Kinderarmut - Verbreitung, Ursachen, Folgen und Hilfsangebote

Weltweit leben viele Kinder in Armut, dabei sind etliche von ihnen mangelernährt und haben noch nicht einmal Zugang zu sauberem Trinkwasser. Laut dem UNICEF Jahresbericht gibt es vielerorts keine sanitären Einrichtungen und noch nicht einmal die einfachste medizinische Versorgung. Kinderarmut hat verschiedene Ursachen und Folgen; es gibt einige Möglichkeiten, dagegen anzugehen. Informieren Sie sich hier über die Verbreitung, Ursachen und Folgen von Kinderarmut, und lesen Sie über mögliche Hilfsangebote.

Ursachen und Folgen von Kinderarmut im Ausland und hierzulande - wir informieren über mögliche Anlauf- und Beratungsstellen bei Kinderarmut

Armut beschreibt immer einen Zustand des Mangels und sozialer Benachteiligung. Lebenswichtige Güter wie Kleidung, Unterkunft und Nahrung sind nicht ausreichend vorhanden.

Dabei definiert man eine absolute Armut und eine relative Armut, bei der das Einkommen deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist arm, wer monatlich weniger als die Hälfte des aus der Einkommensverteilung seines Landes berechneten Zentralwertes zur Verfügung hat.

Glaubt man den Nachrichten, so ist die Kinderarmut in Deutschland steigend. Hauptsächlich alleinerziehende Mütter können den Lebensunterhalt kaum bestreiten, vor allen Dingen wenn die Väter keinen Unterhalt zahlen. Der Unterhaltsvorschuss des Jugendamtes wird nur bis zum zwölften Lebensjahr des Kindes gezahlt.

Obwohl die Politik stolz sinkende Arbeitslosenzahlen verkündet, hat dies keine positiven Auswirkungen für Kinder und Jugendliche, die sozialhilfebedürftig sind. Nach wie vor tragen die Politiker ihre Grabenkämpfe auf dem Rücken der Kinder aus. Familien mit Kindern sind die großen Verlierer unserer Zeit.

Gründe für Armut

Während es für Banken und den Euro einen groß angelegten Rettungsschirm und für die Automobilhersteller eine Abwrackprämie gab, kümmert sich kaum jemand um die Kinderarmut, obwohl sie ein zunehmendes gesellschaftliches Problem darstellt. Vor allem Familien mit Kindern geraten immer häufiger durch Arbeitslosigkeit in die Armutsfalle, aus der sie dann noch schwerer herauskommen, als Arbeitslose ohne Kinder.

Das liegt auch daran, dass die Eltern, von denen viele alleinerziehend sind, bei der Suche nach einer Arbeit zeitlich weniger flexibel sein können. Darüber hinaus steht ihnen weniger Geld zur Verfügung.

Bildungsferne Elternhäuser und Eltern, die alkohol- oder drogensüchtig sind, können eine Armut der Kinder verschulden. Es gibt auch eine emotionale Armut, bei der Kinder vernachlässigt werden.

Weitere mögliche Hintergründe für Kinderarmut sind:

Kinder, die aus Familien mit niedrigem Einkommen stammen, zählen fast immer zu den Verlierern. Durch die Armut werden die Spielräume der Betroffenen stark eingeschränkt. Außerdem kommt es oft zu Unterversorgungen, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit, die Entwicklung und die Bildung der Kinder haben.

Fast jeden Tag müssen die Kinder Ausgrenzung und Ohnmacht erleben, was sie für das weitere Leben prägt. Für eine angemessene gesellschaftliche Teilhabe wird jedoch Geld benötigt.

Definition

Gemessen an dem materiellen Wohlstand ist die Armutsgrenze nicht so genau zu definieren, aber wenn das Kind nicht am sozialen Leben teilnehmen kann, weil Kinokarten oder die Mitgliedschaft in einem Verein zu teuer für das Elternhaus sind, kann man von einer Armut sprechen. Immer mehr Kinder in Deutschland haben aber auch nicht genug zu Essen, bekommen keine Schulbrote mit und sind teilweise sogar mangelernährt.

Auch die so genannten Straßenkinder, Jugendliche die auf der Straße leben, sind von einer bedrohlichen Armut betroffen. Aus dem Armutskreislauf zu entkommen ist für Kinder sehr schwer, da sie vollkommen von den Eltern abhängig sind.

