, weil man die Herkunft der Moleküle nicht feststellen konnte.

Doch jetzt haben internationale Wissenschaftler dies möglich gemacht. Dafür wurden Luftblasen, die sich im Laufe der Zeit zwischen 1940 und 2005 im antarktischen Eis untersucht und mit Daten einer Wetterstation auf der australischen Insel Tasmanien verglichen. So hat sich im Laufe der Jahre neben der Erhöhung von Distickstoffmonoxid in der Atmosphäre auch das Verhältnis seiner Isotope verändert. Im Fazit kann man somit auch die Herkunft des Stickstoffmonoxid bestimmen, ob es von der Landwirtschaft oder aus den Regenwäldern stammt.

Neuartiger Dünger lässt Unkraut keine Chance

Blumenerde mit Mineraldünger auf grüner Schaufel
Mineraldünger - mineral fertilizer 10 © Lianem - www.fotolia.de

Das Mexikanische Zentrum für die Genetik der Biodiversität in Irapuato hat einen neuen Pflanzendünger entwickelt, dessen Nährstoffe dem Unkraut neben den Pflanzen nicht schmecken. Bislang wurde der Dünger bei der Ackerschmalwand erfolgreich getestet, was unter Pflanzengenetikern eine beliebte Modellpflanze für Untersuchungen ist.

Für ihr Wachstum benötigen Pflanzen große Mengen Phosphat, welches allerdings auch dem Unkraut schmeckt. Beim Molekül Phosphit sieht es da schon anders aus, da die gentechnisch veränderte Pflanze daraus selbstständig Phosphor erzeugen kann und das Unkraut ohne Nahrung bleibt.

Somit könnte man in Zukunft Phosphit als Phosphorquelle nutzen, wobei es laut den Forschern keineswegs ein Ersatz für Phosphat ist.

Unterschiedliche Arten von Pestiziden

Das Wachstum einer Pflanze kann nicht nur durch Nährstoffmangel beeinträchtigt werden, sondern auch durch diverse schädliche Einflüsse. Es kann sich dabei um die Konkurrenz durch Unkräuter handeln, die der Nutzpflanze Licht und Wasser nehmen, aber auch um schädliche Organismen wie etwa Bakterien, Milben, Würmer, Schnecken oder Insekten.

Für jeden Schädling gibt es spezifische Wirkstoffe; manche dieser Wirkstoffe sind auch in der Lage, mehrere Schädlinge zugleich zu bekämpfen. Auch Kombipräparate mit verschiedenen Wirkstoffen sind möglich. Eine Sonderrolle unter den Pflanzenschutzmitteln nehmen die Wachstumsregulatoren ein, die nicht gegen schädigende Einflüsse wirken, sondern die Entwicklung der Nutzpflanze im Sinne des Landwirts oder Gärtners regulieren.

Die Darreichungsformen unter den Pflanzenschutzmitteln sind vielfältig und abhängig vom Zielorganismus. Wasserlösliche Pestizide werden meist mittels einer Spritztechnologie auf die Felder ausgebracht.

Für bestimmte Schädlinge, etwa Schnecken oder Ratten, gibt es auch mit Lockstoffen angereicherte Fraßköder. Für Pflanzenschutzmittel ist in Deutschland eine Zulassung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit notwendig.

Gefahren durch Pestizide

Pflanzenschutzmittel dienen der Sicherstellung der Ernte, geraten aber bisweilen auch in die Kritik. Der Grund sind meist unerwünschte Ablagerungen der Wirkstoffe im Boden, im Grundwasser oder in den geernteten Lebensmitteln selbst, die die Gesundheit gefährden können. Oft ist hier auch ein unsachgemäßer Gebrauch von Pestiziden die Ursache.

Eine weitere Gefahr liegt in der Resistenzbildung: Wird dasselbe Mittel wiederholt angewandt, können die Zielorganismen durch Anpassungsleistungen eine Unempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff entwickeln, sodass dieser seine Wirkung einbüßt. Die ökologische Landwirtschaft zeichnet sich unter anderem durch den Verzicht auf den Einsatz verschiedener Pflanzenschutzmittel aus.

