7. Februar 2009
(pgk) Während der durchschnittlich drei Jahre dauernden Wickelzeit produziert ein Kind etwa eine Tonne nasser Windeln. Das bedeutet: Tausende Male am Kind schnuppern ("Ohje, ein Stinker!"), drei Schichten Kleidung auspacken, Windel öffnen, Inhalt inspizieren, Popo reinigen, neue Windel anziehen, Kleidung wieder anziehen... Auch der geduldigste Schnellwickel-Experte hat dazu irgendwann keine Lust mehr. Doch: Wann soll ich mit dem Windelentwöhnen beginnen? Wie umgehe ich am geschicktesten größere Unfälle? Wie lange wird es dauern, bis der Nachwuchs endlich trocken ist?

Ab einem Alter von etwa zwei Jahren sollte das Kind langsam ans Töpfchen gewöhnt werden
Die meisten Eltern beginnen mit dem Töpfchen-Training, wenn die Kleinen etwa zwei Jahre alt sind. Das kindliche Gehirn ist frühestens mit zwei bis zweieinhalb Jahren wirklich reif genug, um die Ausscheidungsfunktion zu kontrollieren. Einige Kinder schaffen es wirklich in kürzester Zeit, die meisten Kinder benötigen jedoch einige Monate. Jungen sind häufig später trocken als Mädchen. Und einige Kinder sind sogar bis zu ihrem vierten Lebensjahr noch nicht bereit, es den Großen gleichzutun. Selbst wenn Ihr Kind ein Spätzünder in Sachen Töpfchen ist, besteht kein Grund zur Sorge. Den richtigen Zeitpunkt signalisiert das Kind meist von allein. Anzeichen sind zum Beispiel das Imitieren anderer WC-Gewohnheiten.
Viele Kinder registrieren mit gut anderthalb Jahren zum ersten Mal bewusst, dass sie gerade ihr Windelgeschäft machen. Aufgeregt zeigen sie auf den Unterleib oder die Windel und machen Mama und Papa darauf aufmerksam, dass sich dort gerade etwas Interessantes getan hat. Doch meist dauert es jetzt noch mindestens ein halbes, oft auch ein Jahr, bevor das Kind eine Verbindung zwischen Drang und "Produkt" herstellt. Zwingen hilft gar nichts: Zu großes Drängen und zu häufiges Üben rufen eher Trotz und Abwehr hervor statt zu schnellem Sauberwerden anzuleiten.
Das Töpfchen sollte Teil der tägliche Routine werden. Ein passendes Töpfchen oder ein spezieller Toilettenaufsatz sollte an einem schönen Ort platziert werden, beispielsweise mit Blick auf Fenster oder Spiegel im Bad. Wichtig ist der stabile Stand, damit das Kind es auch allein benutzen kann, ohne es umzuwerfen oder von ihm herunter zu fallen. Setzen Sie Ihr Kind einfach mal nach dem Frühstück oder zum Zähneputzen angezogen auf das Töpfchen. Wichtig ist zunächst, dass es begreift, dass es dieses "Ding" benutzen soll.
Lassen Sie Ihr Kind dann beispielsweise vor dem Baden auch mal ohne Windel auf dem Töpfchen sitzen. Es braucht etwas Zeit, sich daran zu gewöhnen, wie es sich anfühlt. Jetzt können Sie ihm erklären, warum es dort sitzt: Dass Mama, Papa und Geschwister jeden Tag auch nichts anderes tun und dieses Ritual zum Großwerden einfach dazugehört. Hat Ihr Kind den Sinn verstanden und macht etwas in das Töpfchen – super! Falls nicht, drängen Sie es nicht zu sehr. Vielleicht hilft es auch, wenn es weiß, wohin sein Geschäft entschwindet. Das nächste Mal, wenn etwas in die Windel geht, gehen Sie mit ihm zum Töpfchen und entleeren die Windel dort hinein. Durch das direkte Beobachten, was mit dem Windelinhalt geschieht, lernt es, warum es auf das Töpfchen gehen soll.
Ermutigen Sie Ihr Kind nach und nach, das Töpfchen auch allein aufzusuchen. Oder es soll Ihnen Bescheid sagen, damit Sie mit ihm ins Bad gehen können. Falls Sie die Möglichkeit haben, lassen Sie es ruhig ohne Hose und Windel spielen, natürlich nur wenn es warm ist und das Töpfchen in der Nähe steht. Erzählen Sie ihm, dass es nun jederzeit auf das Töpfchen gehen kann, und – falls nötig – erinnern Sie es gelegentlich daran.
Fast jedem Kind passieren in der Phase des Trockenwerdens kleine Missgeschicke. Es geht öfters mal etwas in die Hose, bis Ihr Kleines absolut trocken ist, tags wie nachts. Werden Sie nicht wütend oder setzen Ihr Kind unter Druck. Es ist noch nicht allzu lange her, dass sich die Blasenmuskulatur und der Schließmuskel soweit ausgebildet haben, dass sie stark genug sind, die Blase und den Enddarm fest verschließen zu können. Um diesen Prozess korrekt ausführen zu können, benötigt es Zeit. Bleiben Sie ruhig und geduldig, falls mal etwas in die Hose geht.
Benutzt Ihr Kind am Tag konsequent das Töpfchen oder die Toilette, wird es vielleicht trotzdem weitere Monate oder Jahre brauchen, um nachts trocken zu werden. Also bewahren Sie die übrig gebliebenen Windeln lieber auf. Eventuell ist Ihr Kind noch zu klein, um für den Toilettengang regelmäßig aufzuwachen. Sie können es unterstützen, indem Sie ihm ab dem späten Nachmittag nicht mehr viel zu Trinken anbieten. Machen Sie Ihrem Kind verständlich, dass es Sie immer rufen kann, wenn es nachts wach wird, damit Sie mit ihm auf die Toilette gehen. Für den Fall, dass es das Töpfchen in der Nacht benutzen will, können Sie es auch neben dem Kinderbett platzieren.
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