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Verbreitung der Kinderarmut...

Die Lage in Entwicklungsländern

Kinder sterben

Unter anderem sorgt auch die Ausbreitung von Aids für eine hohe Elternsterblichkeit und macht die Kinder zu Waisen. Viele Kinder in der Dritten Welt können keine Schule besuchen und die Zukunftsperspektiven sind sehr gering.

Entwicklungsländer sind auch immer wieder von Naturkatastrophen oder Ernährungskrisen betroffen. Ein hoher Bevölkerungszuwachs ist auf die mangelnde Familienplanung zurückzuführen.

Mangel- oder Unterernährung schwächt die Betroffenen, dies macht die Eltern arbeitsunfähig und führt wiederum in die Arbeitslosigkeit. Oft sind aber auch gar keine Arbeitsmöglichkeiten vorhanden. Die Kinder sind die Leidtragenden und ein Entkommen aus dem Teufelskreislauf ist kaum möglich.

Trotz Hilfsprojekten weltweit weiterhin viel Armut

Hilfsorganisationen probieren durch Spenden und Patenschaften für Kinder zu helfen. Aber trotz allen Hilfemaßnahmen ist die Kinderarmut weltweit noch erschreckend hoch.

In vielen Entwicklungsländern kann man von einer absoluten Armut sprechen, da noch nicht einmal die Grundbedürfnisse befriedigt werden können.

Unterernährung

Unterernährte Mütter können ihre Kinder nicht stillen und ein Großteil der Kindersterblichkeit, auch der Mütter, geht auf Unterernährung zurück. Armut wirkt sich nachweislich nachteilig auf die Entwicklung der Kinder aus. Zusätzlich haben viele arme Kinder noch nicht einmal ein richtiges Dach über dem Kopf.

Emotionale Vernachlässigung

Hinzu kommt oft eine emotionale Vernachlässigung. Diese Kinder werden nicht gefördert und erfahren manchmal auch keine Zuwendung, sondern stattdessen Armut in allen Bereichen. Arme Kinder haben

  • keine Spielsachen
  • keinen Zugang zu Medien und
  • schon gar nicht eine kindgerechte und unbeschwerte Kindheit.
Kind in verschlissenen Klamotten
Hauptsächlich mangelt es armen Kindern an den notwendigsten Dingen des alltäglichem Lebens

Mangelnde Bildung

Der Zugang zu Bildung bleibt armen Kindern verwehrt, sie besuchen keine Schule und können meist nicht lesen und schreiben. Schulen sind meist zu weit entfernt oder Bücher und Schulmaterial zu teuer.

Oft müssen Kinder auch ihre Familien finanziell unterstützen und schon von klein auf arbeiten gehen.

Fazit

Berichten zufolge lebt die Hälfte aller Kinder weltweit in Armut. Eine menschenwürdige Kindheit ist nicht möglich und oft erfahren die Kinder auch noch Gewalt.

Trotz vielen lobenswerten Versuchen die Not zu lindern, kommt bei vielen Kindern keine Hilfe an. Die Situation scheint ausweglos und den Betroffenen bleibt oft nur die Lethargie und Resignation.

Die Lage in Deutschland

Der eigentliche Begriff "Armut" bezeichnet einen Mangel an lebenswichtigen Dingen wie

In den meisten Industrieländern mangelt es jedoch nicht an lebensnotwendigen Gütern. Glücklicherweise muss hier niemand verhungern oder verdursten.

Somit wird die Armut an dem "normalen" Lebensstandard gemessen. Man bezeichnet diese Armutssituation deswegen auch als "relative Armut".

So spricht man in Deutschland von Kinderarmut, wenn das Einkommen der Familie des Kindes bei maximal 50% des deutschen Durchschnittseinkommens liegt. Dies ist derzeit bei ungefähr 12% der Kinder in Westdeutschland und bei 23% der Kinder in Ostdeutschland der Fall.

Kinderarmut ist also nicht nur ein Thema der Dritten Welt. Laut dem Armutsbericht der Bundesregierung ist die Anzahl der von Armut betroffenen Kinder in Deutschland steigend. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Ursachen.

Auch UNICEF nennt erschreckend hohe Zahlen und beschreibt, dass Verhaltensauffälligkeiten und chronische Krankheiten bei von Armut betroffenen Kindern vermehrt vorkommen.