Gefährliche Pestizide: WHO sieht bei fünf Stoffen erhöhte Krebsgefahr

Wenn sich die Gefahr für Schädlinge auf die Gesundheit des Menschen ausbreitet

Blätter eines kleinen Baums werden besprüht
Picture of spray and spraying leafs of small tree © pitrs - www.fotolia.de

Pestizide sind weltweit im Einsatz, um angebaute Lebensmittel von Schädlingen zu befreien, Wohnräume sauber zu halten und Krankheiten zu behandeln. Die Gefährdung des Menschen soll dabei so gering wie möglich gehalten werden, was jedoch oft gar nicht so einfach ist.

Nun hat die IARC, die "Internationale Agentur für Krebsforschung" einen Bericht der WHO veröffentlicht, der vielen Menschen zu denken gibt. Die Weltgesundheitsorganisation hatte im Zuge einer Studie verschiedene Pestizide genauer unter die Lupe genommen und spricht für fünf eine Krebswarnung aus. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die größtenteils noch immer im Einsatz sind.

Krebserregende Stoffe und Mittel

  • Der Wirkstoff "Glyphosat",
  • der Stoff "Diazinon" und
  • das Mittel "Malathion"

sind laut Einschätzung der WHO mit hoher Wahrscheinlichkeit krebserregend. Das bedeutet, dass im Tierversuch eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass die Substanzen bei Labortieren Krebs auslösen und es ferner Hinweise gibt, dass auch Menschen durch den Kontakt Krebs bekommen haben.

Die beiden anderen Pestizide - "Parathion" und "Tetrachlorvinphos" - bekamen die Bewertung, dass sie möglicherweise eine Krebsgefahr mit sich bringen. Hier gab es bedenkliche Ergebnisse in Tierversuchen, jedoch (noch) keine Daten von Menschen.

Glyphosat, Tetrachlorvinphos und Malathion

Als besonders bedeutend gilt in medizinischen Kreisen die neue Risikoeinschätzung von "Glyphosat". Dieses Pestizid ist immerhin schon seit 1973 im Einsatz und da es kein Patent mehr auf den Wirkstoff gibt, haben viele Hersteller das Mittel für ihre Produkte genutzt. Schätzungsweise gibt es heute 750 Produkte, die mit Glyphosat arbeiten und das nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in Forstbetrieben und städtischen Wohnungen.

Das Mittel "Malathion" kommt sogar unmittelbar mit Menschen in Kontakt, da es als Wirkstoff gegen Kopfläuse in Medikamenten vorhanden ist.

Tetrachlorvinphos ist dagegen seit 2003 in der EU und auch in den USA verboten und findet keine Anwendung mehr. Die übrigen beiden Pestizide kommen nur noch selten zum Einsatz, sind jedoch aus der Landwirtschaft noch nicht ganz verschwunden.

Die Vielfalt unterschiedlicher Pflanzenschutzmittel ist groß - im Folgenden gehen wir auf die verschiedenen Pestizide ein.

Herbizide

Herbizide dienen zur Bekämpfung von Unkräutern, die mit den Nutzpflanzen um Licht, Wasser und die Nährstoffe aus dem Boden konkurrieren und so deren Wachstum empfindlich stören können. Man unterscheidet selektive Herbizide und Breitbandherbizide, letztere werden wiederum ihrer Wirkungsweise entsprechend in Photosynthesehemmer und Aminosäuresynthesehemmer unterteilt.

Photosynthesehemmer

Photosynthesehemmer sind Herbizide, die die lebenswichtige Umwandlung von Lichtenergie zu chemischer Energie in den Unkräutern unterbindet und sie so abtötet. Die Aufnahme der Photosynthesehemmer in die Pflanze erfolgt durch Blätter und grüne Pflanzenteile; es handelt sich somit um so genannte Kontaktherbizide.

