Die Erziehung in einem Kinderheim und die Perspektiven von Heimkindern

Das Image der Heimerziehung hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Noch viele Menschen haben ein Bild von großen Schlafsälen, vielen unglücklichen Kindern und unfreundlichen Betreuern vor Augen. Heutige Heimerziehung will den Kindern eine familienähnliche Lebenssituation bieten. Machen Sie sich ein Bild von der Lebensweise in einem Kinderheim und lesen Sie über die Perspektiven von Heimkindern.

Ziel und Zweck eines Aufenthalts in einem Kinderheim - am wichtigsten ist die Sicht auf eine gute Zukunftsperspektive

Ziele der Heimerziehung

Die Heimerziehung verfolgt verschiedene Ziele. Die Kinder leben und wohnen im Heim und sollen in allen Belangen unterstützt und gefördert werden.

Dabei ist das wichtigste Augenmerk die Zukunftsperspektive. Bestehende Schwierigkeiten und Auffälligkeiten sollen derart verringert werden, dass das Kind entlastet wird.

  • Kinder sollen lernen, ihre Probleme zu meistern und mit Konflikten umgehen zu können
  • Das Selbstbewusstsein soll gestärkt werden
  • Letztendlich sollen Jugendliche zu einer Berufsausbildung und einer Selbstständigkeit geführt werden.

Damit sind die Perspektiven für Heimkinder gar nicht so schlecht. Früher hafteten Heimkinder immer viele Vorurteile an, doch mittlerweile begreift ein Großteil der Gesellschaft, dass es sich um eine Hilfemaßnahme handelt und keinen Makel bedeutet.

Die Erziehung in Heimen ist bemüht, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu fördern und ihnen einen normalen Alltag bieten. Eine Heimerziehung kann eine intakte Familie nicht ersetzen, aber sie gibt den Kindern Halt und Perspektiven.

Ausgangslage und Zukunftsperspektive

Viele Heimkinder sind traumatisiert, kommen aus zerrütteten Verhältnissen und einem schwierigen sozialen Hintergrund. Oft erfahren sie im Heim zum ersten Mal

  • einen geregelten Alltag
  • Fürsorge und
  • Aufmerksamkeit.

Heimkinder wurden oft stigmatisiert und abgestempelt, dabei steht hinter jedem Kind ein ganz individuelles Schicksal. Jedes Heimkind könnte eine lange und traurige Geschichte erzählen.

Bindungsverluste

Sie haben schon früh Bindungsverluste erlebt; diese negativen Erfahrungen wollen verarbeitet und kompensiert werden. Dafür brauchen die Heimkinder zuverlässige und liebevolle Bezugspersonen. Wenn sie

  • Halt
  • Unterstützung
  • Zuwendung
  • Aufmerksamkeit und
  • Sicherheit

erfahren, sind die Perspektiven für die Zukunft sogar gut. Das therapeutische und heilpädagogische Angebot unterstützt die Kinder in ihrer Entwicklung. Wenn die Heimerziehung glücklich verläuft, können die Kinder eine gute Beziehung zu ihrer Bezugsperson aufbauen und erfahren Zuverlässigkeit und eine tragfähige Bindung.

Merkmale der Betreuung und des Zusammenlebens

Heimerziehung findet heute in kleinen und überschaubaren Gruppen statt. Die Kinder werden Tag und Nacht von ErzieherInnen und SozialpädagogInnen betreut. Diese arbeiten im Schichtdienst, so dass eine Betreuung rund um die Uhr gewährleistet ist.

Die Gruppen bewohnen größere Etagenwohnungen oder Häuser. Die Kinder teilen sich zu zweit ein Zimmer, manchmal gibt es auch Einzelzimmer. Es gibt ein gemeinsames Wohnzimmer, Esszimmer und eine Küche.

Oft werden die Gruppen von einer zentralen Küche versorgt, eine eigene Wäscherei kann sich um die Kleidung kümmern. Putzfrauen halten die Räume sauber, wobei die Kinder je nach Alter in kleine Pflichten eingebunden werden. So gibt es verschiedene Dienste, wie zum Beispiel Tischdeckdienst.

Die Kinder

Hausaufgaben werden betreut und Freizeit gemeinsam gestaltet. Viele Heimgruppen fahren auch zusammen in Urlaub.

Die Gruppen sind meistens alters- und geschlechtergemischt, was dem Verhältnis einer Großfamilie nahe kommt. Bei der Unterbringung wird angestrebt, dass diese ortsnah ist, damit das Kind seine Beziehung zu seiner Familie und dem sozialen Umfeld aufrechterhalten kann, außer wenn dieses nicht sinnvoll ist.

Bestandteile der Betreeung

Therapeutische Hilfe

Viele Kinder sind traumatisiert und zeigen Auffälligkeiten, deshalb brauchen sie therapeutische oder heilpädagogische Hilfe. Da stehen den Heimen verschiedene Angebote zur Verfügung. Logopäden bieten:

  • Sprachheilpädagogik
  • heilpädagogisches Turnen und Bewegungstherapie
  • Spieltherapie
  • Verhaltenstherapie und Verhaltenspädagogik
  • Erlebnispädagogik
  • familientherapeutische Maßnahmen

Besonders bewährt hat sich das System der Bezugserzieherin oder Bezugserzieher. Da ist eine Person hauptsächlich für ein Kind verantwortlich, damit hat das Kind eine zuverlässige Bezugsperson.

Halt und Sicherheit

Kinder sind der Willkür von Erwachsenen ausgeliefert, deshalb braucht es verantwortungsbewusste und liebevolle Menschen, welche die Kinder erziehen. Heimkinder haben meist schon Verletzungen erfahren und dies darf sich nicht wiederholen, sie brauchen Stabilität und Sicherheit. Dann können sie Kräfte mobilisieren, die auf eine positive Zukunft gerichtet sind.

Mehr als andere Kinder sind Heimkinder verunsichert, denn oft wissen sie nicht wo sie in der Zukunft leben werden und was auf sie zukommt, diese Belastung muss so gering wie möglich gehalten werden.

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  • auf der Rutsche © Grischa Georgiew - www.fotolia.de

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