Dabei ist Armut relativ - wenn Kinder Ausgrenzung erfahren, weil sie

kann man von Armut sprechen.

Armut bezeichnet immer einen Mangel nicht nur an lebenswichtigen Dingen. Gemessen an dem in Deutschland herrschenden Wohlstand, erleben von Armut betroffene Kinder eine Entbehrung. Die Tendenz der Kinderarmut ist steigend und immer mehr Kinder leben von Sozialleistungen.

Ursachen

Ursachen für die immer weiter steigende Kinderarmutsrate sind laut UNICEF

  • die hohe Zuwanderungszahl der letzten zehn Jahre
  • die hohe Arbeitslosigkeit und
  • die sinkenden Löhne.
  • Zudem hat die Anzahl Alleinerziehender zugenommen.
  • Zusätzlich haben sich die Fälle von Kinderarmut nach der Einführung von Hartz IV praktisch über Nacht verdoppelt.

Emotionale Armut

Man spricht heute auch von einer emotionalen Armut. Hier werden die Kinder vernachlässigt und haben keine zuverlässige Bezugsperson.

Sie erfahren Ohnmacht, Ausgrenzung und sind sich oft selbst überlassen. Dies sind Erfahrungen, die prägen und auch das spätere Leben beeinflussen. Armut hat Folgen für eine gesunde Entwicklung, für die Gesundheit und für die Bildung.

Folgen

Kinder, die von Kinderarmut betroffen sind, fühlen sich oft minderwertig und ausgegrenzt. Sie können keine teuren Markenklamotten tragen oder am Wochenende den Zoo oder das Kino besuchen. Oft bleibt der Fernseher die einzige Freizeitbeschäftigung.

Darüber hinaus übertragen sich die Zukunftsängste der Eltern auf ihre Kinder. Die Psyche der Kleinen ist meist nicht so stabil, dass sie eine derartige Belastung ertragen kann.

Gesundheitliche Folgen

Auch die gesundheitliche Situation in Armut lebender Kinder ist meist schlechter als beim Rest der Bevölkerung. So leiden Kinder, die unterhalb der Armutsgrenze leben häufiger an:

Schlechte Bildung

Zusätzlich wirkt sich das geringe Einkommen der Eltern auf die Bildung der Kinder aus. Meist ist es den Eltern nicht möglich, ihre Kinder zu fördern und zu motivieren. Die Folge sind immer mehr Jugendliche ohne Schulabschluss.

Damit haben sie auch als Erwachsene geringe Möglichkeiten, der Armut zu entkommen. Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind auch wieder schneller von Armut bedroht.

Damit bewegen sich die Kinder in einem Teufelskreis aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Da sie vollkommen von den Eltern abhängig sind, bleibt ihnen nur die Chance, als Erwachsene dieser Situation zu entkommen.

Straßenkinder

Um Gewalt oder Missbrauch zu entgehen, aber auch durch Alkohol- und Drogenmissbrauch wählen auch in Deutschland Kinder ein Leben auf der Straße. Selbst in einem reichen Sozialstaat wie Deutschland gibt es Straßenkinder die meistens in Großstädten anzutreffen sind.

Nicht selten geraten diese Kinder auf eine kriminelle Bahn. Laut unserem Gesetz dürfte es keine Straßenkinder geben, die Realität sieht aber anders aus. Armut hat viele Gesichter und immer sind die Kinder die Leidtragenden.

Kinderarmut entgegenwirken

Längst sind Armutsgefährdung oder Armut kein Einzelschicksal mehr. Ganze gesellschaftliche Gruppen gelten als gefährdet. Dazu gehören vor allem kinderreiche Familien, alleinerziehende Eltern, Einwanderer und Flüchtlinge.

Der Deutsche Caritasbund schlägt zur Verbesserung der Situation der betroffenen Kinder vor, dass sich die Kinderregelsätze in den Grundsicherungssystemen mehr an dem täglichen Bedarf orientieren. Außerdem sollte der Kinderzuschlag ausgebaut werden.

Auch Sachleistungen wie z.B. freier Eintritt für Kulturveranstaltungen oder kostenloser Nachhilfeunterricht wären hilfreich. Um der Kinderarmut entgegen zu wirken, ist es wichtig, gegen die Arbeitslosigkeit zu kämpfen und ein gewisses Existenzminimum für Kinder in Deutschland zu sichern.