Zur Wirkstoffgruppe der Photosynthesehemmer zählt neben dem hochgiftigen Diquatdibromid insbesondere das Paraquat, das das Photosystem von Unkräutern so beeinflusst, dass schließlich die Zellmembranen zerstört werden: Das Unkraut vermag kein Wasser mehr zu binden und vertrocknet.

Aminosäuresynthesehemmer

Ein anderer Weg, gegen Unkräuter vorzugehen, ist es, die Bildung der lebenswichtigen Aminosäuren zu stören. Das Herbizid Glyphosat etwa blockiert die Bildung von Phenylalanin, Tryptophan und Tyrosin.

Ein weiteres Beispiel für Aminosäuresynthesehemmer ist das Glufosinat. Es verhindert die Bildung der Aminosäure Glutamin, die ihrerseits ein wesentlicher Baustein für die Synthese weiterer biochemischer Verbindungen ist. Unter der Einwirkung von Glufosinat stirbt zuerst das Blatt und schließlich die gesamte Pflanze ab.

Breitbandherbizide und selektive Herbizide

Sowohl Photosynthesehemmer als auch Aminosäuresynthesehemmer sind so genannte Breitbandherbizide; sie wirken also gegen jedes Unkraut, das mit ihnen in Kontakt kommt. Da sie außerdem in ihrer Wirkung nicht zwischen Unkraut und Nutzpflanze unterscheiden, werden sie vor allem dazu verwendet, den Boden vor der Aussaat unkrautfrei zu machen. Damit gehören sie in die Gruppe der Vorauflaufherbizide.

Eine Ausbringung von Breitbandherbiziden ist in Ausnahmefällen auch dann möglich, wenn die Nutzpflanze bereits ausgesät wurde, jedoch nur dann, wenn diese mittels Gentechnik eine Resistenz gegen das jeweilige Herbizid entwickelt hat und so unempfindlich gegen dessen Wirkung geworden ist. Diese Problematik entfällt, wenn anstelle von Breitbandherbiziden selektive Herbizide verwendet werden, die ausschließlich gegen Unkräuter oder sogar nur gegen eine bestimmte Art von Unkräutern, etwa Gräser, wirken.

Als Nachauflaufherbizide können sie während der gesamten Wachstumsphase der Nutzpflanze angewendet werden. Zu den selektiven Herbiziden gehören zum Beispiel die 1,3-Cyclohexandione, die den Fettsäurestoffwechsel von Gräsern angreifen.

Insektizide

Insektizide sollen Nutzpflanzen vor schädlichen Insekten wie etwa Schildläusen oder Kartoffelkäfern schützen. Diese und deren Larven ernähren sich von Pflanzensaft oder grünen Pflanzenteilen und können so die Ernte erheblich beeinträchtigen. Ein wirksames Insektizid sollte die Schädlinge bekämpfen, gleichzeitig jedoch für nützliche Insekten wie etwa Bienen ungefährlich sein.

Nervengifte

Viele Insektizide sind Nervengifte. Sie wirken, indem sie im Zielorganismus das Enzym Acetylcholinesterase ausschalten, dessen Aufgabe der schnelle Abbau von Neurotransmittern ist – ein notwendiger Vorgang, der den Zeitabstand zwischen verschiedenen Nervenreizen möglichst kurz halten soll.

Wird das Enzym blockiert, kommt es zu einer Überreizung der Nerven und zu Störungen in der Signalübertragung, die wichtige biologische Prozesse steuert. In der Folge versagen Atmung und Muskulatur inklusive des Herzmuskels.

Auf diese Weise wirken beispielsweise Phosphorsäureester oder Carbamate. Sie werden, je nach Substanz, von den Schädlingen gefressen oder eingeatmet; in einigen Fällen genügt auch schon der bloße Kontakt mit dem Präparat, um die Wirkung des Giftes auszulösen.

Phosphorsäureester und Carbamate können bei einem akuten Schädlingsbefall benutzt werden und werden nach einigen Wochen von selbst wieder abgebaut. Um eine Gefährdung des Menschen zu vermeiden, sollten sie jedoch nicht unmittelbar vor der Ernte eingesetzt werden.

Ebenfalls zu den Nervengiften zählen die Neonicotinoide. Da diese sich jedoch im Boden anreichern und zudem im Verdacht stehen, neben den Schädlingen auch Bienen zu töten, wurden einige Wirkstoffe dieser Gruppe inzwischen verboten.

Störung der Ausreifungsvorgänge

Die Entwicklung der Larve zum ausgewachsenen Insekt zu stören ist eine weitere Möglichkeit, Schädlinge zu bekämpfen. Mit dieser Methode kann man jedoch nur gegen die kommende Generation von Insekten angehen; bereits ausgewachsene Tiere bleiben von dieser Art der Insektizide unbeeinträchtigt.

Durch verschiedene Benzoylharnstoffe stören Insektizide dieser Wirkstoffgruppe die Ausbildung des Chitinpanzers, ohne den die entsprechenden Insekten nicht lebensfähig sind. Sie sterben also in einer frühen Entwicklungsstufe ab.

Fenoxycarb wirkt als Analogon zum natürlichen Juvenilhormon bei Insekten, das die Häutung von Insekten im Entwicklungsstadium reguliert. Es führt zu einer Überzahl an Häutungen, in deren Folge Missbildungen auftreten. Das Tier stirbt, bevor es das Erwachsenenstadium erreicht.

Fungizide

Da sich Pilzsporen, etwa von Mehltau oder Schimmelpilzen, ständig in der Luft befinden, kommt ein Pilzbefall in der Landwirtschaft oder im Gartenbau relativ häufig vor. Fungizide schützen die Pflanzen vor Pilzen, indem sie das Eindringen der Pilzfäden in die Pflanze verhindern oder von vornherein eine Keimung der Pilzsporen unterbinden. Über die Wachstumsphase einer Nutzpflanze hinweg werden meist mehrere Behandlungen mit Fungiziden vorgenommen.

Das Beizen von Saatgut

Die erste vorsorgliche Behandlung mit Fungiziden, das so genannte Beizen, betrifft bereits das Saatgut.

  • Dabei wird die Saat entweder in eine Fungizid-Lösung eingetaucht oder
  • das Mittel liegt als Pulver vor, das untergemischt wird.
  • Eine weitere Möglichkeit ist das Versprühen des Beizmittels im Lagerraum.

In jedem dieser Fälle werden mögliche Pilzsporen im Saatgut vollständig abgetötet, damit der spätere Keimling nicht mehr infiziert werden kann.

Systemische Fungizide für Jungpflanzen

Insbesondere für junge Pflanzen sind systemische Fungizide gut geeignet, also solche, die durch das Blatt oder durch die Wurzeln aufgenommen werden und sich dann über das Transportsystem der Pflanze innerhalb derselben verteilen. Triazole, Benzimidazole und Morpholine gehören zu dieser Wirkstoffgruppe.

Auch die verschiedenen systemischen Fungizide wirken wie die Saatgutbeize meist vorbeugend, da eine Verteilung des Mittels innerhalb der Pflanze kaum mehr möglich ist, wenn bereits ein starker Pilzbefall vorliegt. Die Fungizide verändern entweder die Physiologie des Blattes in einer Weise, die ein Eindringen von Pilzes unmöglich macht, oder sie wirken direkt auf die Pilzporen ein und verhindern deren Keimung.

Verschiedene Kupferverbindungen etwa setzen Kupferionen frei, die die Enzyme der Pilzsporen auszuschalten vermögen und so die Keimung verhindern. Der so genannte Netzschwefel unterbricht innerhalb der Pilzsporen die mitochondriale Atmungskette und stört so die Keimbildung.