Wichtig ist zudem ein Betreuungs- und Förderungsangebot für Kinder und Jugendliche, in denen ihnen neue Perspektiven aufgezeigt werden, damit die Spirale der Kinderarmut endlich unterbrochen werden kann.

Die Perspektiven für arme Kinder

Beeinträchtigung der Kinderentwicklung

Die Armut beeinträchtigt die Entwicklung und die Bildungschancen der Kinder. Sie erleben hauptsächlich:

Die Fähigkeiten und Talente der Kinder werden nicht ausreichend gefördert, weil Vereinsmitgliedschaften oder Musikunterricht für ein Musikinstrument zu teuer und nicht bezahlbar sind.

Teufelskreis

Oft stammen die Kinder auch aus so genannten bildungsfernen Elternhäusern, auch hier erfahren sie keine Förderung und die Bildungschancen sind gering. Meist ist auch eine Nachhilfe für die Schule nicht finanzierbar. Als Jugendliche sehen diese Kinder keine Zukunftsperspektiven und oft führt der Weg in die Kriminalität.

Hilfe für Betroffene

Einrichtungen und Hilfsprojekte

In Deutschland gibt es gute Ansätze, um der Armut entgegen zu wirken.

  • Es gibt zum Beispiel die Tafeln; hier können Lebensmittel für sehr wenig Geld gekauft werden.
  • Die meisten Städte verfügen auch über eine Suppenküche.
  • Kleiderkammern und Secondhand-Läden können Bedürftige für wenig Geld mit Kleidung versorgen.
  • Möbel und Einrichtungsgegenstände gibt es in den Secondhand-Kaufhäusern und Möbelhäusern.

Viele Kinder haben zu Schuljahresbeginn noch nicht einmal die nötige Ausstattung, weil Schulmaterialien zu teuer sind. Caritas, UNICEF und andere Einrichtungen, die armen Kindern eine Lobby bieten, fordern deshalb Sachleistungen, schulische Nachhilfe und Förderung, sowie kostenlose Teilnahme in Sport- und Musikvereinen.

Gefordert wird ein kostenreduzierter Eintritt für Theater, Museen, Zoo und Schwimmbäder, so wie es zum Beispiel die Stadt Frankfurt mit dem Frankfurt-Pass macht.

Langfristige Bekämpfung der Armut

Eine langfristige Bekämpfung der Armut scheint nur Chancen zu haben, wenn den Kindern bessere Möglichkeiten und Zukunftsperspektiven gegeben werden. Dafür ist eine gute schulische Ausbildung unerlässlich.

Um dem Kreislauf entkommen zu können, ist eine fundierte Berufsausbildung bedeutend. Oft erleben die Kinder nur Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Resignation; dem entgegenzuwirken ist wichtig.

Tatsache bleibt, ohne Geld und Unterstützung gibt es auch keine Perspektiven. Kinderarmut ist eine Frage der Menschenwürde und dürfte in einer Wohlstandsgesellschaft eigentlich nicht vorkommen. Kindergeld und Kinderfreibetrag wurden erhöht, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und kommt auch nicht immer den Kindern zugute.

Bildung als Fundament

Um langfristige Perspektiven für die Kinder zu schaffen, brauchen sie eine fundierte Bildung. Bildung ist die einzige Chance, um Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine gute Perspektive zu geben.

Dafür brauchen die Kinder Unterstützung und auch Motivation, um eine gute Berufsausbildung anzustreben. Arme Kinder brauchen positive Leitbilder und eine Lobby, die ihre Interessen vertritt. Gefordert werden

Quellen:

  • Daniel Schniering: Kinder- und Jugendarmut in Deutschland: Grundlagen, Dimensionen, Auswirkungen, Vdm Verlag Dr. Müller, 2006, ISBN 3865502105
  • H. G. Beisenherz: Kinderarmut in der Wohlfahrtsgesellschaft. Das Kainsmal der Globalisierung, Leske + Budrich Verlag, 2002, ISBN 3810030864
  • Margherita Zander: Kinderarmut: Einführendes Handbuch für Forschung und soziale Praxis, Vs Verlag, 2005, ISBN 3531144502

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