Fungizide mit Kontaktwirkung und Depotwirkung

Im Gegensatz zu systemischen Fungiziden verteilen sich Kontaktfungizide nicht in der Pflanze, sondern legen sich auf das Blatt und entfalten dort ihre unmittelbare Wirkung. Ihr Nachteil ist, dass sie mit jedem Regen abgewaschen werden und danach neu aufgebracht werden müssen, was zu einem hohen Verbrauch an Fungiziden führen kann.

Diese Problematik entfällt bei Fungiziden mit Depotwirkung. Diese richten in der Kutikula, also der obersten Schicht des Blattes, ein Wirkstoffdepot ein und geben von dort aus die Wirkstoffe nach und nach an das Blatt ab.

Kurative und eradikative Fungizide bei vorhandenem Befall

Fungizide, die nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch einen bereits vorhandenen Pilzbefall bekämpfen können, gibt es erst seit den 1980er Jahren. Man unterscheidet zwischen kurativen Fungiziden, die gegen einen Befall im Anfangsstadium wirken, und eradikativen Fungiziden, die einen Befall selbst dann noch bekämpfen können, wenn sich bereits sichtbare Symptome zeigen.

Rodentizide

Rodentizide dienen der Bekämpfung von Nagetieren. Sie werden meist in Lagerräumen eingesetzt, wo Nager Getreide fressen und, was schwerer wiegt, verunreinigen können. Die meisten Rodentizide wirken als Blutgerinnungshemmer, daneben gibt es verschiedene giftige Phosphide.

Blutgerinnungshemmer

Die Wirkung sämtlicher Blutgerinnungshemmer beruht auf ihrer strukturellen Ähnlichkeit zu Vitamin K. Dieses dient der Synthese verschiedener Eiweißstoffe in der Leber, die bei der Blutgerinnung benötigt werden. Befinden sich jedoch Rodentizide im Körper des Nagetiers, besetzen diese anstelle des Vitamins K die zur Bildung von Gerinnungsfaktoren benötigten Enzyme.

Die Struktur der Gerinnungsfaktoren wird dahingehend verändert, dass diese sich nicht mehr an die Wundoberfläche zu binden vermögen. Kommt es nun zu einer Verletzung, fällt die Fähigkeit zur Blutgerinnung aus, die Wunde kann nicht geschlossen werden und das Tier verblutet.

Die meisten Blutgerinnungshemmer sind für Menschen zwar gesundheitsschädlich, aber nicht giftig. Sie haben außerdem den Vorteil, dass das betroffene Tier nicht unmittelbar neben den Fraßködern verendet und damit deren Akzeptanz bei Artgenossen stört.

Dennoch sind Blutgerinnungshemmer in jüngerer Vergangenheit in die Kritik geraten, da sie nicht nur bei Nagern, sondern auch bei Eulen oder Mäusebussarden wirken, also den natürlichen Feinden der Nagetiere. Zudem wurden einige umweltgefährdende Eigenschaften festgestellt, sodass für den Erwerb und Gebrauch dieser Stoffe inzwischen ein Sachkundenachweis erbracht werden muss.

Phosphide

Eine andere Wirkstoffklasse unter den Rodentiziden sind die Phosphide, also etwa Aluminiumphosphid oder Magnesiumphosphid. Diese Stoffe werden als Gas eingesetzt und bilden unter dem Einfluss von Luftfeuchtigkeit hochgiftigen Phosphorwasserstoff, der in die Behausungen der Nagetiere eindringt und sie dort tötet.

Pestizide im Schrebergarten

Gras an Zaun wird mit Gartenscherze geschnitten
Grass schneiden © Birgit Reitz-Hofmann - www.fotolia.de

Pestizide kommen überall zum Einsatz. Ob auf dem Acker, im Wald oder in Parks und Grünanlagen - überall sollen die Pflanzengifte Parasiten bekämpfen oder unliebsame Gewächse, wie etwa Quecken, beseitigen. Doch auch viele Kleingärtner wenden die Mittel an.

In Deutschland landen mehr als 500 Tonnen Pestizide im Jahr auf Blumen, Bäumen und Gemüsebeeten. Auch bei der Rasenpflege wird nicht selten die Giftspritze angewendet. Die Mittel gibt es in jedem Gartencenter oder Baumarkt. Es sind die gleichen Stoffe, die auch auf dem Acker verwendet werden.

Zwar sind sie lediglich in kleinen Verpackungseinheiten im Handel, aber sie sind für Wasserlebewesen und nützliche Insekten durchaus gefährlich. Es gibt zudem keine behördliche Kontrolle für die Anwendung im Schrebergarten. Eine Überdosierung ist trotz Haushalts-Packungsgröße leicht möglich und kann fatale Folgen für die nähere Umwelt haben.

Eine kleine Einschränkung wird es ab November 2015 geben. Auf Betreiben der EU dürfen bestimmte Pflanzenschutzmittel nur noch bei der Vorlage eines Sachkundenachweises gekauft werden. Für diesen ist eine entsprechende fachliche Ausbildung erforderlich.

Umweltschützer raten zu naturverträglichen Alternativen, die eine ähnliche Wirkung erzielen. Zudem, so empfehlen Fachleute, sei nicht jeder vermeintliche "Schädling", nicht jedes angebliche "Unkraut" auch wirklich ein Problem für den Garten.

Nematizide

Nematizide dienen zur Bekämpfung von Fadenwürmern. Im Boden lebende Fadenwürmer schädigen die Nutzpflanzen, indem sie in deren Wurzeln eindringen und so die Versorgung der Pflanze mit Wasser und Nährstoffen stören. Damit Nematizide richtig wirken können, müssen sie in den Boden gelangen; die Felder werden also entweder mit Nematiziden begast oder mit einem wasserlöslichen Wirkstoff gespritzt.

Als Nematizide werden beispielsweise verschiedene Phosphorsäureester benutzt, die im Übrigen auch gegen Insekten und Milben Wirkung zeigen. Phosphorsäureester sind Nervengifte; sie blockieren also die Weiterleitung von Nervensignalen, was in der Folge zu einer Atemlähmung und zum Herzstillstand führt. Eine andere Wirkstoffklasse, jedoch mit ähnlichem Wirkprinzip, sind die Halogenkohlenwasserstoffe.

Akarizide

Akarizide wirken gegen Spinnmilben. Spinnmilben schädigen insbesondere Obstbäume und Rebstöcke; einige der rund 1.200 Arten können jedoch auch Gemüsepflanzen befallen. Die Schädlinge leben an den Unterseiten der Blätter, saugen dort Pflanzensaft und können so insbesondere junge Triebe gänzlich zerstören.

Viele Akarizide, darunter Acequinocyl, Fenazaquin, Fenpyroximat und Tebufenpyrad, hemmen den mitochondrialen Elektronentransport im Zielorganismus und stören so den elementaren biologischen Vorgang der Zellatmung. Andere Akarizide wie etwa das in Deutschland nicht als Pflanzenschutzmittel zugelassene Amitraz wirken auf das Gehirn und lösen Lähmungserscheinungen aus.

Wie auch einige andere Akarizide, gilt Amitraz als gefährlich für Bienenvölker in der Nähe des Einsatzortes. Grundsätzlich sollte ein Akarizid gewählt werden, das für die natürlichen Feinde der Spinnmilben, also etwa Raubmilben, Raubwanzen, Florfliegen oder Marienkäfer, unschädlich ist.

Molluskizide

Molluskizide werden zur Bekämpfung von Schnecken eingesetzt. Sie werden meist in Form von Fraßködern angeboten, die einen Lockstoff für Schnecken enthalten und so als attraktives Futter erscheinen. Der gebräuchlichste Wirkstoff ist Methiocarb, auch Kombi-Präparate aus Methiocarb und Metaldehyd sind möglich.

Methiocarb ist ein Nervengift, das ähnlich wie viele Insektizide das Enzym Acetylcholinesterase blockiert, wodurch es zu Störungen in der Übertragung von Nervensignalen kommt. In der Folge dieses Vorgangs geht der Muskeltonus verloren und das Tier stirbt.

Bei der Verwendung von Methiocarb im Obst- und Gemüseanbau ist eine Karenzzeit vorgeschrieben, was bedeutet, dass zwischen der Verwendung dieses Molluskizids und der Ernte mindestens 14 Tage liegen müssen. Außerdem sollte bedacht werden, dass dieser Wirkstoff auch solche Schnecken tötet, die wie die Weinbergschnecke unter Naturschutz stehen. Das in Kombipräparaten vorkommende Metaldehyd kann auch für Kinder und Säugetiere tödlich sein.

Ein alternativer Wirkstoff ist Eisen(III)-phosphat. Er stört den Wasserhaushalt von Schnecken, die unter seinem Einfluss innerhalb kurzer Zeit austrocknen.

Bakterizide

Die Bekämpfung von Bakterien ist diffizil, denn einerseits sind sie in einem fruchtbaren Boden quasi allgegenwärtig und auch durchaus notwendig für ein gesundes Pflanzenwachstum, andererseits können sie, wenn sie durch eine Verletzung in die Pflanze selbst gelangen, zu Wurzelfäulnis und letztlich zum Absterben der Pflanze führen. Ein Beispiel für bakterienbedingte Schädigung ist die Fettfleckenkrankheit bei Bohnen.

Bakterizide töten Bakterien vollständig ab, und zwar entweder durch die Zerstörung von deren Zellmembran (Bakteriolyse) oder durch Einwirkung auf deren Stoffwechsel, indem beispielsweise die Synthese von Nukleinsäuren gestört wird.

Wachstumsregulatoren

Wachstumsregulatoren unterscheiden sich von anderen Pflanzenschutzmitteln dadurch, dass sie nicht etwa dazu dienen, die Nutzpflanze vor Schädlingen oder konkurrierenden Unkräutern zu schützen, sondern allein auf die fragliche Pflanze selbst und deren Entwicklung einwirken.

Dabei geht es jedoch nicht, wie es bei Düngemitteln der Fall ist, um die Förderung des Wachstums. Im Gegenteil sollen Wachstumsregulatoren bei Getreide das Wachstum hemmen, da bei einem gleichen Ertrag an Körnern kürzere Halme der Pflanze mehr Stabilität verleihen und deshalb vorteilhaft sind. Ein anderes Anwendungsgebiet für Wachstumsregulatoren ist die Verhinderung der Keimbildung an Kartoffeln.

Der Eingriff in das pflanzliche Wachstum erfolgt mittels Phytohormonen. Es handelt sich dabei um Botenstoffe, wie sie auch von Natur aus in höheren Pflanzen vorkommen und in Abhängigkeit von der Umwelt das Wachstum der Pflanze sowie die Entwicklung von Samen und Frucht steuern. Als Wachstumsregulatoren werden auch synthetische Nachbildungen dieser Pflanzenhormone verwendet.

Mittel zur Bodenentseuchung

Zur chemischen Bodenentseuchung werden meist Phosphorsäureester oder Halogenkohlenwasserstoffe verwendet. Sie wirken vorrangig gegen im Boden ansässige Fadenwürmer, aber auch gegen Milben und Insekten.

Bei beiden Wirkstoffen handelt es sich um Nervengifte, die die Weiterleitung von Nervensignalen in betroffenen Organismen stören und so deren Tod verursachen. Natürlich wirken sie nur gegen Organismen, die über ein Nervensystem verfügen.

Das sinnvollere Mittel zur Bodenentseuchung ist deshalb heißer Wasserdampf. Er tötet nicht nur unerwünschte

ab, ohne dass man sich Sorgen um eventuelle Rückstände im Grundwasser, im Boden oder gar in der Ernte machen müsste, sondern er setzt auch blockierte Nährstoffe frei und sorgt so für ein gesundes Wachstum der Nutzpflanzen.

Grundinformationen zum Düngen mit Düngemitteln

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Gardener tending garden and removing soil from compost bin © PCmi - www.fotolia.de

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